Bauausschuss diskutiert über mögliche bauliche Nutzung des Bürgerparks am Haslacher Berg

Beton statt Biotop?

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Über eine mögliche Bebauung der Grünfläche zwischen Heussring, Bahnhofstraße und Immenstädter Straße wurde am vergangenen Dienstag im Bauausschuss diskutiert.

Kempten – 37.000 Quadratmeter Grünfläche mit Bürgerpark, Fuß- und Radwegen, kartierten Biotopen und potentiellen Biotopflächen – so sieht die derzeitige Situation auf dem Grundstück zwischen Heussring, Bahnhofstraße und Immenstädter Straße im Süden Kemptens aus. Das könnte sich womöglich in Zukunft ändern, wenn die Fläche entlang der Bahnhofstraße auch baulich genutzt werden dürfte. Eine Entscheidung darüber wurde im Bauausschuss am vergangenen Dienstag aber noch nicht gefällt, „bewusst“, wie OB Thomas Kiechle erklärte, denn vorerst gehe es darum, ein erstes politisches Stimmungsbild zu bekommen, bevor weitere Untersuchungen eingeleitet würden.

Schon in der Vergangenheit hatten mehrfach Investoren angefragt, inwieweit das Grundstück auch für eine bauliche Nutzung zur Verfügung stehen würde, denn rund 20.000 Quadratmeter Ebene könnten als nutzbare Fläche generiert werden, so Stadtplanerin Antje Schlüter. Die Anfragen seien bisher aber immer abgelehnt worden. Aktuell liege zwar kein politischer Antrag vor, aber eine Idee, die formuliert wurde, erklärte Kiechle, so dass das Thema der möglichen baulichen Nutzung auch auf Anregung verschiedener Stadträte den Weg auf die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung fand. Es handle sich dabei um eine Fläche, die schon oft für nachvollziehbares Interesse gesorgt hat, und das Grundstück würde sich auch ideal für eine städtebauliche Verwertung eignen, allerdings handle es sich dabei auch um „eine Fläche mit eigener Geschichte“, so Kiechle angesichts der Pflanzaktion im Jahr 2000, bei der zum Jahrtausendwechsel 2000 Bäume von Bürgern, Vereinen, Firmen und Behörden gestiftet wurden. 50 davon stehen auf dem für eine Bebauung eventuell in Frage kommenden Bereich, mit einem heutigen Baumwert von zwischen 100 bis 1000 Euro.

Mehrere Problempunkte

Aber nicht nur die Bäume im Bürgerpark Haslach seien ein Thema, „an dem wir nicht vorbeikommen“, so Kiechle, es gebe mehrere große Hürden und Problempunkte. So sei das Grundstück aufgrund der hohen Lärmbelastung durch den Verkehr nicht für eine Wohnbebauung geeignet, nur für ausschließlich gewerbliche Nutzungen. Aber auch dabei gebe es Konflikte, denn aufgrund der hangaufwärts liegenden Einfamilienhäuser sei lediglich eine Nutzung vorstellbar, die keinen zusätzlichen Lärm erzeugt. Ruhige, gewerbliche Nutzungen beinhalten in der Regel aber Arbeitsplätze für Mitarbeiter beispielsweise in Büros, die dann wiederum selbst vor der Lärmbelastung geschützt werden müssten, was aber laut Schlüter nur schwer oder mit sehr hohem baulichen Aufwand möglich wäre.

Der Süden des großen Grünflächenbereichs dient zudem als Ausgleichsfläche für den Ausbau des Oberstdorfer Knotens nach Wegfall der Bahnbrücke, zwischenzeitlich befindet sich dort ein rund 10.000 Quadratmeter großes potentielles Biotop. Neben dem ökologischen Wert für Klimaschutz und Luftreinhaltung – der laut Schlüter aber bisher nicht berechnet wurde – seien auch psychologische und soziale Wirkungen für die Stadtbewohner und das Nahrungsangebot für Vögel, Insekten und andere Tiere bei den Betrachtungen mit einzubeziehen.

Und dann gibt es noch das Stadtbild, das auch durch die Einfallstraßen, wie die Bahnhofstraße im Süden Kemptens, geprägt wird. Bisher werde die Fläche zwar „eher als verwahrlostet, untergeordnetes Grün wahrgenommen“, allerdings müsste man den 16 Jahre alten Bäumen Zeit geben, bis sie das Stadtbild positiv prägen und das könnte bis zu 80 Jahre dauern – insofern sie denn weiter wachsen können, so Schlüter.

Weil die Fläche in der Stadtbildsichtachse liegt und schon weit in die Oberstdorfer Straße hinein wirke, müsste bei straßenbegleitenden Nutzungen und Gebäude auch besonders auf die gestalterische Qualität geachtet werden. Mehrgeschossige oder höhere Hallengebäude könnten schon von weiter Entfernung eingesehen werden.

"Filetgrundstück mit 1a Lage"

Trotz aller Problempunkte sei dieses Grundstück am Knotenpunkt ein „Filetgrundstück“, so Hans-Peter Hartmann (FW). Falls eine Bebauung genehmigt werden sollte, sprach er sich für ein „ganz attraktives Gewerbe“ aus, schließlich handle es sich um eine „1a Lage“. Er regte zudem eine mögliche Versetzung der betroffenen Bäume an, „vielleicht in den Stadtpark“.

Siegfried Oberdörfer (SPD) sah eine künftige bauliche Nutzung des Grundstücks wie die Verwaltung kritisch. Die Kernfrage bei den Überlegungen sei, „ob man diese schöne Fläche opfern soll“. Er verwies zudem auf die möglicherweise künftigen Belange der sich rasant entwickelnden Hochschule, für die das Areal aufgrund der räumlichen Nähe relevant wäre, insofern es überhaupt zu einer Bebauung kommen dürfte.

Für weitere Untersuchungen einer möglichen Bebauung bräuchte man laut Kiechle einen „politischen Willen“. „Jetzt warten wir erst einen eventuellen politischen Antrag ab, der uns veranlasst, diese Sache genauer zu untersuchen“, so Kiechle. Angesichts der Anwesenheit von Architekt Klaus Maucher, Immobilienmakler Thomas Wirth und Michael Kutter, Geschäftsführer des gleichnamigen, dem Areal schräg gegenüberliegenden Gartencenters, im Bauausschuss, könnte vermutet werden, dass es bereits einen Interessenten für eine Bebauung der Grünfläche gibt. Denn wie berichtet, will das Gartencenter Kutter expandieren, am bisherigen Standort konnte aber bislang noch keine Lösung gefunden werden. „Es liegt uns aber definitiv noch keine schriftliche Bauvoranfrage vor“, so Schlüter auf Nachfrage des Kreisboten.

Lea Stäsche

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