Filmemacher Leo Hiemer präsentiert seinen neuen Film "Heimat unter Strom" im Colosseum Center

Film kritisiert Windkraftanlagen

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Der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer zeigte seinen neuen Film „Heimat unter Strom“ am vergangenen Mittwochabend bei der Premiere im Colosseum Kino Center vor ausverkauften Haus. Hiemers Film beschäftigt sich mit der Errichtung immer neuer Windkraftanlagen und deren schädlichen Einfluss auf das Landschaftsbild des Allgäus.

Leo Hiemer, der mit seinem Film „Daheim sterben die Leut“ aus dem Jahre 1985 bundesweite Anerkennnung fand, beschäftigt sich in seinem neuen Film „Heimat unter Strom“ kritisch mit dem Thema Energiewende im Allgäu.

Dafür hat er sich auf Streifzüge durch seine Heimat, das Allgäu, gemacht um mit Kritikern der Windkraftanlagen wie mit Befürwortern der Energiewende, ins Gespräch zu kommen. Leo Hiemer nimmt schon ganz zu Beginn seines Films selbst persönlich Stellung, in seinem Fall gegen die nach seiner Meinung Verschandelung der Landschaft durch zu viele Windräder. Das nimmt seiner Heimat-Doku unnötig die Spannung, einer Dokumentation die sich im weiteren Verlauf als ein Kaleidoskop Allgäuer Befindlichkeiten in punkto Umsetzung der Energiewende darstellt. Ergänzt werden diese oft subjektiven, doch auch sehr authentischen Eindrücke, durch das Bemühen Hiemers Licht ins Dunkel zu bringen, wer denn genau diese Art von Energiewende aus welchen Motiven befürwortet. 

Gespräch mit Seehofer 

Ist es Profitgier von Investoren? Hiemer möchte dies herausfinden und macht sich unter anderem auf die Reise nach Berlin zum Energiegipfel der Kanzlerin und spricht am Rande mit Horst Seehofer. Das sind aber nicht die Momente, die diesen Film sehenswert machen, auch nicht die am Ende aufgezeigten Versuche, wie eine Energiewende auch ohne eine „Verspargelung“ der Landschaft mit bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen gelingen kann. Hier bleibt die Dokumentation diffus und arglos und verliert sich zum Teil im „Gutmenschentum“. Sehenswert machen den Film seine Allgäuer Protagonisten, die im Ausdruck ihrer Gefühle zu ihrer Heimat immer glaubwürdig und ehrlich wirken. Der Allgäuer wird sich wiederfinden im Werk des hiesigen Filmemachers und vieles von dem, was die Menschen vor Ort bewegt, gibt Hiemer durch seine Darsteller eine Stimme. Ob es Günter Eberlein aus Markt Rettenbach ist, der sagt: „Der Stadtgrüne hat die Sensibilät für die Landschaft nicht. Der sieht nur Ökologie und Ökologie und Ökologie.“ Oder Michael Buhl, ein Modellbauer aus Sibratshofen, der ein Modell gebaut hat, mit dem er jedem zeigen kann, wie Allgäuer Bergrücken ausschauen, wenn auf ihnen Windkraftanlagen aufgestellt werden.

 Schön, dass es dabei nicht zur oft bemühten „Heimat ist mein Ort“ Aussage kommt, sondern zum Ausdruck gebracht wird „Heimat ist ein Gefühl“. Aber auch die Befürworter einer Energiewende mit Windkraftanlagen kommen format- füllend auf der Kinoleinwand zu Wort, wie Thomas Frey vom Bund Naturschutz. Das ist auch nötig, damit Leo Hiemers Werk nicht gar zu einseitig erscheint und der Bezeichnung als Dokumentation gerecht bleibt. Hiemer selbst sagt. „Natürlich ist ein solcher Film immer auch subjektiv“, was es vermutlich erschweren wird den Film, den der Filmemacher auch dem BR anbieten möchte, dort auszustrahlen. 

In vielen Kinos 

„Heimat unter Strom“ läuft derzeit in vielen Kinos im Allgäu an. Die Termine und Ausstrahlungsorte sind im Internet auf der Seite www.heimatunterstrom.de zu finden. In Kempten läuft der Film bis zum 16. Oktober täglich – außer am 14. Oktober – um 20 Uhr. Am Ende des Films ist es ausgerechnet die deutsche Luftaufsichtbehörde, die vorerst den Regionalplan zum weiteren Ausbau der Windenergie in Kempten und Umgebung stoppt. Deren Radaranlage in der Nähe von Lenzfried zur Lenkung des Luftverkehrs über dem Allgäu wird durch Windkraftanlagen in ihrer Wellenausbreitung im Radarsichtfeld behindert. Den Gegnern der Windkraftanlagen dürfte diese Allianz egal sein, für diese gehören Propeller ohnehin an Flugzeuge und nicht in die Landschaft gestellt.

Jörg Spielberg

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