Mit Argumenten füttern

Zum Gedankenaustausch treffen sich alljährlich die Oberallgäuer Jäger und Waldbesitzer. An Ort und Stelle, wie hier in Walzlings bei Altusried, können die Argumente mit anschaulichen Beispielen untermauert werden. Auf unserem Foto diskutiert Andi Herzner (links vorne) mit Manfred Werne (Mitte), dahinter Landtagsabgeordneter Dr. Leopold Herz. Foto: Würzner

Die Einladung zur diesjährigen Waldbegehung vom Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Kimratshofen, Franz Roggors, stieß auf großes Interesse im gesamten Allgäu, wie an den Autokennzeichen und dem bunten Gemisch an Dialekten zu erkennen war. Knapp 50 Jäger und Waldbesitzer wollten die Gelegenheit, die ihnen Peter Fink und der BBV bot, nutzen, die endlose Diskussion um Verbiss und Abschussquoten an Ort und Stelle mit Argumenten zu unterfüttern.

Die ausgewählten Gebiete bei Walzlings und Hohenthann boten für Pro und Kontra je nach Sicht der Dinge genügend Beweise. Der Verbiss an jungen Weißtannen war nicht zu übersehen, dem unvoreingenommenen Betrachter wurde durch fachmännische Erläuterungen aber auch klar, dass eng stehende Bäume und dichtes Unterholz ideale Deckung für das Wild bieten. Könnte die Lösung des Problems so aussehen, dass die Waldbesitzer oder diejenigen, die für dessen Pflege verantwortlich sind, die ein oder andere Tanne schlagen und damit dem Jäger die Arbeit erleichtern? Und die Waidmänner im Gegenzug ihre Jagd nach Trophäen, sprich Böcken mit ansehnlichem Geweih, der Forderung nach Dezimierung des Wildbestandes unterordnen? Ungewisse Zukunft Manfred Werne vom Kreisjagdverband propagierte, verstärkt auf Zuwachsträger zu gehen, das sind Geißen und weibliche Kitze. Aber wenn mangels natürlicher Feinde wie Luchs, Wolf und Bär die Balance nicht mehr stimmt, müssen wenig populäre Maßnahmen ergriffen werden. Eine Vorstellung zu entwickeln, wie der Wald der Zukunft aussehen soll, ist angesichts der langwierigen Erfolgskontrolle eine schwierige Angelegenheit. „Was ich heute pflanze, wird sich erst nach drei Generationen als richtig oder falsch erweisen“, so Andi Herzner, Jagdleiter von Kimratshofen. „Andererseits haben sich die Bauern und Förster vor über hundert Jahren auch nicht vorstellen können, was sie mit ihren Fichtenmonokulturen anrichten.“ Die natürliche Verjüngung des Waldes mit einer ausgewogenen Mischung der Hölzer ist das Ziel. Die Wege, es zu erreichen, müssen von allen Beteiligten mitgetragen werden, Kompromisse eingeschlossen. Denn es könne nicht sein, wie Werne bemerkte, dass man 300 Ahornpflanzen im Boden verbuddelt und dann die Verantwortung für deren Gedeihen auf den Jäger abwälzt. Wie man sich mit verschiedenen Zeiterscheinungen wie dem „Geochashing“ arrangiert, ist auch noch ein Thema. Horden von Wanderern, die vielerorts auch nachts mit Stirnlampen durchs Unterholz brechen, sind bei der Hege und Pflege von Wald und Wild natürlich kontraproduktiv. Entscheidend ist, und darüber waren sich alle einig, dass man den Dialog pflegt. Und das dies in Form eines Waldspaziergangs mit anschließender Brotzeit zur ständigen Einrichtung geworden ist, hat keiner etwas dagegen.

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