Nostalgische Bustour und Film über den letzten Gang des Streckengehers Waller

Allgäuer und ihre Mentalität voll erfasst

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Stopp in Hellengerst, einem der Bahnhöfe an dem damals gedreht wurde. Christian Wagner erklärt die Umstände der Dreharbeiten.

Isny – Als am 6. Oktober 1987 Christian Wagner den Film „Wallers letzter Gang“ zu drehen begann und mit der „Low Budget“ Produktion das Ende einer Ära aufzeichnete, tickte die Welt noch beachtlich anders. Handys? – Gab es noch nicht. Fax und Telefon? – waren noch im Urzustand. Regisseure und Produzenten? – Waren irgendwelche Mogule zwischen Geiselgasteig und Hollywood. Und dann im Allgäu einen Film drehen? Mit Cristian Wagner als Regisseur und nach Motiven des Romans „Die Stecke“ von Gerhard Köpf kein Problem.

Es war in der Mitte der Achtziger ein „normaler Gang“, dass Strecken der Bahn aus dem Netz genommen wurden und ganze Regionen auf die Busse umsteigen mussten. Das war der Strecke Isny-Kempten eben auch passiert. Was Christian Wagner mit seinem Team damals daraus machte, war reif Filmgeschichte zu schreiben und wenn dieser Epos jetzt digitalisiert und aufbereitet wieder in die Kinos kommt, ist es ein kluger Schachzug. Wie aber bringt man so einen einfühlsamen und gestalterisch wertvollen Film unter die Leute? Indem man die Medien mit einbezieht und Presse wie auch Fernsehen mit auf diese Zeitreise nimmt.

Kürzlich standen zwei nostalgische Busse vor dem Kino in Isny und luden die teilweise weit angereisten Gäste zu einer Reise zu den einzelnen Drehorten und wichtigen Stellen des Films ein. Christian Wagner als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent und der ebenfalls angereiste Produzent Jürgen Tröster, assistiert von der damaligen Innenrequisiteurin Cornelia Beßler, hatten während der Fahrt die Moderation übernommen und immer wieder mit kleinen Geschichten aus der Drehzeit die richtige Einstellung zu dem Film vermitteln können. Komisch – es waren eigentlich wenige dabei, denen das Stilllegen der Bahn noch ein wehmütiges Gefühl vermittelte. Und das in einer Zeit, wo Bahnen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Über Seltmans, Weitnau, Hellengerst, Großholzleute und bis nach Urlau ging es mit den Oldtimerbussen und dort, bei Kässpätzle und Salat, wurden die letzten Fragen beantwortet.

Mit einer minimalen Verspätung landeten die Gäste dann im Isnyer Filmtheater und fast hundert Minuten Film versetzte sie in eine Welt, die nur scheinbar nichts mit der Jetztzeit zu tun hat. Genau wie hier dargestellt sind doch die Allgäuer: meist etwas wortkarg ihr jeweiliges Schicksal tragend, hanebüchen und scheinbar trocken, aber innen immer wieder mal fast poetisch, stur und geradlinig, eigenbrödlerisch und meist ungebrochen, herzensgut, wenn man sie erreicht und die scheinbar harte Schale knackt. Wie der Schreiber nun zu diesen Formulierungen kommt? – Sehen sie sich den Film in 4K Qualität und sorgsam restauriert einfach mal an. Da finden sie ein Stück der Allgäuer Seele, aber sie müssen geduldig und sorgfältig schauen.

Die nostalgische Busfahrt wird wiederholt. Dann ist das Kino in Leutkirch Start und Ziel am 29. Oktober (13 Uhr). Ansprechpartnerin: Simone Zehnpfennig Tel. 0831/57537-37.

Manfred Schubert

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