Architekt(o)uren führen zu zwei ausgesuchten Gebäuden in Kempten

Mit Blick auf Details

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Begeisterte bei den „architekt(o)uren“: das neue Gerätehaus der Feuerwehr Sankt Mang.

Kempten – Lediglich zwei Gebäude gab es bei den diesjährigen „architektouren“ in Kempten zu besichtigen. Interessierte gab es aber auch für diese reichlich und wer als „Reisemittel“ den vom architekturforum allgäu organisierten, kostenfreien Bus gewählt hatte, konnte nach Besichtigung des Neubaus von 25 familiengerechten Wohnungen auf der Ludwigshöhe und dem neuen Feuerwehrhaus in Kempten-Sankt Mang sich noch zu weiteren Gebäuden in Füssen und Oberstdorf chauffieren lassen.

Für die BSG-Allgäu als Bauherr wurden vom Kemptener Architekturbüro f64 auf der Ludwigshöhe 25 Wohnungen in zwei Gebäuden geplant, „seit 1999 die ersten sozial geförderten Wohnungen“, wie Stephan Walter von f64 betonte, was einen „engen Kostenrahmen“ bedeute, der auch eingehalten werden müsse. Dennoch ist, statt wirtschaftlicheren im rechten Winkel aufeinander bezogene Gebäude, eine „polygonale“ Bebauung entstanden, so dass, obwohl es eine Wohnanlage sei, „kaum zwei gleiche Wohnungen“ darin zu finden und verschiedene Zuschnitte im Angebot seien. Ein Tribut an die Aufenthaltsqualität besonders im Innenbereich, der mit einem kleinen Spielplatz und Sitzbänken einlädt. Zugunsten der Aufenthaltsfläche habe man sich entschieden mit der Bebauung bis „maximal an die Außengrenze zu gehen“, auch wenn es bezüglich der Abstandsflächen problematisch gewesen sei. Durch die gemeinsame Tiefgarage sind beide Häuser miteinander verbunden und Verbindung wird auch durch die alle zur Innenfläche liegenden Eingangsbereiche der Häuser geschaffen. Dazu gibt es im Erdgeschoss einen Gemeinschaftsraum mit Küche, der für Feste und sonstige Aktivitäten von allen Mietern genutzt werden kann. Lediglich die drei Dachwohnungen sind laut Norbert Pracht von der BSG-Allgäu nicht barrierefrei, könnten bei Bedarf aber entsprechend nachgerüstet werden. Der Mietpreis von circa 4,50 Euro pro Quadratmeter, statt hier angemessener zehn Euro, sei allerdings nicht durch das zinslose Darlehen möglich, das man beim sozial geförderten Wohnungsbau bekomme. „Das rechnet sich nicht.“ Deshalb setze die BSG-Allgäu einen guten Teil Eigenkapital ein.

Erst vor wenigen Wochen wurde das neue Gerätehaus der Feuerwehr in Sankt Mang eingeweiht (der Kreisbote berichtete). Für das klar strukturierte Gebäude, in dessen Erdgeschoss vier Feuerwehrfahrzeuge Platz finden, ein Lagerbereich, getrennte Umkleideräume für aktuell 61 männliche und vier weibliche FeuerwehrlerInnen, ein Trockenraum mit beheizbarem Schuh- und Handschulhalter, Sanitär- und Büroräume verantwortlich zeichnet sich die auf solcherlei Gebäude spezialisierte kplan AG aus Abensberg. Im 1. Obergeschoss gibt es neben einer Teeküche mit Aufenthaltsraum einen großen Schulungsraum. Das Gebäude liegt hinter einem Schallschutzwall entlang der Duracher Straße, der nur in kleinen Teilen geöffnet worden sei, wie ein kplan-Mitarbeiter erläuterte. So gibt es vom Fahr- und Ausrückebereich eine direkte Ausfahrt auf die Duracher Straße. Insgesamt sei alles so umgesetzt worden, wie geplant. Einzig die ursprünglich geplante Dachterrasse zum Grillen sei zugunsten eines „längeren Schulungsraumes“ nicht gekommen. Die markante Holzfassade besteht aus „vorgegrauter Weißtanne“. Großes Lob gab es nicht nur für den Holzbauer, der wie 90 Prozent der beteiligten Firmen „aus dem Umkreis“ stammt, sondern „die hohe Qualität der Allgäuer Handwerker“ insgesamt. Zufrieden zeigte sich auch der stellvertretende Kommandant Andreas Walk beim Rundgang, unter anderem, weil jetzt alles „auf dem neuesten technischen Stand“ sei. Im Inneren schaffen Details in Feuerwehrrot eine optische Verbindung zu Sinn und Zweck des Gebäudes. In den Bereich der Schildbürgerstreiche gehört dagegen wohl die Geschichte um die kurz und bündig alles erklärende große „112“ auf der Südfassade. Die sei, wie seitens kplan zu erfahren war, von der Stadt Kempten – wie auch der Schriftzug Feuerwehr in lesbarer Qualität – nämlich nicht genehmigt worden, so dass das Planungsbüro die drei Ziffern aus Metall habe auf eigene Faust anfertigen lassen. Sichtbar sei die „112“ dann aber erst nach Entfernen des Baugerüsts geworden – bislang habe sich noch niemand darüber beschwert.

Christine Tröger

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