Bergbauern bleiben Bergbauern

Torben Olsen sieht die heimischen Bergbauern zusammen mit Arla Foods auf einem guten Weg. Fotos: Gutsmiedl

Weichenstellung bei Allgäuland: Eine außerordentliche Generalversammlung der „Allgäuer Bergbauern-Milch eG“ sprach sich vergangene Woche mit großer Mehrheit für einen Verkauf der Genossenschaftsanteile an den skandinavischen Molkereikonzern Arla Foods aus. Ein erster Anlauf war im August hatte die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent nicht erreicht. Arla will die Oberallgäuer Bergbauernmilch verstärkt im Handel platzieren. Der Stand-ort Sonthofen soll erhalten und sogar ausgebaut werden.

Auf den „Schlussstrich unter die Allgäuland-Misere“ warteten Vorstandschaft wie Mitglieder seit langem. Das hochverschuldete Unternehmen stand vor der Insolvenz. Als einzig gangbare Alternative hatte sich in den vergangenen Monaten die Übernahme durch Arla Foods eröffnet, die zunächst als „positive Fortführungsprognose“ eine Pleite verhindern konnte. „Höchste Zeit, dass es eine Ende findet“, sagte Werner Mangold aus Simmerberg und hoffte wie alle auf einen guten Ausgang der Abstimmung. Vertrauen nötig „Von der Versammlung hängt viel ab“, rief Martin Kirchmann, Vorstandsvorsitzender der Allgäuer Bergbauern-Milch eG in Erinnerung. Nach turbulenten Wochen gelte es nun, Weichen zu stellen. Die fünf weiteren Genossenschaften unter dem Dach der Allgäuland Käsereien GmbH hatten sich im Gegensatz zu den Bergbauern mit deutlichen Mehrheiten für den Verkauf und damit die Übernahme durch Arla Foods ausgesprochen. Knapp 200 Mitarbeiter der Allgäuland Käsereien machten in stillem Protest vor der Versammlung in Waltenhofen auf die Folgen der drohenden Insolvenz aufmerksam. Es gehe um Existenzen, um Arbeitsplätze, war auf den Transparenten und Plakaten zu lesen. Torben Olsen, Geschäftsführer der Arla Foods Deutschland, hielt sich nicht mit den Erläuterungen zur Marketing-Strategie des Unternehmens auf. Er setzte auf Vertrauen: „Sie verschwinden nicht in einem großen Unternehmen“, betonte er. Vielmehr hätten die Bergbauern genau das, was Arla brauche, um dem Slogan „Der Natur ein Stück näher“ gerecht zu werden. „Sie haben die gute Milch, die wir brauchen. damit kann man was Gutes machen“, so der Geschäftsführer. Und das wolle Arla in Zukunft mit den Bergbauern machen, so Olsen weiter. Die Bergbauern würden nicht Mitglied von Arla, zerstreute Olsen die Befürchtung der Bauern vom „Geschlucktwerden“. Vielmehr gehe es um eine enge Zusammenarbeit: „Sie behalten Ihr Eigenleben, Ihre Identität.“ Erneut unterstrich Olsen, dass der Standort Sonthofen mit dem Milchwerk „der Mittelpunkt“ der Bergbauern-genossenschaft bleiben werde. Arla wolle hier sogar investieren. Zu der angestrebten Partnerschaft gehöre für das Unternehmen auch, dass man keinen zu einer Zusammenarbeit zwinge: „Wer mit uns weitermachen will, ist willkommen. Wer nicht will, der muss nicht.“ Es müsse ein Miteinander geben, kein Gegeneinander, sagte Olsen. Die Hürde, die Arla für die geplante Allgäuland-Übernahme aufgestellt hat, scheint inzwischen kein Problem mehr. Nachdem zunächst eine Mindestmenge von 250 Millionen Kilogramm Milch angesetzt worden war, reichen nun 220 Millionen Kilo. 75 Millionen Kilogramm müssten dann allerdings Spezialmilch sein, davon wiederum 40 Millionen Kilo Bergbauernmilch (aus Höhenlagen über 800 Metern). Die erforderliche Menge sei „in Kürze erreicht“. Auch der Milchpreis liege mit allen Zuschlägen deutlich über dem Durchschnitt und sei über das Quotenende hinaus gesichert. Einiger Gegenwind Nicht überzeugt, dass Arla „das richtige Pferd“ ist, waren 200 Mitglieder, die in der Abstimmung den Verkauf ablehnten. Mit 814 Ja-Stimmen (80,3 Prozent) wurde die 75-Prozent-marke übersprungen. „Ihr habt Größe und Stärke gezeigt“, würdigte Martin Kirchmann das Ergebnis. „Wir Bergbauern sind heute alle die Gewinner.“ Arla ist der Übernahme der Allgäuland-Käsereien und ihrer Beteiligungsgesellschaften damit ein Stück näher gekommen: Die Gesellschafter der Allgäuland-Käsereien haben dem Kaufangebot der skandinavischen Molkereigenossenschaft zugestimmt. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung“, sagt Torben Olsen. Durch die Übernahme wäre die durchaus drohende Insolvenz der AllgäulandKäsereien abgewendet. Zudem erhielten die Milchbauern mit Arla Foods einen starken Partner, der ihnen die Abnahme ihrer Milch garantiert. In den kommenden Tagen und Wochen stehen die detaillierte Ausarbeitung sowie die juristische Prüfung der für den Zusammenschluss notwendigen Vertragsunterlagen im Vordergrund. Außerdem werden mit den Milchbauern der Allgäuland-Käsereien individuelle Milchlieferverträge vereinbart. Voraussetzung für den Kauf durch Arla ist darüber hinaus die Zustimmung der Kartellbehörden. „Unser Ziel ist es, zu den drei führenden Milchverarbeitern im deutschen Markt zu gehören“, erklärt Torben Olsen. „Gemeinsam mit Allgäuland kommen wir diesem Ziel einen Schritt näher.“

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