Förderung der Baukultur im Allgäu

LandLuft Allgäu startet Wettbewerb

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n 164 Allgäuer Gemeinden geht die Tage Post vom Architekturforum Allgäu mit Infomaterial zur Bewerbung für den heuer erstmals im Allgäu durchgeführten Wettbewerb um den Baukulturgemeindepreis.

Wie so oft in Fragen der Architektur, waren die Österreicher wieder einmal Vorreiter: dort ist der alle drei Jahre ausgeschriebenen LandLuft Baukulturgemeinde-Preis bereits fester Bestandteil im baukulturellen Leben.

Vergeben wird er seit 2009. Heuer soll es erstmals einen Ableger davon auch im Allgäu geben, um zukunftsorientierte Gemeinden und Dorfgemeinschaften damit zu würdigen. 

Die treibende Kraft dahinter ist das architekturforum allgäu (af), das derzeit 164 Gemeinden der Landkreise Ober-, Unter-, Ostallgäu und Lindau sowie des Altlandkreises Wangen und die kreisfreien Städte Kempten, Memmingen und Kaufbeuren mit Informationsmaterial wie auch der Aufforderung zur Teilnahme beschickt. 

Vor allem bei den Bürgern „ist es ein ganz wichtiges Thema“ wie sich ein Dorf weiterentwickle, meinte Gerhard Pohl, 1. Vorsitzender des af. Das habe, so af-Geschäftsführer Franz Schröck, unter anderem die im Jahr 2011 vom af gezeigte Wanderausstellung mit den österreichischen Preisträgern des Jahres 2009 deutlich gemacht. Mitglieder des af hätten anschließend einige der damals preisgekrönten Ortschaften besucht und festgestellt, dass es „oft kleine Gemeinden waren“, die häufig auch überschuldet gewesen seien, denen es „aber wichtig war, eine lebenswerte Umgebung zu schaffen“. 

Baukultur hat Vorbildcharakter 

Von sehr positiven Erfahrungen und der Bedeutung von Baukultur erzählte Josef Mathis, Alt-Bürgermeister von Zwischenwasser in Vorarlberg (eine der Hauptpreisträgergemeinden 2009) und Mitglied des Vereins „LandLuft“, der extra zum Pressegespräch nach Kempten gereist war. Mathis wird eines der insgesamt neun Mitglieder der Jury für das Allgäu sein, die sich aus internationalen Vertretern der Bereiche Kommunalpolitik, Baukultur, Zukunftsentwicklung, Wirtschaft, Kunst und Medien zusammensetzt. „Baukultur ist keine elitäre, abgehobene Veranstaltung, sondern etwas, das jeden Tag stattfindet“, meinte er als Selbstverständnis. Jeden Tag verändere sich etwas im Dorf und jedes Dorf definiere sich mit der Veränderung, die jeden Tag stattfinde. Deshalb entstehe durch Baukultur „ein Mehrwert für das Dorf“, auch wenn viele private Bauwerber der Ansicht seien, dass ihr Bauen Privatsache sei. Mit Baukultur könne man als Politiker zwar keine Wahlen gewinnen, aber wer sich in seiner Gemeinde um Baukultur kümmere, „ist besser dran“, meinte er überzeugt. 

Geldpreise gibt es freilich nicht, wie Schröck gestand, aber überregionale Anerkennung und Bekanntheit, unter anderem durch die Wanderausstellung der Preisträgerprojekte und das dazu erscheinende Buch. Prämiert werden sollen nicht schöne Einzelbauwerke, sondern Akteure, die sich in besonderer Weise um die baukulturelle Entwicklung in ihrem direkten Lebensumfeld verdient gemacht haben. 

Wer darf mitmachen?

Alle Gemeinden und Dorfgemeinschaften in den genannten Landkreisen sowie die kreisfreien Städte können öffentliche Projekte wie auch privat initiierte Maßnahmen – idealerweise eine Mischung aus Projekten beider Varianten – auf ihrem Gemeindegebiet einreichen. Die Größenordnungen der baukulturellen Maßnahmen stellen kein Bewertungskriterium dar, aber die Einreichungen müssen Teil eines sich über mehrere Jahre erstreckenden, ganzheitlichen Gemeindeentwicklungs-konzeptes sein. Gerade im Fall der kreisfreien Städte können es, laut Mathis, „auch nur Stadtteile sein“. Ein wesentlicher Faktor sei, „wie sich Bürger an dem Prozess beteiligen“. 

Eingereicht werden kann ausschließlich online, bis spätestens Mittwoch, 3. Juni, 24 Uhr. In der zweiten Wettbewerbsphase ist am 26. Juni ein öffentliches Hearing mit Jurysitzung geplant, das im Rahmen der Baukulturgemeinde-Tage in Sulzberg bei Kempten stattfinden soll. Bekanntgabe der Nominierung ist für den 27. Juni 2015 angedacht. Nachdem einzelne Jurymitglieder die nominierten Gemeinden den Juli über bereist haben, soll die Entscheidung durch die Jury gefällt werden. Preisverleihung ist für den 23. Januar 2016 terminiert, verbunden mit einem Vernetzungssymposium sowie der Eröffnung der Wanderaus- stellung. Weitere Infos gibt es unter www.baukulturgemeinde-preis.de und www.landluft.at

Wie so oft in Fragen der Architektur, waren die Österreicher wieder einmal Vorreiter: dort ist der alle drei Jahre ausgeschriebenen LandLuft Baukulturgemeinde-Preis bereits fester Bestandteil im baukulturellen Leben. Christine Tröger

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