100 Jahre danach

Berührende Erinnerungsstücke

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(v.l.) Peter Kustermann, Siegfried Sailer und Brunhilde Kustermann beim Aufbau der Ausstellung im Dietmannsrieder Rathaus, für die zahlreiche Bürger ihre persönlichen Erinnerungsstücke zur Verfügung stellen.

Dietmannsried – Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Allein aus der Pfarrei Dietmannsried mit den Orten Überbach, Käsers, Eichholz und dazugehörigen Weilern mussten 351 Männer in die Schlacht ziehen.

Jetzt erinnert eine Ausstellung im Foyer des Dietmannsrieder Rathauses mit teils sehr persönlichen, berührenden Erinnerungsstücken an die Kriegsjahre 1914-18.

Selbstverständlich darf bei einer Ausstellung wie dieser der geschichtliche Hintergrund zum Ausbruch des Krieges nicht fehlen. Sehr viel unmittelbarer als die abstrakten Daten und Fakten berühren den Besucher aber die mit konkreten Namen und Gesichtern verbundenen persönlichen Schicksale, in die die kleine Präsentation Einblick gewährt.

Franz Xaver Maier etwa schrieb zwischen dem 3. Mai und dem 3. September 1916 einige Feldpostkarten an seine „Liebste Gattin“ und seine vier Kinder. Am 16. Mai, im französischen Liege bat er: „Noch ist es schön. Sende mir Käse oder eine Dauerbutter, wenn du kannst.“ Wenig später dann: „Es wird heftig gekämpft.“ Im August kam eine Karte aus dem „Feindesland“: „Du musst nicht bekümmert sein um mich. Ich komm schon noch – ich muss bloß warten, bis es mich trifft, in Urlaub zu fahren.“ Doch es sollte anders kommen. Am 19. August kam sein letztes Lebenszeichen: „Gruß an die Kinder. Sie sollen für mich beten.“ Wenige Tage später wurde Maier verwundet und starb am 8. September im Alter von 36 Jahren in englischer Gefangenschaft an den Folgen seiner Verletzungen.

Vergangenheit greifbar

Auch die weiteren, teils rührenden Feldpostbriefe von Vätern an ihre geliebten Kinder oder andere Lieben daheim, die zahlreichen Fotos und Sterbebilder, sowie die Schulaufsätze aus den Vorkriegs- und Kriegsjahren machen das damalige Geschehen greifbar und auch aus heutiger Sicht nachfühlbar. Manch ein Besucher wird vielleicht sogar den Vater oder Großvater eines Bekannten auf den exemplarisch abgedruckten Blättern der beiden prachtvollen handgeschriebenen Ehrenchroniken aus Dietmannsried und Überbach erkennen.

Ein Teil der Exponate – wie etwa die Originalblätter des Memminger Volksboten zum Kriegsausbruch – stammt aus dem Gemeindearchiv. Die restlichen Schätze (eine Geschirrserie mit Eisernem Kreuz-Dekor, Spielzeug-Kanonen u.v.a.) wurden den Initiatoren Brunhilde und Peter Kustermann sowie Siegfried Sailer von Bürgern leihweise zur Verfügung gestellt.

Die Ortsteile Probstried, Reicholzried und Schrattenbach konnten in der Schau nicht berücksichtigt werden, da das Archivmaterial aus dieser Zeit noch nicht erfasst ist. Die Ausstellung läuft noch bis zum 10. Oktober und kann während der Rathaus-Öffnungszeiten kostenlos angesehen werden: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie montags zusätzlich von 16 bis 18 Uhr.

Sabine Stodal

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