Investor kündigt Klage an

Kampf gegen den Abbruch

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Ein Investor möchte den ehemaligen Gasthof „Zum Kreuz“ in Heiligkreuz abbrechen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzen.

Kempten – Die Heiligkreuzer Bürger und die CSU-Fraktion kämpfen für den Erhalt des sogenannten „Oberen Wirts“ (ehemaliger Gasthof „Zum Kreuz) im Stadtteil.

Grund: Ein Investor hat das Grundstück gekauft und möchte das alte Haus abreißen und durch ein Wohngebäude ersetzen. Eine Erhaltungssatzung, die der Bauausschuss vergangene Woche einstimmig beschloss, soll dies nun verhindern. Doch der Investor will dagegen klagen – Ausgang offen. 

Wie Stadtplanungsamtsleiter Antje Schlüter erläuterte, wurde bereits im Jahr 1451 erstmals ein landwirtschaftliches Anwesen im Bereich des heutigen Anwesens Heiligkreuzer Straße 95/97 erwähnt. Ab etwa 1720 kann man erstmals von einer Gastwirtschaft dort sprechen. Um 1900 wurde das Anwesen in die beiden heute noch getrennten Flächen geteilt. Im Laufe der Zeit waren ein Krämerladen sowie ein Elektrogeschäft, seit mehreren Jahren auch ein Schießstand des Schützenvereins untergebracht. Aufzeichnungen aus der Bauzeit des derzeitigen Anwesens liegen allerdings weder dem Bau- noch dem Stadtarchiv vor. Die ältesten Aufzeichnungen sind laut Schlüter aus dem Jahr 1956, wonach der Gasthof „Zum Kreuz“ umgebaut wurde. 1992 wurde der Einbau des Schießstandes genehmigt. 

Das Anwesen ist der Stadtplanungsamtsleiterin zufolge neben Kirche und ehemaligem Kloster ein „wichtiger Identifikationspunkt im Ortsteil Heiligkreuz“. Der „Obere Wirt“ war bis zur Aufgabe der gastronomischen Nutzung vor wenigen Jahren über viele Jahrzehnte hinweg der Mittelpunkt des Dorfgeschehens. Durch die Pläne des Investors, der das Gebäude abbrechen und durch ein dem Bebauungsplan entsprechendes Wohngebäude ersetzen möchte, würde für die Heiligkreuzer Bürger und das Ortsbild ein wichtiges und prägendes Gebäude verloren gehen. Aus diesem Grund hat sich in Heiligkreuz auch ein Verein gegründet, der sich für den Erhalt des Gebäudes und mögliche Nutzungen engagiert. Nach einem Gespräch im Baureferat äußerte der Investor Schlüter zufolge Verständnis, dass die Bevölkerung den ehemaligen Gasthof erhalten möchte und suchte auch intensiv nach potentiellen gastronomischen Nachnutzern. Allerdings habe er keine gefunden, weshalb er nun keine wirtschaftlich vertretbare Möglichkeit für den Erhalt des Anwe- sens mehr sieht und in Kürze einen Abbruchantrag sowie einen Bauantrag für ein Mehr- familienhaus einreichen wird. 

Kein Baudenkmal 

Aufgrund der großen baulichen Veränderungen Innen und Außen im Laufe der Zeit im Zuge der Umbaumaßnahmen 1956 und der seitdem erfolgten Renovierungen ist keine Grundlage für die Eintragung in die Denkmalliste gegeben. Somit steht dem Abbruch aus Denkmalschutzgründen nichts im Wege. Eine Möglichkeit, den Abbruch eventuell doch noch zu verhindern ist daher die Erlassung einer Erhaltungssatzung, die auch von der CSU-Fraktion beantragt wurde. „Die Stadt bekennt sich zu ihrer Verantwortung gegenüber dem Ortsbild von Heiligkreuz und der Sicherung des dörflichen Lebens in einem eingemeindeten Ortsteil, in dem sie den Erhalt des Gebäudes durch eine Erhaltungssatzung sichern will“, meinte Schlüter und machte damit klar, dass auch die Stadt die Heiligkreuzer unterstützen möchte. 

Der Bauausschuss segnete die Erhaltungssatzung vergangene Woche einhellig ab. Eine Garantie, dass das Gebäude dadurch erhalten bleiben wird, gibt es allerdings nicht – im Gegenteil: „Der Investor hat bereits angekündigt, dass er dagegen klagen wird und auch die Fragen des Schadensersatzes gerichtlich prüfen lassen wird“, so Schlüter. Die Erlassung einer solchen Erhaltungssatzung bringe nämlich rechtliche Risiken mit sich. „Die Versagung einer Abbruchgenehmigung aufgrund eines städtebaulichen Ensembleschutzes ist in diesem Fall schwer zu begründen“, machte sie deutlich. Dazu kommt, dass das Gebäude seit der Aufgabe der Gaststätte im Jahr 2008 abgesehen vom Schießstand auch nicht mehr der zentrale, gesellschaftliche Ortsmittelpunkt ist. „Wir sollten es auf keinen Fall unversucht lassen“, plädierte CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier für die Satzung. Der Kulturhausverein habe im 300 Unterschriften von Heiligkreuzern überreicht, die den „Oberen Wirt“ erhalten wollen. „Im Interesse der Heiligkreuzer sollten wir das Risiko eingehen“, pflichtete ihm Herbert Karg von den Freien Wählern bei.

Melanie Läufle

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