"Aus Blut wird Milch"

Mit prächtigen Hörnern präsentieren sich die Kühe auf der Weide von Demeter-Bäuerin Susanne Schwärzler. Foto: Tröger

Braucht die Kuh ihre Hörner? Könnte der sprunghafte Anstieg von Milchallergien und –unverträglichkeiten mit der zunehmenden Enthornung von Kühen zusammenhängen? Für die ganzheitlich denkende Demeter-Bäuerin Susanne Schwärzler aus Dottenried bei Heiligkreuz stehen zweimal „ja“ außer Frage. Schließlich würden die durchbluteten Hörner eine Funktion im Verdauungsprozess der Kuh erfüllen und damit auch bei der Milchproduktion. „Aus Blut wird Milch“, erklärt die seit vielen Jahren im gesamten Allgäu mit Vorträgen aktive Vorreiterin, die unter anderem durch den Bioring auf das Thema gestoßen und „früher deswegen für blöd gehalten“ worden sei.

Inzwischen kann Schwärzler sich über rasant wachsendes Interesse freuen und auch verschiedene Untersuchungen stärken ihr den Rücken. Unter anderem wurde die Studie „Milch ist nicht gleich Milch“, nach einem Einführungsvortrag Schwärzlers im April diesen Jahres in Leutkirch vor zahlreichem Publikum vorgestellt. Dafür wurde die Milchqualität mit verschiedenen Fragestellungen und Methoden erforscht. Als Fazit der Elektrophorese-Untersuchungen des Verfahrenstechnikers Prof. em. Dr. Manfred Hoffmann von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität München in Weihenstephan, „zeigte nur Demeter-Milch von Kühen mit Hörnern eine signifikante Ausprägung der gesundheitsrelevanten Merkmale Immunglobulin, Serumalbumin und Redoxpotential“. Dennoch würden „heute 70 bis 80 Prozent“ der Kühe der „schmerzhaften“ Enthornung unterzogen – als Folge von Massentierhaltung um Platz zu sparen. Eindeutige Analyse Die Kristallanalyse von Dr. vet. med. Wilhelm Höfer zeigte „schöne farbliche Veränderungen“ sowie „regelmäßige 60-Grad-Winkel der Kristallnadeln“ bei Milch von einer Kuh mit Hörnern. Kristallbilder von konventioneller Kuhmilch aus Einzel- und Sammelgemelk dagegen „enthielten deutlich unregelmäßige Strukturen“. Für ihn steht daher fest, dass „die Milch, die uns krank macht“ aus den Hochleistungs-Großstallungen kommt. Die Hörnerfrage war bei Msc. Daniel Kusche, der sich im Rahmen seiner Doktorarbeit an dem Forschungsprojekt „Milchqualität“ beteiligt hatte, zwar nicht Thema. Dafür aber Faktoren, die auch bei Schwärzlers Aufklärungsarbeit eine Rolle spielen: Fütterung, Rasse, Stallhaltung, Weidegang, Anteile an Maissilage und Kraftfutter. Vor allem der „Sommermilch von Kühen mit Weidegang“ wurden hier „die besten Werte an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren“ bescheinigt. Die Kuh sei ein Verdauungstier, erklärt Schwärzler die Zusammenhänge im Gespräch mit dem KREISBOTEN, während sie von ihren vierbeinigen „Damen“ auf der Weide neugierig begrüßt wird. Sowohl die Enthornung, als auch die Fütterung „verändern die Eiweißqualität“. Zum Beispiel würde das Wiederkauen bei Fütterung mit Rauhfutter wie Heu circa 36 Stunden beanspruchen, bei Silagefütterung nur 24 Stunden. „Rund 400 Liter Blut werden für einen Liter Milch durch das Herz gepumpt“, erzählt die vierfache Mutter, die auch durch ihre drei Bücher über Beckenbodentraining sowie begleitende Kurse über die Grenzen des Allgäus hinaus bekannt geworden ist. Dieses Blut werde mit den durch das Futter unterschiedlichen Gasen angereichert und auch durch das „ausgeklügelte Nebenhöhlensystem“ im großen Kuhschädel bis in die Hörnerspitzen zirkuliert. Früher hätten „schön gestaltete, große Hörner und behaarte Euter“ der Kühe als Zeichen für gute Milchqualität gegolten. „Heute werden mit dem Gegenteil Höchstpreise erzielt“, schüttelt sie den Kopf. Dabei könne am Horn zum Beispiel die Gesundheit des Tieres, die Anzahl der geborenen Kälber oder das Alter des Tieres abgelesen werden. „Würden wir die Kühe wesensgemäß füttern und halten, bräuchten wir keine Nahrungsergänzungsmittel“, ist sie sich sicher.

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