Bühnenreife Hochzeit

Mit 60 roten Rosen hat Hugo Heidelberger (81) am vergangenen Donnerstag seine Frau Christel (81) überrascht. Der Anlass war ein besonderer – die Diamantene Hochzeit stand ins Haus. Jede Rose steht für ein gemeinsames Ehejahr.

Ebenso bühnenreif wie das Theaterstück, bei dessen Proben sich Hugo und Christel Heidelberger seinerzeit kennenlernten, war auch ihre Hochzeit im Jahre 1949, meinte Bürgermeister Josef Mayr (CSU), der dem Paar am im Namen der Stadt gratulierte. Die Hochzeit seinerzeit lief nicht ganz ohne Pannen ab, denn der Bräutigam vergaß bei der Fahrt von Engetried nach Ronsberg seine Anzughose im Bus. Am Hochzeitsmorgen informierte ein Telegramm die Braut, dass die Hose ihres Zukünftigen in Obergünzburg abzuholen sei. Ein Kollege, der ein Auto besaß, sprang ein und brachte das Kleidungsstück. In Engetried hatten sich die beiden kurz nach dem Krieg kennengelernt. In den kleinen Ort hatte es den aus dem Sudetenland Vertriebenen und die Ost-Preußin 1945 verschlagen. Schon damals bewies der junge Werkzeugmacher, dass er ein wahres Multitalent ist. Aus dem Leder, dass er von den Engetrieder Bauern bekam, fertigte er Schuhe für die Töchter des Dorfes – und natürlich für seine Frau. „Wenn man heiratet, dann braucht man Möbel“, erzählt er, aber die hatte man nach dem Krieg nicht. Also baute er auch die kurzerhand selbst. 1951 gingen die Heidelbergers nach Kempten, wo sich der talentierte Handwerker selbständig machte. Die „Heidelberger und Sohn GmbH und Co. KG“ vertreibt heute Sondermaschinen für Schrumpffolien, die der Seniorchef und sein Sohn, der heutige Geschäftsführer, weltweit vertreiben. Allerdings ist der Betrieb heute nicht mehr an der Sutt, sondern im Industriegebiet Ursulasried zu finden. Heidelberger arbeitet noch aktiv in der Firma mit – täglich von 4 Uhr bis 8 Uhr morgens. Dann frühstückt er zu Hause mit seiner Gattin, ruht ein wenig und kümmert sich um das Mittagsessen. Seine Frau Christel, die gesundheitlich beeinträchtigt ist, pflegt er mit Unterstützung seiner Schwiegertochter selbst. „Und nachmittags, da male ich“, sagt er. Die Wände des Hauses und der Firma sind voll von seinen Öl-Bildern, gut 600 bis 700 Stück insgesamt. Mehrere Vitrinen voller Porzellan-Figuren, die seine Frau leidenschaftlich sammelte, machen das Heim der Heidelbergers zu einem bunten, freundlichen Ort. „Man muss immer positiv denken“, beschreibt Heidelberger seine Lebenseinstellung. „Probleme muss man immer gemeinsam besprechen“, erklärt er das Geheimnis der lang anhaltenden Ehe der beiden.

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