Sparkassentag in Kempten

Rebellische Sparkassen

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Zum Bayerischen Sparkassentag in Kempten begrüßt Dr. Ulrich Netzer, Präsident der Bayerischen Sparkassen, Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder.

Kempten – Während rund 50 der mit angereisten Begleitdamen bei einer Stadtführung Kempten erkundeten, hatten die rund 800 Teilnehmer des Bayerischen Sparkassentages vergangene Woche in der Kemptener bigBOX ernstere Themen im Visier.

Zum Beispiel, dass die „dezentral geprägte kredit- und finanzwirtschaftliche Struktur“ der regional überall präsenten Sparkassen nicht zum „zentralen Ansatz, konzernzorientiertem Denken, dem Hang zu einheitlichen standardisierten Lösungen“ europäischer Bestrebungen passt. Ein „Dilemma“, dem der Bayerische Sparkassenpräsident Dr. Ulrich Netzer die Stirn bieten will. Erst im Mai dieses Jahres hatte er den Kemptener OB-Sessel zugunsten der Präsidentschaft der Bayerischen Sparkassen geräumt und bestritt hier sein erstes großes Heimspiel in neuer Position.

Das gesetzlich verankerte Regionalprinzip der Sparkassen sei kein Wettbewerbshindernis für den deutschen und europäischen Bankenmarkt, betonte er, sondern gehöre zum „unantastbaren Kernbereich des kommunalen Selbstverwaltungsrechts“.

Stärkung regionaler Strukturen

Regionale Strukturen würden den Wettbewerb nicht schwächen, sondern vielmehr die Vielfalt erhöhen und den Wettbewerb dadurch stärken. Er mahnte das „richtige Maß an notwendiger Regulierung an“, zum Beispiel was die Europäische Bankenaufsicht durch die EZB betreffe, die für die „kleineren, regional tätigen Institute“ weder Sinn mache noch Nutzen bringe aber hohe Kosten verursachen würde. Er forderte die „strikte Beachtung des Verursacherprinzips sowohl bei den Kosten der EZB-Aufsicht, bei der Befüllung des einheitlichen Abwicklungsfonds sowie beim EZB-Stresstest.“ Generell müsse, so Netzer, die Finanzmarkt-Regulierung an die Erfordernisse auch von Regional- banken angepasst sein. Sein Credo für die Sparkassen: „konsequent die Bedürfnisse der Kunden im Blick – kämpferisch am Markt präsent sein.“

Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder wünschte sich „mehr Sparkassen-Modelle in Europa“, denn ländliche Räume „haben nur eine Perspektive wenn dort auch Arbeitsplätze sind“ und dazu gehöre eine ordentliche Kreditversorgung. Kritisch sah er die Niedrigzinspolitik der EZB, durch die die Gefahr zum Beispiel für eine Immobilienblase wachse.

„Finanzpoltik und Nachhaltigkeit in Europa“ war das Thema des ehemaligen Bundesfinanzministers Dr. Theo Waigel, der sich als Gastredner einmal mehr für die europäische Einheit und ihre gemeinsame Währung stark machte.

Christine Tröger

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