Auf dem Weg der Besserung

Alljährlich im Oktober mit Spannung erwartet werden die Geschäftsberichte der städtischen Beteiligungsgesellschaften wie das KKU oder das AÜW vor dem Stadtrat. Seit Jahren wegen seines anhaltenden Millionen-Defizits besonders im Fokus steht der Bericht über die Entwicklung am Klinikum Kempten-Oberallgäu. Langsam jedoch können sich die Stadträte entspannen: Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Minus 2011 fast halbiert werden und beträgt 726 000 Euro. In diesem Jahr will Geschäftsführer Andreas Ruland mit einem Fehlbetrag von 545 000 Euro abschließen. Darüber hinaus kündigte er am Donnerstagabend an, dass noch heuer im November die sogenannte Einhäusigkeit vollzogen werden soll.

Bereits am Freitag, 23. November, soll der Umzug der Abteilungen aus der Memminger Straße in die Robert-Weixler-Straße stattfinden. Damit steht eines der größten Projekte in der jüngeren Klinikgeschichte unmittelbar vor dem Abschluss (siehe eigener Bericht). Wirtschaftlich befindet sich das Kemptener Krankenhaus ebenfalls auf dem Weg der Gesundung. Mit 726 000 Euro fiel das Defizit in 2011 deutlich niedriger aus als im Jahr zuvor. Grund dafür sind vor allem „verstärkte Einsparmaßnahmen“, insbesondere beim Einkauf, wie Ruland dem Gremium erläuterte. Außerdem wurden die Personalkosten um rund drei Millionen Euro auf 49,8 Millionen Euro gesenkt. Denn mit insgesamt 23 949 wurden 69 Patienten weniger behandelt als 2010. Das bedeutete einen Rückgang der relevanten Casemix-Punkte um 1071 auf 21 807. Auf der anderen Seite stieg die Zahl der ambulanten Operation um 7,5 Prozent auf 2747. Dagegen ist der Anteil der Privatpatienten von 11,5 auf 10,6 Prozent gesunken. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten im Krankenhaus ging im gleichen Zeitraum von 5,7 auf 5,3 Tage zurück. Wieder mehr Patienten In diesem Jahr rechnet Ruland wieder mit etwas mehr Patienten. Im ersten Halbjahr seien 12 581 Patienten behandelt worden, was 425 mehr sind als im ersten Halbjahr 2011. Seit diesem Jahr neu am Klinikum ist unter anderem die neurochirurgische Hauptabteilung sowie eine Kooperation mit drei orthopädischen Ärzten aus Marktoberdorf. Angesichts des anhaltend positiven Trends gab es von Seiten der Stadträte wenige Nachfragen oder Anlass zur Kritik. So wollte beispielsweise Helmut Hitscherich (UB/ödp) wissen, wie hoch der Krankenstand in der Belegschaft sei (5,3 Prozent). Grünen-Stadtrat Hans Mangold sorgte sich dagegen um die Personalstärke. „Es gibt große Probleme im medizinischen Bereich, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten“, sagte der Mediziner. Für das Kemptener Klinikum gilt das jedoch offenbar nicht. Derzeit seien insgesamt 176 Arztstellen besetzt. „Wir sind voll belegt und haben keine Schwierigkeiten, Assistenzärzte zu finden und keine Probleme, Fachkräfte zu bekommen“, berichtete Klinik-Chef Ruland. Was kostet Ruland? Dass es zeitweise Probleme mit der Qualität des Essens gegeben habe, bestätigte Geschäftsführer Ruland dagegen auf Anfrage von Theo Dodel-Hefele (Grüne). „Dieses Thema verfolgen wir“, betonte er. Allerdings spiele in solchen Fällen häufig auch der subjektive Geschmack des jeweiligen Patienten eine Rolle. Wie viel Geld jährlich an den Sana-Konzern unter anderem für die Geschäftsführertätigkeit von Ruland überwiesen wird, wollten jedoch weder Ruland noch Aufsichtsratschef OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) auf Nachfrage von Michael Hofer (ödp) öffentlich bekannt geben.

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