Begehrte Ganztagsbetreuung

Vor noch nicht allzu langer Zeit kritisch beäugt, erfreuen sich Ganztagsbetreuungsangebote an Kemptener Schulen mittlerweile zunehmender Beliebtheit. „Die Nachfrage ist da, der Bedarf ist da und mittlerweile auch die Bereitschaft des Staates“, hat Schulamtsleiter Roland Schulze dieses Phänomen jetzt im Schul- und Kulturausschuss beschrieben. Deshalb sollen bereits im kommenden Schuljahr zu den bereits existierenden elf Ganztagsklassen mindestens drei weitere hinzukommen. Darüber hinaus warten vier weitere Klassen nur noch auf grünes Licht von der Staatsregierung. Wer dabei wann was und wieviel bezahlt, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt.

„Seit mehreren Jahren ist die Entwicklung des Schulwesens unter anderem durch eine Zunahme der Betreuungsangebote im Ganztagsbereich gekennzeichnet“, blickte Schulze am Dienstag vergangener Woche zurück. Auch die Stadt Kempten mache da mittlerweile keine Ausnahme, nachdem Anfang der 2000er Jahre die Wittelsbacher-Schule als erste Kemptener Lehreinrichtung eine Ganztagsbetreuung angeboten habe, so Schulze. So existieren neben den fünf gebundenen Ganztagsklassen an der Wittelsbacher-Schule mittlerweile zwei Klassen (dritte und vierte Jahrgangsstufe) an der Grundschule auf dem Haubenschloß, drei Klassen (erste bis dritte Jahrgangsstufe) an der Suttschule sowie eine Klasse (fünfte Jahrgangsstufe) an der Agnes-Wyssach-Schule des Sonderpädagogischen Förderzentrums. Die dafür anfallenden zusätzlichen Lehrerstunden bezahlt der Staat genauso wie eine Jahrespauschale pro Klasse in Höhe von 3000 (Grundschulen) oder 6000 Euro (Hauptschulbereich). Die übrigen Kosten wie das Geld für die Betreuer muss die Stadt als Sachaufwandsträger übernehmen, erklärte Schulze. Bereits im kommenden Schuljahr sollen aber mindestens drei weitere Ganztagsklassen dazu kommen: je eine an der Haubenschloß-Schule, der Suttschule und der Agnes-Wyssach-Schule. Außerdem sind laut Schulze die Einführung von je einer Ganztagsklasse an der Grundschule der Agnes-Wyssach-Schule, der Grund- und Hauptschule auf dem Lindenberg sowie an der Nordschule geplant. Derzeit warte man nur noch auf grünes Licht von der Staatsregierung, dann könne auch an diesen Schulen zum neuen Schuljahr mit der Ganztagsarbeit begonnen werden, kündigte Schulze an. „Die Chancen stehen gut“, sagte er gegenüber dem KREISBOTE. Im Bereich der offenen Ganztagsangebote gibt es dagegen derzeit in Kempten lediglich zwei – für die Hauptschulklassen der Agnes-Wyssach-Schule und am Hildegardis-Gymnasium. Kempten mit Vorreiterrolle Vor allem die Kinder- und Familienbeauftrage des Stadtrates, Claudia Dress (CSU), reagierte erfreut auf Schulzes Bericht. „Kempten nimmt da schon eine Vorreiterrolle ein“, frohlockte sie und stellte fest: „Die Nachfrage nimmt zu.“ Staat beteiligt sich stärker Trotz der positiven Entwicklung ist die künftige Finanzierung der Ganztagsangebote aber noch nicht exakt geklärt, berichtete Schulze. Bisher sei es so gewesen, dass die Stadt oder Kommune das Betreuungspersonal und die Sachaufwandsträgerkosten stemmen musste. Mittlerweile gebe es aber Überlegungen im Münchner Kultusministerium, das zu ändern. So sollen künftig – ab wann, steht noch nicht fest – die Personalkosten für die Betreuungskräfte wie Sozialpädagogen vom Staat übernommen werden. Im Gegenzug zahlt die Kommune eine Pauschale von 5000 Euro pro Gruppe und Jahr, trägt aber weiterhin den Sachaufwand. Dafür wiederum erhöht der Freistaat die Fördermittel bei Neubauten oder Sanierungen. Auf den ersten Blick kommt die Stadt dabei zwar günstiger weg, wird bei den Organisationskosten aber wohl draufzahlen müssen, wie Benedikt Mayer, Leiter des Jugendreferats, gegenüber dem KREISBOTE befürchtete. „Für die Schüler und Eltern ändert sich aber eigentlich nichts.“ OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und die Ausschussmitglieder waren jedoch erleichtert, dass in München überhaupt ein Umdenken hin zur Ganztagsbetreuung stattgefunden habe. „Das Kultusministerium hat mittlerweile wohl gemerkt, dass es da einen hohen Bedarf gibt“, so Netzer. „Der Staat erklärt sich damit für zuständig.“

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