Ein Ausdruck von Solidarität

Das war ein deutliches Zeichen von Unmut an die Adresse der Verantwortlichen für die Pläne, das Isnyer Krankenhaus noch weiter zu reduzieren und eventuell sogar ganz abzuschaffen. Gut 1000 Bürger aus Isny und der näheren Umgebung hatten sich vergangene Woche zu einer Menschenkette um das Krankenhaus versammelt.

Der Standort Isny ist für ein Krankenhaus mit intakter Grundversorgung im Bewusstsein der Bevölkerung tief verwurzelt und keiner will darauf verzichten. Inzwischen ist diese Botschaft durch die Medien, viele Aktionen und Besprechungen, Gegenvorschläge und Konzepte auf einer anderen Ebene angekommen. Egal wer nun „hingerudert“ ist, jetzt wird es höchste Zeit zum „Zurückrudern“. Es sei denn, die Meinung der Bevölkerung zählt wirklich nichts mehr. Der Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt des Isnyer Krankenhauses, Dieter Hechelmann, war von der gezeigten Solidarität der Menschen sichtlich gerührt und auch Bürgermeister Rainer Magenreuter zeigte sich in seiner Rede kämpferisch und noch lange nicht vom Scheitern des Krankenhauses überzeugt. Das große Interesse an diesem Thema ist nicht verwunderlich, denn hier geht es um mehr als nur den Finanzausgleich und die berühmten „schwarzen Zahlen“ der kleinen Krankenhäuser in Leutkirch und Isny. Wie schon jüngst in der außerordentlichen Sitzung des Fördervereins zeigt sich aber immerhin ein Ansatz zum Umdenken auch bei der OSK und beim Landkreis. Schon da hatte Dieter Hechelmann deutliche Worte gefunden. Wie viele andere ist auch er davon überzeugt, dass die Krankenhäuser außerhalb der großen Zentren ihre Daseinberechtigung haben und wie bisher weiterhin gute Arbeit leisten werden. Die Stadt arbeitet zurzeit an einem Konzept, dass die Kreisräte davon überzeugen soll mit wie wenig Mitteln eine Weiterführung der beiden Häuser möglich sein sollte. Zeit für Entscheidungen Eines hat die bisherige Diskussion um die verschiedenen Modelle der OSK auf alle Fälle bewirkt: Wie schon lange nicht mehr (wenn überhaupt schon einmal) wird die Situation der Gesundheitsversorgung in der Region unter die Lupe genommen. Was jetzt vor allem benötigt wird, ist Zeit. Zeit, um vernünftigen Entscheidungen zu finden und das eingefahrene Konzept zu überwinden, ohne jemanden über die Maßen zu verletzen oder zu Reaktionen zu bewegen die weh tun werden. Die niedergelassenen Ärzte in Isny sind ebenfalls zur Zusammenarbeit bereit und am Modell Lindenberg mit sechs Belegabteilungen sieht man doch, dass es möglich ist solidarisch und kooperativ in ein ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Die Diskussion an sich schadet mehr als sie nutzt, wenn daraus nicht die richtigen Schlüsse gezogen werden und weiter am Ansehen der Krankenhäuser herumgekratzt wird. Noch sind beide Kliniken einsatzfähig und mit gutem Personal besetzt. Wie von Seiten der OSK zu hören war, ist noch nichts beschlossen. Der Kreistag ist die Instanz mit der Kompetenz zur Entscheidung und Winfried Leiprecht, Pressesprecher der OSK, betonte mehrfach: „Auch ein weiteres Modell (Nr. 6) liegt zur Beratung vor und in diesem Konzept ist die Schließung der beiden Krankenhäuser nicht mehr im Mittelpunkt.“ Die Menschenkette und die Protestaktionen sind ein Teil der verständlichen Reaktionen. Die Bevölkerung ist jedenfalls sensibilisiert und wird die weiteren Schritte der Verantwortlichen gut im Auge behalten. Der 11. Mai, bisher Eckpunkt der Entscheidungen, sollte jedenfalls nach allgemeiner Meinung noch nicht das Ende bedeuten.

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