Nächste Diskussion um Bodenmüller-Projekt

"Das fände ich kleinkariert"

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Das geplante Mehrfamilienhaus an der Ecke Feichtmayrstraße/ Vor’m Stadtweiher sorgt seit Monaten für Diskussionen, so auch einmal mehr am Dienstag im Bauausschuss.

Kempten – Gegen den Willen von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und der Stadtverwaltung hat der Bauausschuss am Dienstagabend mehrheitlich die Befreiung für Balkone an einem neuen Mehrfamilienhaus erteilt.

Doch bevor diese Entscheidung getroffen wurde, entfachte im Bauausschuss einmal mehr eine rege Diskussion, denn es handelte sich erneut um das geplante und heftig umstrittene Mehrfamilienhaus, das Investor Walter Bodenmüller Vor’m Stadtweiher bauen wird. Seit bekannt wurde, dass Walter Bodenmüller auf dem Grundstück an der Ecke Feichtmayrstraße/Vor’m Stadtweiher, auf dem derzeit noch eine stillgelegte Pumpstation des KKU steht, den Bau eines Mehrfamilienhauses plant, gab es viele Diskussionen im Bauausschuss und Stadtrat (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Nachdem Anfang August nach langem Hin und Her schließlich die für das Vorhaben erforderliche Änderung des Bebauungsplans in diesem Bereich mehrheitlich im Stadtrat abgesegnet wurde, gab es am Dienstagabend im Bauausschuss erneut eine Diskussion um das Vorhaben. Grund: Balkone, die die im Bebauungsplan festgelegten Baugrenzen überschreiten. Während Kemptens Bauordnungsamtsleiterin Dr. Franziska Renner bei der Vorstellung der Pläne die Verschiebung der Stellplätze an der Grundstücksgrenze unproblematisch sah und Befreiungen dafür empfahl, war eine Befreiung für die geplanten Balkone für sie nicht befürwortbar. „Die Balkone überschreiten die festgesetzten Baugrenzen zwar nur leicht, allerdings haben wir dem Investor bereits im Bebauungsplanverfahren klar gemacht, dass Befreiungen von den Baugrenzen in dem neu aufgestellten Bebauungsplan nicht möglich sind.“ Am Dienstagvormittag ging bei der Bauverwaltung kurzfristig noch eine Alternativplanung ein, in der nur noch Balkone im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss an den Ecken der Südseite vorgesehen sind. Diese überschreiten die Baugrenzen aber trotzdem noch um einen halben bzw. einen Meter.

Verschiedene Meinungen 

„Wir haben gerade den Bebauungsplan aufgestellt. Jetzt können wir nicht gleich wieder Veränderungen zulassen“, teilte Elisabeth Slavicek die Meinung der Bauverwaltung. Siegfried Oberdörfer (SPD) fand die geringe Überschreitung dagegen „nicht schlimm“. „Das sind geringe Überschreitungen, darüber könnten wir in anderen Fällen diskutieren, aber hier gibt es diese Vorgeschichte“, machte OB Netzer seinen Standpunkt klar. „Ich tu mir schwer, einen gerade im Stadtrat verabschiedeten Bebauungsplan wieder aufzureißen.“ Auch gegenüber den Nachbarn sei kommuniziert worden, dass innerhalb der festgelegten Baulinien gebaut wird. 

CSU-Stadträte dafür 

Eine wegen der Vorgeschichte „pikante Situation“ machte auch Thomas Kiechle (CSU) aus. Allerdings seien Balkone an Gebäuden ein Mehrwert. Sein Parteikollege Karl Sperl meinte: „Wir haben es mit einem Bauwerber zu tun, der sehr kompromissbereit war und auf die Nachbarn eingegangen ist, deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass wir ihm keine Befreiung für einen halben Meter bzw. Meter aussprechen. Das fände ich kleinkariert.“ „Wenn eine Überschreitung des Baufensters um einen Meter nicht machbar ist, müssten wir uns von vielen erteilten Befreiungen verabschieden“, meinte CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier. Für ihn sind keine nachbarschaftlichen Belange berührt, weshalb er der Befreiung zustimmen könne. Am Ende sprachen sich OB Netzer und Slavicek gegen die Befreiung für die Balkone aus. Heißt: Die Mehrheit war dafür und so kann Walter Bodenmüller sein Mehrfamilienhaus nun mit Balkonen bauen.

Melanie Läufle

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