Fünf Auszeichnungen vergeben

Ungewöhnlich progressiv

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Gruppenbild der fünf Preisträgerteams des „Baupreis Allgäu 2013“ sowie der fünf Teams, die im Kemptener Kornhaus mit einer Anerkennung der Jury geehrt wurden.

Kempten – „Baukultur“ war das zentrale Thema bei der nach 2005 und 2009 heuer dritten Verleihung des „Baupreis Allgäu 2013“ im vollen Kornhaus. Laut Franz Schröck, Vorsitzender des „Architekturforum Allgäu”, hatten es 32 von insgesamt 102 eingereichten Bauprojekten der letzten vier Jahre in die engere Auswahl geschafft.

Daraus wurden von der siebenköpfigen internationalen Jury fünf Auszeichnungen und fünf Anerkennungen vergeben.

Zusammen mit den verbleibenden 22 ausgewählten Projekten werden sie noch bis nächsten Sonntag, 24. No-vember, in der Kunsthalle Kempten vorgestellt, bevor sie auf Reisen durchs Allgäu und schließlich in die Landeshauptstadt München gehen. Wie der Stuttgarter Architekturprofessor und Jurymitglied Tobias Wulf betonte, „lag die Messlatte sehr hoch“ bei den Auszeichnungen. Vor allem sei das Allgäu in seiner Baukultur nicht gerade als „progressiv“ bekannt – da blicke man eher auf Vorarlberg.

„Aber Dinge ändern sich“, hob er besonders zwei mit dem Baupreis ausgezeichnete Projekte im benachbarten baden-württembergischen Wangen hervor, die von „planerischem Weitblick“ zeugten: das Bürgeramt der Stadt Wangen als zeitgemäßer, zukunftsorientierter und bürgernaher Ort im denkmalgeschützten Rathaus sowie das Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen, ein dreigeschossiger Holzbau der sich um die zentrale Halle organisiert.

Des weiteren wurden mit dem Baupreis 2013 ausgezeichnet: das Haus UMS in Kempten, bei dem die vorhandene Substanz des alten Siedlerhauses ohne Überstülpen eines Dämmpakets energetisch ertüchtigt worden sei. Damit solle ein Beitrag zur Debatte geleistet werden, welche Alternativen zum Vollwärmeschutz bestehen, so die Beurteilung.

Das Museum der Bayerischen Könige unterhalb Schloss Neuschwanstein, das aus dem sanierten ehemaligen Hotel Alpenrose besteht sowie einem neuen Erweiterungsbau, der durch eine ruhige Glasfassade über einem Sockelgeschoss formal betont werde und auf der seezugewandten Seite die Natur zum Teil der Ausstellung werden lasse.

Das „Weiße Haus-ke12“ in Memmingen, bei dem die Kubatur des in der Memminger Altstadt gelegenen Vorgängerbaus übernommen wurde, sei „ein gelungenes Beispiel einer Architektur im Kontext mit sympathischer Entschlossenheit“, wie die Jury befand.

Eine interessante Frage zum Thema Baukultur stellte Schröck in den Raum, der „unseren Städten“ eine große Substanz an qualitativen Bauten quer durch die Epochen einräumte. Aber was könne wohl im Jahr 2113 rückblickend als „bauliches Erbe bezeichnet werden?“ Es werde wohl recht wenig Bestand haben, prangerte er an, was heute „vielerorts unreflektiert an Baumasse produziert wird“, unter anderem mit schlechten Baumaterialien, viel zu hohem Flächenverbrauch, ohne „nachhaltig und langfristig zu denken“. Rühmliche Ausnahmen stellten hier die ausgezeichneten Bauwerke dar, beziehungsweise ihre Bauherren sowie Planer, die sich ihrer besonderen Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft bewusst gestellt hätten. Denn Baukultur beinhalte ein „über das Einzelobjekt hinausgehendes Denken in größeren Zusammenhängen“, wie die Beziehung der Bauwerke untereinander, ihren Bezug zum vorhandenen Gelände oder „ihre Einbettung in das landschaftliche und sozio-kulturelle Umfeld“. Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) lobte die Arbeit des Architekturforums Allgäu als „Sprachrohr für den bewussten Umgang mit unserer gebauten Umwelt im ganzen Allgäu“

Die Ausstellung mit den 32 ausgewählten Bauprojekten ist noch bis nächsten Sonntag, 24. November, in der Kunsthalle Kempten zu besichtigen, und zwar dienstags bis freitags von 14-18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10-16 Uhr.

Christine Tröger

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