"Bühnentaucher" erinnern an die Kinder im Ghetto Theresienstadt

Kinder, deren Träume sich nicht erfüllten

+
„Im Gedenken an Ruth Hein, Hanus Fischl, Vilem Eisner, Petr Ginz, Lisa Mikova, Thomas Kauders, Heinz Posnitz, Eva Meitner, Anna Flachova, Pavel Weiner, Ruth Gutmann, Doris Zdekauer, Lea Pollakova, Anna Spitzova und an alle Kinder und Jugendliche, die in Ghettos und Konzentrationslagern lebten, malten, schrieben und dichteten. Viele davon starben. Es waren Kinder, deren Wünsche und Träume sich nicht erfüllten. Wir wollen sie nicht vergessen“ – so lautet die Botschaft des Theaterstücks „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“.

Kempten – „Wir werden nicht behaupten, wir wären jene Kinder und Jugendliche, die in Konzentrationslagern starben oder Ghettos, oder versuchten zu leben dort. Wir wollen an sie erinnern, von ihnen sprechen und über sie und uns auch.“ – Diese Worte stellte die Theaterautorin und Regisseurin Lilly Axster an den Anfang des Theaterstücks „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“. Mit „hier“ ist in dem Gedicht von Pavel Friedmann das Konzentrationslager Theresienstadt in der heutigen Tschechischen Republik gemeint. Axster gewährt mit diesem Theaterstück einen Einblick in das Leben, die Träume und die Wünsche der Kinder und Jugendlichen im Ghetto Theresienstadt. Die Kinder- und Jugendtheatergruppe Bühnentaucher e.V. präsentiert das Stück im Rahmen der Kemptener Schultheatertage in der Theaterwerkstatt in der Franz-Tröger-Straße 4.

Im kleinen Kreis fand am vergangenen Montag die Generalprobe der Bühnentaucher in der Theaterwerkstatt des TheaterInKempten (TIK) statt. Für die 6. Kemptener Schultheatertage hat sich das Team um Theaterpädagogin Gabi Scheidl, Kindergruppenleiterin Lisa Scheidl und Markus Schlager, Thomas Henze und Wolfgang Hebenstreit für das Stück „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“ entschieden.

Das Theaterstück der Leiterin des Theaters FOXFIRE in Wien, Lilly Axster, verknüpft authentische Texte von Kindern und Jugendlichen aus Ghettos und Konzentrationslagern zu einer Collage. Tagebucheinträge, Bilder, Briefe und Gedichte erzählen vom Leben in den Ghettos und Lagern. „Im Rahmen unserer Recherchen sind wir auf bewegende Schicksale und ergreifende Geschichten gestoßen. Um unseren Zuschauern ebenfalls einen intensiveren Einblick in die Geschichte zu ermöglichen, haben wir begleitend zu den Schultheatertagen die Ausstellung ‚Kinder im KZ Theresienstadt – Zeichnungen, Gedichte, Texte‘ nach Kempten geholt“, erklärt Gabi Scheidl. Die Ausstellung, die vom „Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945“ zusammen gestellt worden ist, erinnert auf 15 Tafeln an das Schicksal der etwa 11.000 nach Theresienstadt deportierten Kinder. Die Kinder und Jugendlichen kamen aus den jüdischen Gemeinden in Böhmen und Mähren, aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Polen und Dänemark. Die meisten von ihnen wurden in Auschwitz ermordet. Von den Kindern im Ghetto Theresienstadt überlebten 150 – 150 von über Zehntausend. Um die Erinnerung an diese Mädchen und Jungen wach zu halten und damit die Grausamkeiten dieser Zeit nicht vergessen werden, hat sich Axster dem Thema „Kindheit im Nationalsozialismus“ angenommen.

Das Besondere an Axsters Stücken liegt darin, wie sie „den Figuren ihre eigene, unaustauschbare Geschichte zurückgibt“, so wurde die Verleihung des Künstlerinnenpreises Nordrhein-Westfalen im Jahr 1997 begründet. Um diese „eigene, unaustauschbare Geschichte“ auf der Theaterbühne nacherzählen zu können, haben sich die Bühnentaucher seit Januar intensiv mit dem Theaterstück, den Texten und den Kindern im Ghetto Theresienstadt beschäftigt.

Träume zwischen Angst und Trauer 

Im Stück sind vier Handlungsfäden miteinander verwoben – inmitten eines bedrückenden Klimas von Trauer, Angst und ständiger Verfolgung kommen die kleinen Heldentaten der Kinder, ihre Wünsche und Träume zum Vorschein. Bedrückend und zugleich begeisternd ist das Engagement, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler dem Thema Kindsein im Ghetto Theresienstadt gewidmet haben.

Wie zeitlos dieses Theaterstück von Lilly Axster ist, zeigen Hass, Anfeindungen und Gewalt gegenüber Menschen heute und hier in Deutschland. Wenn Menschen, die einen anderen Glauben haben deswegen pauschal als potenzielle Terroristen verurteilt werden, wenn Menschen, die eine andere Nationalität haben deswegen pauschal als Nutznießer von Sozialleistungen diffamiert werden und wenn Menschen mit schwarzer Hautfarbe pauschal als Diebe und Vergewaltiger eingestuft werden, dann hat dieses Theaterstück nichts an Aktualität verloren.

Weitere Aufführungen finden am Freitag, 17. Juni, (mit Zeitzeugengespräch) um 17 Uhr und am Samstag, 18. Juni, um 19 Uhr statt. Kartenreservierungen unter www.bühnentaucher.de oder telefonisch unter der Nummer 0831/58 00 800.

Michael Schropp

Meistgelesene Artikel

Chancen und Arbeit bieten

Kempten – Unternehmen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren, das will die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen erreichen. Über hundert Firmen …
Chancen und Arbeit bieten

Vergangene und künftige Entwicklungen als Thema

Dietmannsried/Probstried – Ende November finden traditionell in allen fünf Teilgemeinden der Marktgemeinde Dietmannsried (Dietmannsried, Probstried, …
Vergangene und künftige Entwicklungen als Thema

"Kaviar und Hasenbraten"

Isny/Rohrdorf – Diesmal haben sich die „Theaterleute“ vom Theaterverein Rohrdorf ein Stück von Regina Rösch ausgesucht und „Kaviar und Hasenbraten“, …
"Kaviar und Hasenbraten"

Kommentare