Da bleibt nur noch beten

Müll, zerbrochene Flaschen und Gläser, betrunkene Jugendliche: In den Illerwiesen sah es nach den Schulabschlussfeiern in der Vergangenheit aus wie auf dem Schlachtfeld. Wie die Feiern künftig stattfinden, ist trotzdem immer noch offen. Foto: Ordnungsamt

Auf eine Kompromisssuche für die Schulabschlussfeier 2011 hatte sich der Jugendhilfeausschuss als letzten Tagesordnungspunkt begeben. „Jetzt wird’s nochmals schwierig“, eröffnete OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) die Diskussionsrunde, die aber lediglich neue Impulse für weitere Überlegungen brachte. Wie berichtet, hatte der Ausschuss für öffentliche Ordnung im vergangenen Oktober beschlossen, die bisher in den Illerauen tolerierten Abschlussfeiern nicht mehr zu dulden. Als Alternative will die Stadt eine zentrale Veranstaltung für alle Schulabsolventen am 11. Juli im Parktheater anbieten. Bei den Kemptener Schülern trifft das allerdings auf wenig Begeisterung.

Wie Thomas Baier-Regnery, Leiter des Amtes für Jugendarbeit, vergangene Woche erläuterte, hätten Mitte Juli alle Haupt-, Förder- und Realschüler ihre schriftliche und mündliche Prüfungen abgelegt. Auf diese Gruppen sei der Fokus gerichtet, da sie in der Regel aus Minderjährigen bestehen und die Einhaltung der jugendschutzrechtlichen Bestimmungen – nicht zuletzt wegen des „exzessiven Alkoholkonsums“ – in den Illerauen trotz des hohen personellen Aufwandes nicht möglich sei. Zudem könnten sie nicht als Veranstalter privat initiierter Veranstaltungen auftreten, wie es bei den volljährigen Gymnasiasten der Fall sei – wohl ein Grund dafür, dass diese in den letzten Jahren in den Illerauen nicht erkennbar aufgetreten seien. Problematisch sah der Amtsleiter vielmehr, dass sich die tolerierten Feiern „zunehmend attraktiv auch für Schüler aus dem fernen Umland“ erweisen würden. Im Parktheater „ist logistisch alles vorhanden“, meinte er. Positiv bewertete er für den sicheren Heimweg die Nähe des Parktheaters zur ZUM sowie die Möglichkeit für Eltern, ihre Sprösslinge direkt am Ort des Geschehens mit dem Auto abholen zu können. Für eine Außenveranstaltung wie auf der Burghalde, ging er auf eine weitere Option ein, seien sowohl technischer als auch personeller – und damit finanzieller – Aufwand ungleich höher. Da aber der Eintritt erschwinglich bleiben soll, müssten auch die Kosten im Rahmen bleiben. Ende Januar sind die Überlegungen bereits den Kemptener Schülermitverwaltungen vorgestellt worden (der KREISBOTE berichtete). Seinerzeit sei vor allem kritisiert worden, dass die Absolventen „ihrer Freude und Erleichterung unmittelbar nach der letzten Prüfung freien Lauf lassen möchten und nicht erst nach mehreren Tagen“ bei einer Veranstaltung für alle. „Es wird kaum eine Veranstaltung so attraktiv sein“ um zu verhindern, dass die Absolventen auch durch die Stadt ziehen, gab er zu bedenken. Ferner stellte er klar, dass mehreren Feierterminen Grenzen gesetzt seien, weil „ich das mit meinem Budget nicht schaffe“. Obwohl ihn das Thema seit rund 30 Jahren begleite, „habe ich es nicht lösen können“, machte Stadtrat Siegfried Oberdörfer (SPD) den „gordischen Knoten“ deutlich. Für wenig geeignet hielt er den angedachten Feiertermin, denn „die letzte schriftliche Prüfung ist das Signal“. Deshalb bat er den Termin entsprechend vorzuverlegen. „Eigentlich kann man nur beten, dass es 14 Tage lang Nieselregen hat“, sprach er aus Erfahrung. Auch müsse zwingend ein Angebot bereits ab der Mittagszeit bereit stehen. "Kein Erfolgsmodell" Claudia Dress (CSU) plädierte für die Beibehaltung der Illerauen als Feierort, da es dort „überschaubar und kontrollierbar ist“. Dem wollte Ulrich Müller von der Polizei Kempten nicht zustimmen: Dieser Ort „ist aus unserer Sicht keineswegs ein Erfolgsmodell“, stellte er klar. Es sei immer ein Spagat, die Augen bezüglich des Jugendschutzgesetzes zuzudrücken und „ein bisschen böse zu sein“, damit die Auen „nicht umgeackert werden“. Auch verwies er auf die hohe Zahl an Einsatzstunden, nur um den „Graszustand“ zu pflegen. Alexander Haag, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, fand die Idee Parktheater für die Jüngeren „sicher sehr interessant“, mahnte aber, nicht zu sehr „von der Erwachsenenseite zu handeln“. „Und was, wenn sie trotz Beschluss einfach feiern?“, gab OB Netzer das Eskalationspotential bei einer möglichen Auflösung durch die Polizei zu bedenken.

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