Im Osten viel Neues

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OB Thomas Kiechle sprach auf Einladung der Siedlungsgemeinschaft Kempten-Ost über die zukünftigen Entwicklungen im Kemptener Osten. Thema war unter anderem die Nutzung der Artillerie-Kaserne als Flüchtlingsunterkunft sowie die Zukunft des APC und der Lindenbergschule.

Kempten – Sollte man den Stadtteilen Kemptens Märchenfiguren zuordnen, käme manchem beim Kemptener Osten vielleicht das Aschenputtel in den Sinn. Märchenfiguren indes haben die Eigenschaft charakterlich zu reifen, um am Ende oftmals in neuem Glanz zu erblühen.

Dies kann auch für den Stadtteil Kempten Ost gelten. So sieht es zumindest Kemptens OB Thomas Kiechle, der von der Siedlungsgemeinschaft Kempten-Ost zu einem Bürgergespräch ins Café Zimmermann geladen wurde.

Die Siedlungsgemeinschaft Kempten-Ost wurde im Jahre 1934 gegründet, um ihre Mitglieder darin zu unterstützen, eigenes Wohneigentum zu erwerben. Otto Dopfer, der 1. Vorsitzende, begrüßte OB Kiechle im Traditionscafé und kam sogleich auf die brisanten Themen zu sprechen.

Flüchtlinge, Verkehr und Zukunft APC

Alles und jenes kreist zur Zeit um die Flüchtlingskrise und so war die zukünftige Nutzung der Bundeswehrliegenschaften, respektive der Artillerie-Kaserne am Berliner Platz, Kiechles erster Punkt. Diese verbleibt mit einer Fläche von rund vier Hektar im südlichen Bereich für die nächsten Jahre im Besitz der Bundesimmobilienanstalt. Dort wir eine Zweigstelle des Erstaufnahmelagers Donauwörth entstehen. War zu Beginn der Sondierungsgespräche die Rede von 3000 bis 4000 Flüchtlingen, die dort für einen Zeitraum von sechs Monaten untergebracht werden sollten, so konnte diese Zahl durch zähes Verhandeln auf rund 1000 reduziert werden (der Kreisbote berichtete). Derzeit sind in Kempten rund 1000 Flüchtlinge untergebracht. Teil der Vereinbarung ist auch, das diese Zahl zukünftig als Obergrenze dient. Auf den anderen nördlich gelegenen 16 Hektar des Areals soll Gewerbe angesiedelt werden. Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt wird die Kemptener Firma Soloplan ihr neues Firmendomizil beziehen.

Nicht ganz ohne Hintergedanken meldete sich ein Bürger zu Wort und stellte OB Kiechle die Frage: „Wir versuchen für unser Enkelkind seit einem Jahr einen Kindergartenplatz zu ergattern, leider erfolglos…“ Nach Nachfrage des OBs nach Einzelheiten der Causa, versprach dieser, sich um die Sache persönlich zu kümmern. Humorvoll leitete ein Zuhörer das Bürgergespräch zum nächsten Thema über: „Herr Oberbürgermeister, mit dem derzeitigen erfreulichen Babyboom steigt leider auch das Verkehrsaufkommen in Kempten.“ In der Tat herrscht bei vielen Unmut über das hohe Verkehrsaufkommen insbesondere beim Schwerlastverkehr. „Die LKW-Fahrer verlassen in Waltenhofen die Autobahn und fahren über den Schumacherring nach Leubas zur Autobahnauffahrt, um sich die Mautgebühr zu sparen“, ärgerte sich ein Anwohner des Schumacherrings. Kiechle verwies auf ein sich in der Ausarbeitung befindliches Gesamtkonzept, das die Verkehrssituation der Stadt aktuell erfassen und als maßgebliche Grundlage für die Leitung der Verkehrsströme dienen soll. „Das sollte dann auch die Feinstaubbelastung und den Straßenabrieb durch den vielen Schwerlastverkehr berücksichtigen“, ergänzte ein Bürger.

Kiechle wandte sich anschließend einem großen Juwel des Kemptener Ostens zu – dem Archäologischen Park Cambodunum (APC), den dieser zukünftig noch mehr als touristisches Highlight der Allgäu-Metrople aufwerten möchte. „Der APC ist von europaweiter Bedeutung“, sagte der „Ur-Kemptener“ Kiechle und stellte das historische Cambodunum auf eine Stufe mit Xanten und Trier. „Bis dahin ist es freilich noch ein langer Weg…,“ stellte der OB klar, fügte aber hinzu, „ dass die Rekonstruktion antiker Gebäude oder auch der Neubau eines Amphitheaters angedacht werden“. Dass sich mit der Aufwertung des Terrains ein höheres Verkehrsaufkommen ergibt, erwähnte Kiechle mit einem Blick in die Augen seiner Zuhörer freilich auch.

Lindenbergschule – teure Zukunft

Über einen Wermutstropfen musste der OB an diesem Abend allerdings auch berichten. Die Lindenbergschule, Grund-und Mittelschule für rund 1000 Schüler, befindet sich baulich in einem beklagenswerten Zustand. Nach einer ersten Schätzung können sich die Kosten einer notwendigen Generalsanierung auf rund 15 Millionen Euro belaufen, eine Summe die rund doppelt so hoch ist, wie bei üblichen Sanierungen dieser Art. Da die Stadt als Schulaufwandsträger allein zuständig ist für die Sanierung, überlegt man nun in alle Richtungen. „Alles ist in Frage gestellt worden“, so Kiechle zu den Anwesenden und fügte hinzu, dass es eventuell in drei bis vier Jahren zu einem Teilabriss der Lindenbergschule kommen könnte.

Weitere Anliegen der Bürger waren eine Aufhübschung des Engelhaldeparks verbunden mit dem Verbot von wilden Grillplätzen, einer besseren Schneeräumung und einer zuverlässigen und unkomplizierten Bereitstellung von Streugut für den Winter seitens der Stadt Kempten.

Am 11. November wird es in der Pfarrei Sankt Ulrich ein weiteres Bürgergespräch mit dem Oberbürgermeister über die Zukunft Kempten-Ost geben.

Jörg Spielberg

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