Festwochen-Kunstausstellung überzeugt vor allem mit ihrer Vielfalt

Für jeden etwas dabei

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Ein breites Spektrum aus dem Schaffen Allgäuer Künstler zeigt auch die diesjährige Kunstausstellung zur 64. Allgäuer Festwoche.

Kempten – Noch bis zum 8. September haben Besucher der Festwochen-Kunstausstellung Gelegenheit, per Stimmzettel ihren persönlichen Favoriten unter den 76 gezeigten Werken näher an den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis zu rücken.

Vorwiegend freundlich fallen die bisherigen Einträge im Gästebuch aus. Auch ein schlichtes „lustig“ hat sich darunter gemischt oder Verwunderung darüber, „was so alles als Kunst angesehen wird“. Kunst polarisiert eben und das ist auch gut so. Dennoch findet sich bei aller Vielfalt an Techniken, Stilen, Motiven oder auch Materialien nur wenig markant Herausstechendes, wirklich Kraftvolles. 

Zu den Ausnahmen zählen sicher die Werke der drei Preisträger, allen voran Lukas Kindermann mit seinem Video „steh sitz platz“, dessen Tiefgründigkeit sichtbar leider einigen Betrachtern verborgen zu bleiben scheint. Eine originelle Variante zu den für die Kunstausstellung zur Festwoche ja schon obligatorischen Kuhbildern ist Manfred Küchles Fotomontage „Fallstudie“, die sich mit den natürlichen Hinterlassenschaften der Vierbeiner beschäftigt und diverse Aufsichten von Kuhfladen zeigt. Nicht nur der Bildtitel, auch das aus Fotografie, Zeichnung und C-Print bestehende Werk der Künstlerin Marijanca Ambos lassen das Auge stutzen. „48°05’27 45“N 11°28’52 75“O 20.01.2011 15:21“lautet der etwas sperrige Titel eines fotografierten, in Plastikfolie gewickelten und zentral im Vordergrund liegenden Pausenbrotes, während im Hintergrund – überwiegend schwarz mit weißen Zeichenstrichen – eine Mutter ihrem Sohn eine Brotzeitbox überreicht. Skurille Werke Anmut liegt in den drei Holzschnitten „Das ist eine Königsgeschichte...“ von Marion Schmidt-Berchtold – eine Geschichte, die sich von der Düsternis hin zu freundlichem Licht entwickelt. 

Ganz anders der „König der Wiese“ von Jolanta Szalanska, der eher etwas skurril anmutet und den Betrachter zum Schmunzeln verleitet. Fast könnte man ihn übersehen, den „Utopie-Verstärker“ aus Metall, Kunststoff, Wachs und Glas von Gisela Dobler: Ein etwas windig im Raum stehendes, minimalistisches Objekt mit Witz. Wenngleich nicht stark vertreten, finden sich doch auch künstlerisch-kritische Auseinandersetzungen mit gesellschaftsrelevanten Themen, unter anderem „Reformation“ aus der Serie „Glanz und Vergehen“ von Sonja Hüning oder „Wunde Landschaft“ von Kilian Lipp. Raum erobert Erstmals versucht die Festwochen-Kunst auch den öffentlichen Raum zu erobern – ein Bereich, der nach Wunsch der „Macher“ noch wachsen darf. Mit aus Stahl gegossenen „Plejaden 2013“ hat Markus Elhardt vor der Residenz einen prominenten Platz gefunden. Von Robert Liebenstein stammt die aus Buchenholz gefertigte „Entkernung acht“ in der Bahnhofstraße.

Die Festwochen-Ausstellung im Hofgartensaal der Kemptener Residenz ist noch bis Sonntag, 8. September, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Christine Tröger

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