Beliebter Szenetreff am Sonntag offiziell wieder eröffnet

Das "Künstler" ist zurück

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Vereins-Vorsitzender Sebastian Kern freut sich über die gelungene Sanierung.

Kempten – Dicht drängten sich die Gäste am Sonntagnachmittag im Künstlerhaus in der Beethovenstraße. Grund für diesen Ansturm war die Wiedereröffnung des Hauses. Die Sozialbau hatte das Gebäude in den vergangenen Monaten saniert.

Dabei blieb der Grundcharakter des Baus erhalten. Im Obergeschoss wurde die Ausstellung „Vollkunst/Kunstvoll“ eröffnet. Diese umfasst insgesamt 220 Gemälde und Skulpturen. Ganze Wände hingen voller Kunstwerke, die sich zahlreiche Betrachter interessiert ansahen. Sie konnten auf einem Zettel ihre Vorschläge für den Publikumspreis abgeben, der bei der Finissage am 31. August verliehen wird. 

Während der Ausstellungseröffnung spielte die Band „Rauch & Hörmann“, die aus zwei Gitarristen und einem Cellisten bestand, feurige Musik. Die offizielle Eröffnungsfeier fand anschließend im Parterre statt. „Ich bin etwas erschlagen von der Masse an Kunstwerken, die hier eingegangen sind, von der Masse an Gästen und von der Hitze“, sagte Sebastian Kern, Vorsitzender des Vereins Künstlerhaus. „Es ist sehr schön geworden hier“, meinte Kern zur Sanierung. Er lobte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der sich sehr stark für das Projekt eingesetzt habe. Netzer war wegen eines anderen Termins entschuldigt. „Ich danke der Sozialbau, da die Grundstruktur des Hauses erhalten wurde.“ 

Kern bedankte sich auch bei den beiden Pächtern des Künstlercafés, Tommy Leibfried und Marc Först, die jeden Tag die Baustelle besichtigt hätten. Die neue Licht- und Tonanlage auf der Bühne sei eine „tolle Sache“, die durch die Mitgliedsbeiträge des Vereins Künstlerhaus und die Stadt finanziert worden sei. „Was hier passieren wird, das habt ihr in der Hand“, betonte Sebastian Kern.

 Freude bei Mayr 

„Vielen hier im Raum geht es vermutlich wie mir. Es ist das erste Mal, dass ich nach Sanierung und Umbau eines Gebäudes zur Eröffnung gehe mit der Hoffnung, dass sich nicht viel verändert hat – zumindest nicht nach außen hin“, erklärte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). Das gelte nicht für alle Bereiche. „Bei den Toiletten beispielsweise sehnt sich wohl niemand nach dem früheren Zustand zurück.“ Manche würden sagen, dass Einzelhandel anstelle des Künstlerhauses besser gewesen wäre, da dies eine viel höhere Rendite abgeworfen hätte. „Zwar müssen auch wir als Stadt sehr genau auf die wirtschaftliche Seite jedes Projekts achten, aber unsere oberste Handlungsmaxime ist eben nicht die Rendite, sondern das Gemeinwohl“, so Mayr. Das Thema soziokulturelle Ideenvielfalt gehöre in die Mitte der Stadt und nicht an den Rand. „Ich freue mich außerordentlich, dass es gelungen ist, dieses Projekt gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern zusammen mit der Sozialbau zu verwirklichen“, so Josef Mayr. Alle seien gespannt, wie die Geschichte des 140 Jahre alten Hauses weitergehe. 

„Ich brachte einen Hut mit, um ihn dann auch ziehen zu können vor der Leistung derer, die hier mitgemacht haben“, sagte Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau. Er sei den Stadträten dankbar, die die Sozialkultur, die im Künstlerhaus lebe, ermöglicht hätten. „Wir haben uns aufeinander zubewegt. Ich mit meinem Zweitagebart, Sie haben gelernt, pünktlich zu Terminen zu erscheinen“, meinte Singer zum Vorstand des Vereins Künstlerhaus und den beiden Pächtern. „Den letzten Anstrich kriegen Sie selber noch hin, sodass das Künstlerhaus lebt.“ 

Bildung stärken 

Professor Dr. Wolfgang Zacharias, Vorsitzender des Landesvereins für kulturelle Bildung, berichtete, dass das beliebte Kemptener Künstlerhaus kürzlich in diesen Verband aufgenommen worden sei. Aufgabe des Landesvereins sei es, Kultur und Leben eng miteinander zu verbinden sowie die kulturelle Bildung zu stärken. „Bürger haben ein Recht auf Kultur“, so Zacharias. „Jetzt ist eröffnet euer Haus, unser Haus, machen wir was draus“, reimte Stephan A. Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Kemptener Vereins Künstlerhaus, am Ende der Veranstaltung.

Franziska Kampfrath

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