"Armut ist vielfach anzutreffen"

In Zeiten zunehmend leerer Kassen das Leben besser meistern können – dieser Gedanke steht hinter dem neuen Caritasladen in Kempten. „Ich freue mich, dass wir neben Sonthofen und Immenstadt eine solche Einrichtung nun auch in Kempten anbieten können“, betonte Dr. Anton Obermaier, Vorsitzender des Oberallgäuer Caritasverbandes, bei der Eröffnung der Ladenräume in der Landwehrstraße 11. Dort können sich bedürftige Menschen ab sofort mit Lebensmitteln sowie mit Kinderkleidung und Schulbedarf eindecken.

Im wesentlichen handelt es sich um Frischware, die nahe am Haltbarkeitsdatum angelangt ist oder dieses geringfügig überschritten hat. Den Initiatoren war zudem wichtig, dass auch Kinder von arbeitslosen oder allein erziehenden Eltern neuwertige Schulsachen und Kleidung bekommen können. „In unserer hoch organisierten und bürokratisierten Welt würden die Waren, die wir bekommen, aus den Regalen geräumt werden und im Abfall landen“, so Obermaier. Man könne auf diese Weise Not lindern und sozial schwachen Mitbürgern eine Hilfe anbieten. Ermöglicht werde dies aber erst durch örtliche Betriebe, die der Caritas die Waren kostenlos zur Verfügung stellen. Ebenso sei die Ladeneinrichtung von einer örtlichen Lebensmittelkette gestellt worden. „Die Märkte und Einzelhändler, die uns hier helfen, können unbesorgt sein – wir sind keine Konkurrenz“, erklärte der Vereinschef. Die Produkte würden nämlich nur an wirklich sozial Schwache abgegeben. Die Bedürftigkeit werde anhand von Einkommensbescheiden überprüft. Obermaier: „Normalverdiener kommen hier nicht rein.“ Die Waren würden zu zehn Prozent des üblichen Ladenpreises abgegeben. Ein Gewinn sei da für die Initiatoren nicht drin. „Armut ist vielfach anzutreffen, auch in unserer Stadt“, meinte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). Gleichzeitig hätten jedoch andere die Möglichkeit zu helfen. Die Tafel-Idee stamme aus den USA und habe 1993 den Weg nach Berlin gefunden. Zusammen mit den Rotkreuzläden bildet der Caritasladen einen Teil der Kemptener Tafel, die spezielle Einkaufsmöglichkeiten für bedürftige Menschen schafft. Demnächst wird das Rote Kreuz eine weitere Einkaufsmöglichkeit für sozial Schwache in der Magnusstraße in St. Mang eröffnen.

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