Gefahr in Verzug? "Großes Loch" muss gesichert werden

"Höchst verantwortungslos"

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Die Allgäuer Straße wird am Montagnachmittag teilgesperrt. Im Hintergrund werden die Betonleitwände zum Schutz von Passanten und Autofahrern aufgestellt.

Kempten – „Das Maß ist endgültig voll!” Weil Gutachter der TU München die Standfestigkeit der Baugrube am August-Fischer-Platz nicht mehr garantieren können, reagiert die Stadtverwaltung mit Teil-Straßensperrungen und Sicherungsmaßnahmen.

Diese betreffen vor allem die Mozart- und Allgäuer Straße im Bereich August-Fischer-Platz. In der Bahnhofstraße musste die Fahrbahn verengt werden. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Bauherren der Ritter&Kyburz GbR. 

Netzer wirft den Investoren vor, nichts für die Sicherheit der großen Baustelle zu tun und diese zu vernachlässigen. Noch am vergangenen Dienstag seien die Bauherren per Bescheid aufgefordert worden, die Baugrube durch Betonleitwände und einen geschlossenen Bauzaun zu sichern. Das sei nicht geschehen. „Was sich die Investoren hier leisten, ist höchst verantwortungslos und für unsere Stadt eine kaum noch zu überbietende Zumutung”, so der Rathauschef in einer Stellungnahme. Hintergrund ist, dass Gutachter der TU München offenbar nicht mehr die Hand für die Sicherheit der Baustelle ins Feuer legen wollen. 

So sei die Zulassung für den sogenannten Berliner Verbau, der mit „Temporärankern” die Wände der etwa 17 Meter tiefen Baugrube gegen Einsturz sichert, eigentlich im Sommer 2012 abgelaufen. Diese sei zwar bis Sommer 2013 verlängert worden – allerdings nur unter der Vorgabe, dass die Eidgenossen die Sicherheit gewährleisten und diese regelmäßig kontrollieren. Das sei allerdings bisher nicht der Fall: „Trotz wiederholter Aufforderung durch die Stadt ist die Bauherrin ihren Verpflichtungen zur Baugrubensicherung bisher mit keiner einzigen Maßnahmen nachgekommen”, teilte das OB-Büro mit. Stattdessen hätten die Investoren dagegen geklagt. Weitere Ortstermine und das Treffen beider Parteien Ende Februar hätten ebenfalls „zu keiner Einsicht” bei den Bauherren geführt. Bis heute lägen der Kemptener Bauverwaltung keine Messprotokolle oder Nachweise über andere Sicherungsmaßnahmen am „großen Loch” vor. Die Fachleute der TU München um Prof. Dr. Ing. Norbert Vogt wollen daher für die weitere Standsicherheit des Verbaus nicht mehr garantieren. „Daher muss der Bereich hinter den Baugrubenwänden auf einer Breite, der der halben Baugrubentiefe entspricht, gegen Zutritt abgesperrt werden”, so Prof. Vogt. Das wird die Verwaltung in dieser Woche machen. 

Bereits am Montag wurde mit den Arbeiten begonnen. Die Kosten will die Stadt den Schweizern in Rechnung stellen. Darüber hinaus kündigte das OB-Büro an, mit gutachterlicher Unterstützung weitere Maßnahmen zur Sicherung der Baustelle zu ergreifen. Thomas van der Heide, Münchner Anwalt der Schweizer Investoren, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zu erreichen.

Matthias Matz

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