"Bedeutung der Moore nahe bringen"

Auf unkonventionelle Art kann man derzeit im Kemptener Alpinmuseum in die Welt der Moore eintauchen. Foto: Tröger

Warum sind unsere Moore im Allgäu besonders schützenswert? Wie entstehen sie? Welche Funktionen erfüllen sie? Antworten auf noch viel mehr Fragen gibt die Wanderausstellung „Baden in der Faszination der Moore“ derzeit im Kemptener Alpinmuseum. Ergänzt wird sie durch Bilder und Skulpturen, in denen der Künstler Max Schmelcher „Moor“ auch als Material thematisiert sowie durch eine Reihe an Vorträgen und einer Exkursion.

„Moore sind Landschaften voller Leben“, ließ Diplom-Biologe Günter Riegel, Projektleiter der Allgäuer-Moorallianz, die Gäste der Ausstellungseröffnung in die Welt der früher als unheimlich und mystisch empfundenen Moore eintauchen. Da Moore das ganze Jahr über so nass seien, dass sich Pflanzenmaterial nicht zersetze, wachse und vertorfe es. Dass sie damit auch zur Fundgrube vergangener Zeiten werden, wurde durch seinen Hinweis auf „Glazialrelikte“, Pflanzen, die mit den Gletschern gekommen seien, deutlich. Diese „Zeugen der Eiszeit“ bezeichnete er als Besonderheiten der naturnahen Moorlandschaften im Kemptener Wald. Als wichtigste Moorarten nannte Riegel Regenmoore (Hochmoore) und Grundwassermoore (Niedermoore). Wichtigste Torfbildner in Hochmooren seien die Torfmoose, die „bis zum 30-fachen ihres Eigengewichtes an Wasser speichern können“. An speziellen Pflanzen gebe es dort beispielsweise den Sonnentau oder die „nur hier zu findenden“ Spirkenfilze. Die Niedermoore seien auf Grundwasserströme angewiesen und viel artenreicher. Moorlandschaften sichern Lange Zeit seien Moore bei uns „Rohstoffquelle zum Beheizen von Öfen oder auch Lokomotiven“ gewesen. „Rund 95 Prozent der naturnahen Moore sind entwässert“, wie Riegel berichtete. Nicht zuletzt wegen ihrer Fähigkeit CO2 zu binden, dem Verlust von Streuwiesen und damit einhergehend der Artenvielfalt, sei es „wichtig sie zurück zu gewinnen“. So sei die „Sicherung von großflächigen, hydrologisch intakten Moorlandschaften“ primäres Ziel von bereits laufenden oder geplanten Projekten der Allgäuer Moorallianz. Als weitere Ziele nannte er eine „angepasste Landnutzung“, bei der die Landwirte „wichtige Partner“ zum Erhalt der Biodiversität seien sowie eine nachhaltige touristische Nutzung. Bürgermeister Josef Mayr erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede noch gut an Tage seiner Jugendzeit, die er mit der Torfgewinnung im Betzigauer Moos verbracht habe und deshalb „Moor mit Hitze, Schweiß, viel Arbeit und wenig Ertrag“ verbinde. Die Allgäuer Landschaft sei „wesentlich auch durch Moore und Feuchtwiesen geprägt“, betonte er nicht ohne auf die Funktion der Moore unter anderem beim Klimaschutz hinzuweisen. Ein besonderes Anliegen sei ihm, dass den Jugendlichen die Bedeutung der Moore nahe gebracht werde, denn „nur was man kennt wird man schützen“. Die Wanderausstellung „Allgäuer Moore“ im Alpinmuseum kann noch bis 10. April besucht werden. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

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