Standortdiskussion Rettungshubschrauber

Wo kommt "Christoph 17" hin?

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Durachs Bürgermeister Gerhard Hock (rechts) stellt die am Planungsprozess Beteiligten vor: OPR Carsten Herrmann (Leiter der Fliegerstaffel der Bundespolizei), Wolfgang Klaus (Rettungszweckverband), Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Landrat Anton Klotz, Hannes Sommerauer (2. Bürgermeister in Durach), Andreas Appelt (Planungsbüro Sigma Plan Weimar) Peter Becker (Eignungsuntersuchung) und Dr. Peter Riedel (Lärmgutachter).

Nach drei Jahren war es endlich soweit. Am vergangenen Donnerstag wurde nicht mehr in Kempten über Durach gesprochen, sondern in Durach mit den Duracher Bürgerinnen und Bürgern über Durach.

So wie sich das Bürgermeister Gerhard Hock, Gemeinderäte und die Menschen in Durach schon seit längerer Zeit gewünscht haben. Dass eine solche Informationsveranstal- tung längst überfällig war zeigte das große Interesse von Seiten der Duracher: Zusätzlich zur Mehrzweckhalle musste der Vorraum bestuhlt und Leinwand und Beamer für’s „Public Viewing“ installiert werden. 

Bürgermeister Hock freute sich über das große Interesse und begrüßte neben den Gemeindebürgern und Gemeinderäten auch Notärzte vom Klinikum Kempten, Mitglieder der Hubschrauberbesatzung, Oberbürgermeister und Rettungszweckverbandsvorsitzenden Thomas Kiechle, Landrat Anton Klotz und die am Planungsprozess Beteiligten. In seinen Grußworten betonte Hock die solidarische und hilfsbereite Haltung der Duracher Gemeinderäte, die von Anfang an die vorübergehende Stationierung des Rettungshubschraubers am Duracher Flugplatz unterstützt haben. „Mit der heutigen Informationsveranstaltung sollen Rätselraten und Spekulationen ein Ende haben. Wir müssen zu einer dauerhaften und komplikationslosen Lösung für den Hubschrauberstandort kommen“, so Durachs Bürgermeister. Nicht in Frage komme für die Gemeinde Durach der aktuell diskutierte Standort am Ostrand des Flugplatzgeländes. 

Als erster Referent des Abends kam Wolfgang Klaus, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes, zu Wort. Er erläuterte, dass für alle anfallenden Kosten im Gesundheitswesen die Krankenkassen aufkommen. Und dazu gehörten auch die Ausgaben für die Luftrettung. Im Genehmigungsverfahren gebe es zwei relevante Behörden. Für die luftrechtliche Genehmigung sei das Luftamt Südbayern in München, für die baurechtliche Genehmigung das Landratsamt in Sonthofen zuständig. Den aktuellen Status fasste Klaus folgendermaßen zusammen: „Bis zum heutigen Tag gibt es keinen endgültigen Standort. Derzeit laufen die Vorbereitungen zur Antragsstellung, es ist aber noch kein Antrag eingereicht“. Für welche Standorte letztendlich die luftrechtliche Genehmigung beantragt wird entscheidet die Zweckverbandsversammlung. Im Anschluss an den Geschäftsführer sprach der Vorsitzende des Rettungszweckverbandes, Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, zu den Durachern: „Die finale Entscheidung wird gemeinsam herbeigeführt“. In den vergangenen fünf Jahren sei viel passiert und niemand habe sich vorstellen können, wie schwierig sich die Standortsuche gestalten würde. Einer der Faktoren, der die Standortsuche auch weiterhin schwierig gestalten wird, ist der Faktor Lärm. Als Experte für dieses Thema erläuterte Dr. Peter Riedel die schallschutztechnische Untersuchung des Ver- kehrslandeplatzes (VLP) Durach, die Auswirkungen, die sich durch Start und Landungen des Rettungshubschraubers am östlichen Standort 2 ergeben und die Summe an Lärmemissionen, die durch die beiden Betriebsarten am Flugplatz Durach resultieren. Riedel betonte, dass bei allen Betrachtungen der maximale Schalldruckpegel vom äquivalente Dauerschallpegel (Beurteilungspegel) unterschieden werden muss. Letzterer sei der nach Fluglärmgesetz maßgebliche Wert. Für den Standort 2 kam Riedel zum Ergebnis, dass die Abwägungsschwelle von 50-55 dB(A) nicht überschritten werde und somit lärmschutzrechtlich genehmigungsfähig wäre. 

Andreas Appelt vom Planungsbüro Sigma Plan in Weimar stellte die vier Baufelder am Flugplatz Durach einander gegenüber. Während der Standort 1 (nahe dem derzeitigen Übergangsstandort) und Standort 4 (zwischen Weidacher Straße und Querspange) aus lärmschutzrechtlichen Gründen ausscheiden, gebe es beim Standort 3 (dem von der Gemeinde Durach favorisierten Standort) Probleme beim An- und Abflugverfahren. An Flächenbedarf für Hangar und Freiflächen prognostizierte Appelt 1750 Quadratmeter. 

Vor der Pause kam schließlich der Leiter der Fliegerstaffel der Bundespolizei Carsten Herrmann zu Wort. Grundsätzlich stufte er den Standort Ursulasried als machbar ein – dass das fliegende Personal aber einen Flugplatz mit all seiner vorhandenen Infrastruktur bevor- zuge, dürfe nicht verwundern. 

Nach einer kurzen Pause hatten dann die Duracher das Wort und so wollte Gerhard Greil wissen, welche Einflussmöglichkeiten die Gemeinde Durach habe. Klaus erläuterte, dass die Gemeinde als Träger öffentlicher Belange im anstehenden Genehmigungsverfahren angehört werde. „Warum kann der Rettungshubschrauber nicht auf dem Dach der Klinik stationiert werden“, lautete eine Frage, auf die viele Duracher eine Antwort haben wollten. „Ein Dachstandort hätte einen mehrfachen Millionenaufwand bedeutet und das hätten wir alle zahlen müssen“, entgegnete Landrat Anton Klotz. „5,9 Millionen Euro hat die Luftrettungsstation auf dem Dach des Augsburger Klinikums gekostet – und es ist technisch machbar“, war als Reaktion aus dem Publikum zu vernehmen. 

Gemeinderat Richard Wucherer erkundigte sich ob die bestehende Nachtflugbeschränkung bestehen bleibe. Der Leiter der Fliegerstaffel betonte, dass er sich keinen Nachflugbetrieb vorstellen könne und derzeit auch keine derartigen Überlegungen anstehen. 

Sachlich und objektiv 

Lauten und anhaltenden Beifall verursachte Gemeinderätin Ulrike Finkenzeller mit der Bemerkung: „Wir sitzen nur hier, weil der Kemptener Stadtrat Ursulasried abgelehnt hat!“ – Kemptens Oberbürgermeister versicherte jedoch, dass die Standorte Durach und Ursulasried sachlich und objektiv geprüft werden. Bisher sei noch keine Vorentscheidung gefallen. Uschi Kempin appellierte an die Verantwortlichen des Rettungszweckverbandes, die Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen und spielte darauf an, dass sich viele Duracher vom Planungsprozess ausgeschlossen fühlen. 

Pfarrer Josef Hochenauer beschwor die Verantwortlichen für die Planung, dass auf die Menschen in Durach ebenso Rücksicht genommen werden müsse wie auf die Fußballspieler am Sportplatz Ursulasried und die Anwohner im Norden von Kempten. 

Wenig vertrauenserweckend war der im Anschluss an die Veranstaltung durchgeführte Nachtflug des Leiters der Fliegerstaffel der Bundespolizei.  Michael Schropp

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