"Bürger aufmerksam machen"

Wie kann ich helfen, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen? Darf ich helfen oder muss ich helfen? Diese Fragen stellen sich viele Bürger, wenn es um das Thema Zivilcourage geht. „Seit dem Fall Dominik Brunner in München ist das Thema wieder aktuell“, erläuterte Michael Keck, Leiter der Polizeiinspektion Kempten, am Donnerstag. Zusammen mit den beiden anderen Kemptener Polizeichefs, Albert Müller, Leiter der Kripo, und Klaus Schorm, Leiter der Verkehrspolizei, hält er am kommenden Montag, 19. Juli, einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Zivilcourage“.

„Wir wollen Bürger darauf aufmerksam machen, was sie tun können um zu helfen“, so Keck weiter. Der Vortrag ist die Auftaktveranstaltung der Aktion „Tu was“, die die Menschen zu mehr Zivilcourage animieren soll. Oberste Devise sei aber immer, sich nicht selbst zu gefährden, fügte er an. „Bei Schlägereien würden wir zuletzt raten einzuschreiten“, machte Schorm klar. Aber man könne auf jeden Fall die Polizei rufen. „Als Opfer sollte man immer versuchen, wenn jemand in der Nähe ist, andere anzusprechen und sie um Hilfe bitten“, empfahl Müller. Helfende Personen sollten ebenfalls immer andere aktiv und direkt zur Mithilfe auffordern um eine Übermacht gegenüber dem oder den Tätern herzustellen, so der Leiter der Kemptener Kriminalpolizei. Lob zollten die Polizeichefs aber den Bürgern. „Die Polizei hat die Unterstützung der Bürger, die nicht nur anonyme Hinweise geben“, merkte Müller an. Verkehrspolizeiinspektions-Leiter Schorm frohlockte, dass rund die Hälfte der Unfallfluchten jährlich durch Zeugen aufgeklärt werden können. Und auch Keck sprach den Menschen sein Lob für die vielen Informationen aus. Aktuelle Beispiele für Zivilcourage im Kempten hatte Keck parat. So habe am Sonntag vergangener Woche ein „sehr muskulöser“ Mann einen anderen Mann beim Kiosk am Hildegardplatz zu Boden gestoßen (siehe Bericht Seite 1). Daraufhin hätten zwei Damen dazwischen gerufen, erläuterte er. „Als der Täter sich den beiden Damen näherte, sind sie gut 20 Meter zurückgewichen und haben die Polizei verständigt. Der Täter konnte festgenommen werden“, schilderte Keck. Mitte Juni habe ein Mann im Hofgarten onaniert (der KREISBOTE berichtete) und dabei zu vier jugendlichen Mädchen gestarrt. Die hätten die Polizei informiert und den Mann bis zu seiner Festnahme durch die Beamten nicht mehr aus den Augen gelassen. „So kann Zivilcourage aussehen“, erklärte Keck. Ein dritter Fall spielte sich erst vor kurzem an einer Tankstelle ab. Einem Mitarbeiter fiel ein Autofahrer auf, der nicht mehr ganz nüchtern schien. Bei der Alkoholkontrolle stellte sich ein Wert von 2,36 Promille raus. „Auch das ist Zivilcourage“, lobte Keck. „Wenn der Mann so im Straßenverkehr unterwegs ist, kann das zu schweren Unfällen führen.“ Mit Thema befassen Ziel der Informationsveranstaltung am 19. Juli ist Keck zufolge Zivilcourage positiv darzustellen und den Menschen klar zu machen, dass man helfen kann. So sollen viele Fragen geklärt werden wie anfangs beschrieben. „Der größte Vorteil an dem Infoabend ist, dass sich die Bürger gedanklich mit dem Thema auseinandersetzen und begreifen, dass nichts unmögliches verlangt wird“, erläuterte der Leiter der PI weiter. „Zivilcourage ist Mut zu haben, etwas zu sagen“, meinte Albert Müller. Dazu gehört auch, dass man nachfragt, wenn einem etwas komisch vorkommt. Beispielsweise, wenn man Schreie in der Nachbarschaft hört. „Da kann es sein, dass einer Frau vielleicht eine Pfanne auf den Fuß gefallen ist, oder sie aber von ihrem alkoholisierten Mann geschlagen wird“, gab Keck ein Beispiel. Die Maßnahme das herauszufinden ist, einfach mal zu klingeln bei den Nachbarn. Grundsätzlich gibt es sechs Regeln für den Ernstfall: Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen, ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf, ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein, ich organisiere Hilfe unter Notruf 110, ich kümmere mich um Opfer und ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung. Weitere Informationen zur Aktion „Tu was“ gibt es im Internet unter www.aktion-tu-was.de. Die Informationsveranstaltung der Polizeichefs findet am Montag, 19. Juli, um 20 Uhr im Pfarrsaal St. Lorenz statt.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare