Bundesgesundheitsminister sieht Handlungsfelder

Naturheilkunde oder Allopathie?

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Am Ende noch ein kurzer Austausch mit den Gästen beim Fachgespräch: (v.li.) Apotheker Dietmar Wolz, Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, MdB, und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Kempten – Ein etwas eng getakteter Folgetermin in Oberstaufen ließ den Besuch des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe in der Bahnhof-Apotheke fast zu einer Stippvisite schmelzen. Zum Bedauern mancher Zuhörer im vollbesetzten Vortragssaal der Apotheke, deren Fragen am Ende ungestellt bleiben mussten.

Federn lassen musste aus Zeitnot auch der geplante Rundgang durch die neuen Räume der Bahnhof-Apotheke, in denen unter anderem die Eigenherstellung von Naturheilmitteln stattfindet, der eher einem „Durchrauschen“ glich, um Zeit für den anschließenden Vortrag des Ministers gut zu machen. Gekommen war er zusammen mit seinem Kabinettskollegen und Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, der die Idee für den gemeinsamen Besuch in der – auch wegen der von Ingeborg Stadelmann entwickelten Aromatherapie-Produkte rund um Schwangerschaft und Stillzeit – „wohl bekanntesten Apotheke Deutschlands“ gehabt hatte.

„Medizin und Apotheke der Zukunft“ lautete das Thema, das Gröhe nutzte, um auf das Problem der wachsenden Antibiotikaresistenzen hinzuwiesen. Ein Problem nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch in der Tierhaltung. Sollten wir wegen der fortschreitenden Unwirksamkeit ins „Vor-Penicillin-Zeitalter“ zurückgeworfen werden, „haben wir ein Problem“, warnte er vor leichtfertiger Einnahme und Verschreibung.

Ein Anliegen war ihm der Erhalt einer flächendeckenden Versorgung mit Ärzten und ortsnaher Apotheken. Letztere würden für viele Leistungen, wie beispielsweise das Anfertigen von Standardrezepturen, bei der sich die Pharmaindustrie aus der Verantwortung ziehe, schlecht vergütet. Hier hielt er eine „höhere Beratungspauschale“ für angebracht, wies aber auch darauf hin, dass es immer eine Balance geben müsse, „zwischen Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit“. Eine „Riesenherausforderung“ sah er darin, „Menschen zu bewegen“, Pflegeberufe zu ergreifen.

Auf offene Ohren stießen Stadelmann und Wolz bei dem Minister mit ihrem Wunsch nach Verbesserungen in der Naturheilkunde von Teemischungen und Phytotherapeutike über Homöopathika bis zu Aromamischungen.

Im Bereich der Komplementärmedizin brauche es noch mehr nachweislichen Nutzen, ging Gröhe auf die Frage einer Zuhörerin ein. Da sei aber „schon viel auf dem Weg. „Sogar „der letzte Nobelpreis basiert auf TCM“, betonte er. Die von einem Arzt vorgebrachte Kritik an der „Demontage der Hausärzte“, wollte Gröhe so nicht gelten lassen. „In Deutschland wird zurecht gute Arbeit gut bezahlt“ und die Liste derer, „die Medizin studieren wollen, wäre nicht so lang“, wenn die Bezahlung so schlecht wäre, meinte er. Was den Mangel an Ärzten und Hebammen „im Außenbereich“ betrifft, sah er dagegen Bedarf dafür, sich das Honorar „doch nochmal anzuschauen“.

Christine Tröger

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