Vertragsunterzeichnung

"Wirklich sehr dankbar"

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Die beiden Vorstände der BSG-Allgäu Tanja Thalmeier (l) und Mario Dalla-Torre (r) besiegeln den Vertrag mit OB Thomas Kiechle.

Kempten – Viele engagierte Menschen setzen sich bereits für die immer weiter steigende Zahl von Asylsuchenden ein. Dennoch gibt es Bereiche, in denen Kommunen quasi überrollt wurden – und werden. Einer davon ist die in der Regel kurzfristig zu stemmende dezentrale Unterbringung.

Eine „enorme Herausforderung“, bei der die Stadt oft an die Grenzen des Möglichen stößt. Darin sind sich OB Thomas Kiechle und Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, einig. Für zunächst ein Jahr verspricht eine Kooperation zwischen der Stadt Kempten und der BSG-Allgäu als „verlässlicher Partner“ Erleichterung.

Der Bau- und Siedlungsgenossenschaft werden vor allem die Verwalter- und Betreuungsaufgaben für die dezentralen Unterbringungen in der Stadt übertragen. Drei Monate lief die laut Mayer „sehr erfolgreiche“ Testphase bereits. Vergangene Woche unterzeichneten das Stadtoberhaupt sowie die beiden BSG-Vorstände Tanja Thalmeier und Mario Dalla-Torre die Verträge. Damit übernimmt die BSG eine Vielzahl an Aufgaben, darunter Finden passender Wohnobjekte bis zur Unterzeichnung der Mietverträge, das Beauftragen und Koordinieren von Installations- und Renovierungsarbeiten, möblieren und ausstatten, konkrete Belegung und generelle Einweisung der Ankömmlinge sowie deren Transport mit Kind und Kegel, Hausmeisterei aber auch Dinge wie Energiesparen und Mülltrennung bis hin zum Nachbarbeschwerdemanagement oder Streitschlichten untereinander und, ein für die Verantwortlichen „ganz wesentlicher Punkt“, dauernde Erreichbarkeit.

„Wirklich sehr dankbar“ zeigte sich Kiechle für die Bereitschaft der BSG hier Aufgaben zu schultern, die über ihren Auftrag als Bau- und Siedlungsgenossenschaft „weit hinaus gehen“. Für Dalla-Torre entsprach es dem Selbstverständnis der genossenschaftlichen Unternehmens-Philosophie sowie seinem Selbstverständnis christlicher Grundwerte. Auch für die Mitarbeiter der BSG-Allgäu sei es selbstverständlich gewesen mitzumachen, betonte Thalmeier, trotz der „hohen Belastung“ vor allem für diejenigen, die tiefer in dem neuen Bereich stecken. „Wir können die Chancen nur nutzen, wenn wir alle zusammenstehen“, war für sie klar. Um es auch als Chance „begreifen“ zu können, müsse es gleich von Anfang an funktionieren, ergänzte Kiechle, der sich ein mögliches Scheitern gar nicht ausmalen wollte. Hier sah Dalla-Torre einen entscheidenden Punkt darin, dass sich die Fehler der „Ghettoisierung“, die in den 1990er Jahren mit den Aussiedlern gemacht wurden, „nicht wiederholen“.

Im Rahmen des von der BSG-Allgäu betriebenen Sozialen Wohnungsbaus wolle man deshalb auf eine „Durchmischung“ achten und immer einen Teil der Wohnungen mit Flüchtlingen belegen, was bei Vermietung an anerkannte Flüchtlinge mit zusätzlich 300 Euro pro Quadratmeter gefördert werde. Wichtig war Kiechle, dass niemand das Gefühl bekomme, „dass für eine bestimmte Grup-pe etwas getan wird und Einheimische durch den Rost fal- len“. Deshalb dürfe die letzte günstige Wohnung nicht an Flüchtlinge gehen während „die alleinerziehende Mutter leer ausgeht“. Es müsse vielmehr „Hand in Hand gehen“.

Christine Tröger

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