Mit einer Ausstellung im Rathaus feiert Kempten 50 Jahre Freundschaft mit Frankreich

Stück für Stück für Europa

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Bürgermeisterin Sibylle Knott weißt auf die friedensstiftende Wirkung des Élysée-Vertrages hin, der einen Schlussstrich unter die „Erbfeindschaft” zog.

Kempten – Anlässlich der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages im Jahre 1963 wird im Kemptener Rathaus derzeit die Ausstellung „50 Jahre Élysée-Vertrag” gezeigt. Am Freitagabend fand die Eröffnung statt.

In drei Kriegen in den Jahren 1870/71, 1914-1918 und 1939-1945 lagen sich Deutsche und Franzosen in Schützengräben in tiefer Feindschaft unversöhnlich gegenüber. Für die einen waren die anderen „biertrinkende Barbaren”, die sie dem Schimpfwort „Boche” belegten, für die anderen galt das militaristische Prinzip „jeder Stoß ein Franzos”. Nach einer kurzen Zeit gegenseitigen Des-intresses nach Kriegsende fanden diese beiden großen europäischen Nationen dann doch in den späten 50er Jah-ren des letzten Jahrhunderts zueinander. Diese Entwicklung mündete 1963 in der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages zwischen den damaligen ersten westdeutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle. 

Ziel des Vertrages war es zu einer Besiegelung der deutsch-französischen Aussöhnung zu kommen und mit der Förderung eines gemeinsamen Europas zu be- ginnen. „Immer dann, wenn sich die beiden Staatsoberhäupter auch persönlich mochten, ging es mit der deutsch-französischen Freundschaft ein Stück weiter”, so Petra Le Meledo-Heinzelmann, Vorsitzende des Freundschaftskreises Partnerstädte Kempten, in Ihrer Begrüßungsansprache am Freitagabend bei der Eröffnung der Ausstellung „50 Jahre Élysée-Vertrag” im Foyer des Verwaltungsgebäudes des Rathauses. Die ebenfalls Grußworte aussprechende Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) bemühte Johann Wolfgang von Goethe, indem sie den deutschen Romantiker mit seinen Worten zitierte: „Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 Jahren ab.” Knott, ebenso wie Petra Le Meledo-Heinzelmann, wollten damit auf die Tatsache hinweisen, dass auch nachfolgenden Generationen die deutsch-französische Freundschaft ans Herz zu legen ist. Dies geschieht heute vielfach über Schüleraustauschprogramme, die über die rund 2200 deutsch-französischen Städtepartnerschaften vollzogen werden. Aber auch das Deutsch-Französische Jugendwerk bemüht sich um eine Vertiefung der Beziehung zwischen deutschen und französischen Jugendlichen. 

Seit 1971 Partner 

 Eine französische Partnerstadt erhielt Kempten im Jahre 1971, als im Zuge der Gebietsreform St.-Mang dem Stadtgebiet zugesprochen wurde und somit Kempten auch gleichzeitig die damals schon bestehende Partnerschaft St.-Mangs zu Quiberon übernahm. Das kleine Städtchen Quiberon mit seinen rund 5200 Einwohnern liegt in der südlichen Bretagne. Mit ihren zahlreichen Sandstränden und Wassersportmöglichkeiten ist die 1300 Kilometer entfernte Partnerstadt ein beliebter Bade- und Ferienort. Neben der detaillierten Erläuterung zum Inhalt des Élysée-Vertrages auf Schautafeln widmet sich die Wanderausstellung insbesondere dieser Städtepartnerschaft zwischen der Allgäu-Metropole und dem beliebten französischen Badeort. 

 Die Vorsitzende des Freundschaftskreises Partnerstädte Kempten verwies am Ende ihrer Grußworte noch auf einige Veranstaltungen ihres Vereins. Am 18./19. und 20.Oktober wird im Haus International jeweils um 19 Uhr das Jugendtheaterstück „DÉJÀVU” aufgeführt. In der Adventszeit wird es am 7. Dezember an gleicher Stelle eine musikalische Lesung in den drei Sprachen Deutsch-Französisch-Ungarisch geben. Am Ende bat Petra Le Meledo-Heinzelmann die geladenen Gäste die Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen des Élysée-Vertrages auch Kemptener Schulklassen zu empfehlen, zeigt doch eine Grafik auf einer der Schautafeln: für 86 Prozent der Franzosen gehören die Deutschen zu den eher weniger beliebten Nachbarn. Wie gut, dass es am 10. Dezember dann noch den französischen Filmklassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot” im Haus International in der Poststraße zu sehen gibt. Denn Lachen verbindet.

Jörg Spielberg

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