Stadtverwaltung will Zukunft der Sheddachhalle genau prüfen

Ein Spiel auf Zeit

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Nach Meinung vieler ortsbildprägend: Die Sheddachhalle der alten Spinnerei- und Weberei. Während Investoren dort im Inneren Wohnungen bauen möchten (siehe Modell), will die Bauverwaltung lieber zunächst den Erhalt des Komplexes prüfen.

Kempten – Der von einem Investor geplante Teilabriss der Sheddachhalle der alten Spinnerei und Weberei ruft die Altstadtfreunde auf den Plan. Auf Facebook hat Vorsitzender Dietmar Markmiller eine eigene Seite ins Leben gerufen und fordert einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal.

Einen ähnlichen Antrag stellte diese Woche auch die SPD-Fraktion im Stadtrat. Am kommenden Dienstag, 2. Juli, wird das Thema erneut im Bauausschuss diskutiert. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass die Investoren in Sachen Halle so schnell nicht zum Zuge kommen werden. Unter den Tagesordnungspunkten 6, 7 und 8 müssen die Räte am Dienstag im Gremium über zwei Bauanträge der Kaufbeurer Immo-Consult GmbH für den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern in der Keselstraße sowie eine Bauvoranfrage zum Teilabriss der Sheddachhalle entscheiden. 

Denn wie berichtet, wollen die Ostallgäuer Investoren einen Großteil des Industriedenkmals an der Iller einreißen, um dort etwa 200 neue Wohnungen zu bauen. Lediglich die historischen Außenwände sowie der Ölturm und die Schlichterei – also die Bereiche, die unter Denkmalschutz stehen – sollen erhalten bleiben, um weiterhin an einen der größten Industriekomplexe der Stadt zu erinnern. „Das gibt es sonst in Bayern so nicht”, schwärmt beispielsweise Antje Schlüter, Leiterin des Stadtplanungsamtes. Unter der Halle soll eine Tiefgarage mit Platz für bis zu 175 Parkplätzen entstehen. 

Während die Bauverwaltung den Bau der zwei Einfamilienhäusern entlang der Keselstraße offenbar relativ entspannt sieht, gibt es hinsichtlich des dritten Hauses und der Eingriffe in die Shedhalle Bedenken. Baureferentin Monika Beltinger brachte zunächst sogar eine Veränderungssperre ins Spiel, die aber zunächst abgelehnt wurde (der Kreisbote berichtete). Auch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) äußerte Zweifel an den Plänen der Investoren: „Der jetzige Entwurf geht aus meiner Sicht nicht optimal mit der Situation um“, sagte er unserer Zeitung. 

Für Wettbewerb 

Nun hat Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, im Internet eine öffentliche Debatte angestoßen. Auf der Facebook-Seite „Pro Museum der Bayerischen Geschichte in Kempten/Erhalt der Sheddachalle” hat Markmiller bereits rund 200 Unterstützer um sich geschart. Sein erklärtes Ziel: Ein städtebaulicher Wettbewerb für das gesamte Areal ohne Abriss der Halle. „Zudem wollen wir erreichen, dass solange kein Ergebnis des Wettbewerbs vorliegt, auch keine Bebauung an der Keselstraße stattfindet, diese würde nach unserer Meinung eine sinnvolle Entwicklung des Areals verhindern”, schreibt er. Neben den Altstadtfreunden plädiert vor allem auch das Architekturforum für einen weitestgehenden Erhalt der Halle. „Wenn man von außen schaut, wünscht man sich die Gesamtkulisse”, sagt beispielsweise Architekt Martin Lindermayr. 

Die Fraktion der SPD hat vergangene Woche einen ähnlichen Antrag wie die Altstadtfreunde an OB Netzer formuliert: Sie fordert einen städtebaulichen Wettbewerb unter Einbeziehung der Bürger. Nur so könne der schwierige Spagat zwischen Denkmalschutz und sinnvoller Nutzung der leerstehenden Halle möglicherweise gelingen. Zumindest bei Netzer und Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter rennen beide Seiten damit offene Türen ein: „Von mir aus gerne”, so Schlüter auf Anfrage. Eine städtebaulicher Wettbewerb unter Einbindung der Öffentlichkeit sei eine gute Gelegenheit möglichst viele gute Ideen zu sammeln, erläuterte sie. Netzer kann sich ebenfalls vorstellen, weitere Architekten und Beteiligte bei der Suche nach einer geeigneten Lösung ins Boot zu holen: „Ich plädiere dafür, sich mehr Zeit zu lassen.“ 

Doch was ist auf dem Areal außer eine Bebauung mit Wohnungen noch alles möglich? Laut Schlüter zunächst einmal von Büros, Ateliers oder Call-Centern über Friseurstudios alles, was vom Lärm her nicht mit den Vorgaben für ein Wohngebiet kollidiert. Einrichtungen mit hohem öffentlichen Publikumsverkehr wie Restaurants oder Museen seien dann jedoch nicht genehmigungsfähig. Eine weitere Option ist wohl, im denkmalgeschützten Süden des Komplexes eine Einrichtung mit öffentlichem Publikumsverkehr und im nördlichen Areal Wohnbebauung einzurichten. Für die Immo-Consult GmbH hieße das aber, auf eines der drei geplanten Häuser entlang der Keselstraße zu verzichten. Tatsächlich wird die Bauverwaltung nach Informationen des Kreisboten (Stand Donnerstag) wohl dem Ausschuss eine Zurückstellung zumindest der Tagesordnungspunkte 7 und 8 vorschlagen – Abbruch und Neubau eines Wohnhauses im südlichen Bereich und Teilabriss und Umnutzung der Shedhalle. Durch eine Zurückstellung – sofern das Gremium zustimmt – könnte die Stadt bis zu einem Jahr Zeit gewinnen, um die Möglichkeiten eines Hallenerhalts und deren Auswirkungen zu untersuchen. 

Und was sagen die Investoren? Die sehen ihre bisher vorgestellten Pläne zunächst einmal vor allem als „Diskussionsgrundlage”. „Wir wollen eine schlüssige Lösung mit allen Beteiligten”, ließen sie unlängst wissen.

Matthias Matz

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