Biberacher Baubürgermeister plaudert in Isny aus dem Nähkästchen

Altstadtplanung im Mittelpunkt

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Gabi Kimmerle (links) und Edwin Stöckle (rechts) bedanken sich beim Biberacher Baubürgermeister Christian Kuhlmann für den Besuch in Isny.

Isny – Der Biberacher Baubürgermeister Christian Kuhlmann war der Einladung der Isnyer SPD gefolgt und berichtete vergangene Woche über die Altstadtsanierung in Biberach.

Zu Beginn der Veranstaltung mit dem Titel „Altstadt ist mehr als Parkplätze“ im voll besetzten kleinen Kurhaus-Saal begrüßte SPD-Gemeinderätin Gabi Kimmerle zusammen mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Edwin Stöckle die Zuhörer und den Referenten. Seit der Planfeststellung und spätestens seit Fertigstellung der B12-Umfahrung werde die Gestaltung der historischen Innenstadt und der Altstadt Süd in Isny heiß diskutiert und in den unterschiedlichsten Gremien die Voraussetzungen zur Neugestaltung immer wieder besprochen, rief Stöckle zu Beginn in Erinnerung. 

Besonders das Gebiet um den Marktplatz, dem eigentlichen Mittelpunkt der Stadt, beschäftigte Bürger, Laien und Fachleute. Jetzt mit der anstehenden Entscheidung für einen Investor (der Kreisbote berichtete) und seine Vorstellungen kommt die Unsicherheit zutage, die bisher eine Entscheidung verhinderte. Edwin Stöckle betonte es ausdrücklich: Christian Kuhlmann war nicht eingeladen worden, um den Isnyern zu sagen: „So und nicht anders sollte es weiter gehen.“ 

Der Gast aus Biberach an der Riss hatte die Aufgabe, von den Abläufen in Biberach zu berichten und eventuelle Anregungen für die weitere Entwicklung in Isny zu geben. Einige Anregungen konnten tatsächlich angenommen werden. Isny muss dabei jedoch seinen eigenen Weg gehen, denn weder die Geldmittel die zur Verfügung stehen, noch die Grundstruktur der Innenstadt sind zwischen Biberach und Isny vergleichbar. Eines machte Christian Kuhlmann erst einmal klar: „Eine Stadt ist kein Museum und ist laufend Änderungen unterworfen. Wenn dazu ein Leitbildkonzept und eine saubere Gliederung zur Verfügung stehen, ist eine dynamische Entwicklung eine wünschenswerte Sache.“ In Biberach ist das jedenfalls gelungen. 

Rund um die Altstadt stehen rund 1600 Parkplätze in Parkhäusern und auf Parkplätzen zur Verfügung. Selbst diese Summe an Parkmöglichkeiten stößt an Markttagen und bei besonderen Veranstaltungen an seine Grenzen. Da hilft zwar das dynamische elektronische Parkleitsystem, ist aber auch nicht immer zufriedenstellend. „Prinzipiell sollten wir neue Gebäude nicht historisieren, aber wenn wir hochwertige Materialien verwendet haben und kleinräumige Verschönerungen zuließen, sind wir zu vernünftigen Entscheidungen gekommen“, erläuterte Kuhlmann. 

Der Ablauf in Biberach sei klar aufgeteilt gewesen. Durch Bürgerinformationen, der Erstellung einer „Baufibel“ als Stadtbild-Lesebuch, Information und Kommunikation sei es zu gemeinsamen, aber vom Gestaltungsbeirat und dem Gemeinderat zu verantwortenden Entscheidungen gekommen. In einigen Zitaten machte er die Vorgehensweise in Biberach deutlich: „Vieles ist eine Frage des Wollens und nicht des Geldes“, betonte er. „Experten kosten Geld und der gesunde Menschenverstand hat oft besser geholfen.“ 

Parkhaus ist günstiger 

„Auf eine Tiefgarage haben wir verzichtet, sie ist renovierungsaufwendiger und anfälliger als ein Parkhaus“, so Kuhl- mann weiter. Das konnten die Isnyer nachvollziehen, denn das untere Geschoss der Parkanlage am Ehrleplatz bei der Post musste nach 25 Jahren Betrieb saniert werden, weil der Beton bröckelte und rostiges Eisen sichtbar wurde. Die Gewährleistungspflicht der Baufirma aber war abgelaufen und den Schaden hatte die Stadt zu tragen. Es kann nicht schaden, Entscheidungshilfen zu haben. 

Isny besteht seit 1042 und wird durch eine Umgestaltung der historischen Innenstadt auch nicht untergehen. Über eines muss man sich nach Expertenmeinung im Klaren sein: Die Gebäude, die nun gebaut werden sollen werden länger stehen als die darin eingeplante Nutzung.

Manfred Schubert

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