Beschlossene Sache?

Die einzige Entscheidung des Abends fiel mit 17:13 knapp aus. Allerdings stand nicht der Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz zur Debatte, sondern lediglich, ob die Stiftsstadtfreunde im Rahmen ihrer Info-Veranstaltung über einen solchen abstimmen sollten. Hätten die Anwesenden doch über den Bau votieren sollen, wäre die Entscheidung wohl ähnlich eng ausgefallen – mit welchem Ergebnis, bleibt allerdings offen. Denn wie überall in der Stadt zeichnete sich auch bei den Stiftsstadtfreunden am Mittwochabend noch kein klares Meinungsbild gegen oder für eine Tiefgarage ab. Nichts desto trotz mussten sich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Baureferentin Monika Beltinger zahlreicher Nachfragen erwehren. Viele Anwesenden störten sich vor allem an den Ungereimtheiten bei den Berechnungen zur künftigen Anzahl an Parkplätzen.

Nachdem Beltinger am Mittwochabend im „Stift“ noch einmal alle drei Varianten zur Umgestaltung des Hildegarsplatzes (der KREISBOTE berichtete mehrfach) vorgestellt hatte, waren offensichtlich nur wenige der Anwesenden vom Sinn einer Tiefgarage vollends überzeugt. „Ich hoffe, dass die Stadt wach ist und das gescheit diskutiert“, brachte eine Stiftsstädterin die Stimmung der meisten auf den Punkt. Nur wenige sprachen sich konkret für eine Garage aus. Vor allem die von der Stadtverwaltung postulierte Notwendigkeit von 120 oberirdischen Parkplätzen war es, die Stirnrunzeln hervorrief. Viele Anwesenden bezweifelten, dass so viele Stellplätze tatsächlich nötig seien. „Die 120 Parkplätze sind ganz klar politische Vorgabe. Mit 90 Parkplätzen kämen wir laut Planern auch zu einer vernünftigen Planung“, so beispielsweise Stiftsstadtfreund und Stadtrat Hans Mangold. "Alles komplizierter" Sorgen um ihre Existenz äußerten dagegen verschiedene Geschäftsleute, die befürchten, dass ihre Geschäfte die lange Bauzeit nicht überstehen. Beltinger erklärte, dass in drei Abschnitten gebaut werden solle, sodass die Geschäfte zumindest teilweise immer anfahr- und belieferbar seien. Eine Gefährdung der Basilika sei ebenfalls nicht zu befürchten, entgegnete sie dahingehenden Fragen. Zu hinterfragen ist der Bau einer Tiefgarage für einige auch vor dem Hintergrund, dass 96 Prozent der Fahrer, die derzeit den Hildegardplatz ansteuern, laut Verkehrsgutachten weniger als eine Stunde dort parken. „Es wird nicht einer in eine Tiefgarage fahren, um bei der Paula einen Kaffee zu trinken oder eine Kiste Wasser zu holen“, gab eine Anwohnerin zu bedenken. Auch Vereins-Vorsitzende Ilse Rossmanith-Mitterer äußerte Zweifel an den Tiefgaragen-Plänen. „Eine Tiefgarage würde für Kurzparker alles komplizierter machen“, befürchtete sie. Ein Bürger sagte hingegen: „Ich habe den Eindruck, die Tiefgarage ist schon beschlossene Sache.“ Dem widersprach Beltinger: „Es ist noch gar nichts entschieden, aber eine Garage würde uns eine vernünftige Gestaltung ermöglichen“, erklärte sie. A propos Gestaltung: Die oberirdische Umsetzung des Platzes im Falle einer Tiefgarage trieb die Stiftsstadtfreunde ebenfalls um. „Es wird ein kahler, leerer Platz werden“, äußerte eine Anwesende Bedenken. Eine andere Bürgerin äußerte dagegen Zweifel hinsichtlich der klobigen Ein- und Ausgänge zur Garage. „Diese Eingänge beeinträchtigen die Sicht doch mehr als parkende Autos“, meinte sie. „Ziel ist, dass der Platz nicht als Parkplatz wahrgenommen wird“, entgegnete Beltinger. „Wir wollen dort mehr Aufenthaltsqualität herstellen.“ „Das Entscheidende ist: Nehme ich den Platz als Parkplatz wahr oder als Platz zum Erleben“, ergänzte OB Netzer in diesem Zusammenhang. Netzer wies darauf hin, dass zunächst angesichts der prekären Finanzlage die zeitliche Machbarkeit des Projekts geprüft werden müsse. „Wir müssen uns ein Limit setzen, bis wann wir gebaut haben wollen und wir sollten uns finanziell ein Limit setzen. Wenn das nicht klappt, muss ich halt die zweitbeste Lösung nehmen“, sagte er. Deshalb gehe es heuer lediglich darum, eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen eine Tiefgarage zu treffen. „Aber spätestens in 2012 muss gebaut werden“, betonte er.

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