Bund Naturschutz Ortsgruppe Sulzberg diskutiert mit Revierförster

Wald nutzen oder schützen?

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Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag „Unser Wald – Nutzen und/oder Schützen?“ von Revierförster Volker Schulz (2.v.r.) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Kempten bei der Ortsgruppe des Bund Naturschutz Sulzberg mit ihrem Vorsitzenden Johann Sontheim (re.).

Sulzberg – Zu dem bewusst kritischen Titel „Unser Wald – Nutzen oder Schützen“ hatte die Ortsgruppe Sulzberg des Bund Naturschutz zu ihrer Jahreshauptversammlung in den Gasthof Zum Hirsch nach Sulzberg eingeladen. Neben den üblichen Tagesordnungspunkten einer JHV wie Begrüßung der Mitglieder, dem Kassenbericht, der Entlastung des Vorstandes und der Rubrik Verschiedenes war heuer als Gastredner der zuständige Revierförster Volker Schulz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Versammlung eingeladen.

Dieser befasste sich in seinem rund einstündigen Fachvortrag mit einer Bestandsaufnahme der Besitzverhältnisse kommunaler Wälder und gab zugleich einen Überblick über die finanziellen Anreize, mit denen private Waldbesitzer rechnen können, wenn sie sich für eine Waldverjüngung und zu mehr Baumartenreichtum in ihren Wäldern entscheiden. Neben dem Staats-, Bundes- und Körperschaftswald, die einer rechtlich vorbildlichen Bewirtschaft unterliegen, sind rund 60 Prozent der Wälder in Bayern in privater Hand. Diese Privatwälder obliegen einer nur sachgemäßen Bewirtschaftung. Das Land Schwaben verfügt über rund 28 Prozent Waldfläche, von der mehr als die Hälfte in privater Hand liegt. Dieser Anteil privaten Waldbesitzes splittet sich auf in eine hohe Zahl von Waldbesitzern. Allein in Sulzberg mit seinem nur 520 Hektar großen 14 prozentigen Anteil Wald an der Gesamtfläche der Marktgemeinde, gibt es rund 440 Waldbesitzer. Von diesen bewirtschaften rund 98 Prozent nur eine Waldfläche von unter 20 Hektar. Diese Besitzzersplitterung begründet sich aus geltendem Erbrecht. Außer in Oberbayern werden Waldflächen in Bayern an alle Nachkommen gleich vererbt. Nur in Oberbayern erhält der zuerst geborene Sohn den gesamten Waldbesitz und ist verpflichtet Geschwister auszuzahlen. Bei der Art der Vererbung von Waldbesitz zu gleichen Anteilen an Nachkommen in den anderen Regierungsbezirken kommt es zu einer fortlaufenden Besitzzersplitterung.

Auf diesen komplizierten Sachverhalt ging der Gastdozent und zuständige Revierförster Volker Schulz ein: „Bei einer solchen Zersplitterung des Waldbesitzes haben sie folglich sehr viele Ansprechpartner, die wir bei Maßnahmen wie der Waldverjüngung oder der Anpflanzung anderer Baumarten als der dominierenden Fichte einzeln überzeugen müssen.“ Auf eben diese Ziele, die im Einvernehmen mit der bayerischen Staatsregierung, dem bayerischen Bauernverband und der bayerischen Waldbesitzervereinigung in punkto Waldverjüngung beschlossen wurden, kam Schulz im folgenden zu sprechen. Bayern als waldreichstes Bundesland und als Exporteur des Rohstoffes Holz möchte zukünftig seine bestehenden Wälder verjüngen und die Baumartenpalette erweitern. Während es keine finanzielle Förderung für die Anpflanzung der Fichte geben wird, wird der private Waldbesitzer dann unterstützt, wenn er auf seinen Waldflächen Edelhölzer wie Esche und Bergahorn, Weißtannne oder Buche anpflanzt. Auch wird von Seiten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten derjenige Waldbesitzer gefördert, der seine Waldverjüngung nicht durch einen Kahlschlag erwirkt, sondern behutsam eine langfristig angelegte Waldverjüngung betreibt.

Zu all diesen Punkten gab es während des Vortrages Zwischenfragen und Anmerkungen der Mitglieder des „Bund Naturschutz“ der Ortsgruppe Sulzberg. Diese wollten u.a. wissen, wie und ob die Waldverjüngung und Baumartendurchmischung seitens des Amtes kontrolliert wird, ob bei der Unkrautbekämpfung chemische Mittel zum Einsatz kommen und ob der Verdichtung des Waldbodens durch den Einsatz schweren Geräts in den Wäldern nicht besser entgegengewirkt werden kann.

Nach dem Vortrag ging es dann unter Anwesenheit von rund 25 Mitgliedern und Gästen, darunter Sulzbergs Altbürgermeister Günter Steinle und der Kreisvorsitzenden des „Bund Naturschutz“ Christine Speer, um die Abarbeitung der einzelnen Tagesordnungspunkte.

Der Vorsitzende Johann Sontheim berichtete den Mitgliedern vom Jahr 2015. Als Folge einer gemeinsamen Veranstaltung zu den Freihandelsabkommen mit BDM, BBV und Imkern wurde u.a. ein Antrag für eine Resolution an den Marktgemeinderat gestellt, der zunächst abgelehnt, dann aber vom Bayerischen Städte- und Gemeindetag verabschiedet wurde. Im Jahr 2015 wurden Fotos von Bäumen im Gemeindegebiet erstellt, es gab einen Ausflug ins Straussbergmoos und es wurde Biotoppflege durchgeführt.

Freuen konnte sich die Ortsgruppe Sulzberg über einen Zuwachs von rund 20 neuen Mitgliedern im Jahr 2015. Nach dem Jahresrückblick verlas Speer den Bericht zur Kassenprüfung, im Ergebnis wurde der gesamte Vorstand ohne Gegenstimme entlastet.

Jörg Spielberg

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