Musik und gute Laune mit Ansteckungsgefahr beim Festivalauftakt

Kempten im Jazzfieber

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Endlich geht’s los: die diesjährige Marching-Band „Rue d’Anvers“ aus den Niederlanden in Hochform.

Kempten – Hält es oder hält es nicht? Natürlich hielt es, das Wetter – wie praktisch immer zur Eröffnung des Kemptener Jazzfrühlings, bei der wieder bis in den späten Nachmittag hinein gratis Open-Air-Jazz an allen Ecken der Innenstadt geboten wurde.

An begeistertem Publikum mangelte es auch beim 31. Festivalstart nicht, weder auf dem Rathausplatz, wo „Soleil Bantu“ den fetzigen Auftakt gaben, noch an all den anderen Spielorten. Zeichnen sich die Marching-Bands, die alljährlich mit fröhlichen Klängen durch die Stadt ziehen, generell durch große Spielfreude aus, waren die heuer aus den Niederlanden angereisten Mannen von „Rue d’Anvers“ kaum zu bremsen. Nicht nur musikalisch zogen sie die Massen magisch an, auch mit ihrer komisch-komödiantischen Seite. Abends lockte der im vergangenen Jahr wiederbelebte „Jazz-Ball“ ins Kornhaus, wo sich die zahlreichen Gäste gerne von „Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra“ zum Tanzen animieren ließen.

„Ausverkauft“ hieß es im TheaterOben. Dort bot der Akkordeonist Vincent Peirani mit seinem Quartett ein faszinierendes Kontrastprogramm vom Feinsten. Die Mixtur aus französischer Folklore bis Ambient ging, wie das emotional pralle Spiel des Saxophonisten Emile Parisien, unter die Haut.

Ganz andere Töne gab es im „Stift“, wo die „First Lady of Boogie-Woogie“, Anke Angel, am Piano und mit bluesiger Stimme ihr Publikum mitriss. Bis kommenden Sonntag ist noch Gelegenheit für musikalische Neuland-Abenteuer oder traditionelle Jazzklänge. Im Theaterfoyer ist die kleine, feine Ausstellung mit Malereien von Heidi Netzer zu besichtigen. Von ihr stammt auch heuer das Plakatmotiv.

Die jungen Musikerinnen und Musiker der Sing- und Musikschule spielten am vergangenen Sonntagabend vor dem durchaus gemischten Publikum zusammen mit dem Tuesday Night Jazz Orchestra und den Brewhousehilljazzcops. Bei den Jazz-Songs aus Swing, Pop und Latin beeindruckte die 18-jährige Sängerin Sarah Buchner mit viel Leidenschaft in ihrer Stimme. Wer die junge Kemptenerin noch einmal live erleben will, sollte am kommenden Freitag, 1. Mai, um 14.30 Uhr beim AÜW in der Turbinenhalle vorbeischauen.

Voll besetzte Locations 

Bis auf den letzten Platz ausverkauft war das Haus Hochland, das dieses Jahr zum ersten Mal als Veranstaltungsort für eine Konzertreihe des Jazzfrühlings fungiert. Das Crack Hoffmann Jazz Quartett präsentierte dort im Rahmen des Benefizkonzerts – der Kiwanis Club spendet den Erlös an das Allgäu Hospiz Kempten – eine bunte Mischung aus Blues, bekannten Dixieland-Titeln und Swing-Evergreens gemixt mit kreativen Improvisationen. Die Stücke waren gekennzeichnet von Spielwitz und die Musiker standen mit so viel Freude auf der Bühne, dass das Publikum von Anfang angesteckt wurde. An allen Ecken des Saals wurde mitgewippt und mit den Fingern geschnippt. Beeindruckend waren vor allem die Soli der Musiker, die die rund 200 anwesenden Zuhörer begeisterten.

Voll besetzt waren auch die verfügbaren Plätze im „Stift“. Auf der Bühne standen Los Paperboys, die nicht nur musikalisch überzeugten. Mit Witz und Humor präsentierten sich die Musiker aus Kalifornien in den Pausen zwischen ihren Songs, die wieder einmal deutlich zeigten, dass auch Musikrichtungen wie Celtic, Mexican Music und Club durchaus zum Kemptener Jazzfrühling passen. Der „Stift“ verwandelte sich für die Zeit des Konzertes von einer Allgäuer Brauereigaststätte mehr in einen Irish Pub, denn die Musik entführte die Zuhörer zumindest musikalisch in die Welt der Kelten. Gleichzeitig kam man sich vor wie in den verschiedensten Ecken Amerikas, von der Westküste Kanadas bis nach New Mexico und Arizona und Kalifornien nahmen die Musiker ihre Zuhörer mit.

Musikalisches Speed-Dating 

Auch für die kommenden fünf Tage des Festivals haben die Organisatoren noch einiges in petto.

Nach ihrer Einführung im vergangenen Jubiläumsjahr, geht die Jazznacht am heutigen Mittwochabend in die zweite Runde. Elf Konzerte auf elf Bühnen: An diesem Abend kommt sicher keine Langeweile auf, denn den Besuchern ist es möglich von 20 bis 24 Uhr zwischen den Locations zu wechseln, mehrere Bands zu sehen und verschiedenste Facetten des Jazz kennenzulernen.

Jazzig, rockig, aber auch klassisch geht es zeitgleich in der bigBOX zu, wenn die Künstler von pianistixx und pianotainment zusammen mit dem Hamburger Pianisten Joja Wendt um 20 Uhr ein Konzert geben.

Bei der klecksNight treten im Künstlerhaus an jedem Abend des verbleibenden Jazzfrühlings verschiedene Bands auf, wie die Delicious Groove Gourmets am heutigen Mittwoch (24 Uhr) und am morgigen Donnerstag oder die Musiker von Jazz Police am kommenden Freitag und Samstag (jeweils 22.30 Uhr).

Verschiedene Nationen 

Im Stadttheater spielt am Freitag, 1. Mai, das Wolfang Dauner’s United Jazz + Rock Ensemble Second Generation und am Samstag, 2. Mai, präsentiert die Pianistin und Sängerin Tânia Maria Brasilian Jazz mit einem rhythmisch betonten Klavierspiel (jeweils um 20 Uhr). Bis in die Morgenstunden kann am Freitag gefeiert und getanzt werden, wenn Alice Francis und ihre Band mit ihren eigenen Songs im Parktheater im Rahmen der Electro Swing Night auftreten. Im Anschluss heizen dann die DJs „Der Dose“ und „Eezie“ allen Feierwütigen ein.

Viele Konzerte mehr finden bis kommenden Sonntag, 3. Mai, statt. Das komplette Pro- gramm ist im Internet unter www.klecks.de zu finden. Für Anliegen und Fragen hat das Festivalbüro in der Vogtstraße 8 bis Sonntag, 3. Mai, täglich von jeweils 14 bis 16 Uhr geöffnet (Tel. 0831/29276).

Christine Tröger / Lea Stäsche

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