Canossa-Gang im Rathaus

Einen dicken Brocken hatte der Haupt- und Finanzausschuss in seiner letzten Sitzung zu schlucken: 490 000 Euro sollen die Baumaßnahmen für Sankt Mangplatz und Erasmuskapelle mehr verschlingen als geplant, was die Gesamtkosten auf 2,77 Millionen Euro in die Höhe treibt. Die Hauptschuld trage, so Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann, das Regensburger Architekturbüro, das, „für uns nicht durchschaubar“, eine fehlerhafte und unvollständige Kalkulation sowie Kostenfortschreibung für die Projektsteuerung vorgelegt habe. Fehler räumte Baureferentin Monika Beltinger aber auch seitens der Bauverwaltung ein, bedingt durch den „hohen Zeitdruck“ und auch, weil „kaum Erfahrungswerte“ für Sonderbauten dieser Art vorhanden seien.

„Tiefer Planen“ und „früher mit dem Controlling ansetzen“, zog sie daraus als „Lehre“. Allerdings wären „die Kostensteigerungen nicht vermeidbar gewesen“, stellte sie auch klar. Als weitere Kostentreiber listete Wiedemann „nicht vorhersehbare“ Ausgaben für den Schauraum Erasmuskapelle in Höhe von 240 000 Euro, zum Beispiel für ein Arbeitszelt, das zwei Winter lang zum Schutz der Mauern benötigt worden sei, eine Treppenraupe für Behinderte oder, als „großer Brocken“, die Sicherung der Kapellenmauern im Untergrund. Auch bei der Platzgestaltung müsse schon wegen der baulichen Umplanungen tiefer in die Tasche gegriffen werden. Das von Alexander Hold (FW) beantragte Häuschen im Eingangsbereich fällt dagegen offenbar nicht wesentlich ins Gewicht. Ferner addierten sich viele kleinere Posten wie der Abgang mit Bronzeplatte und Bänderung mit 50 000 Euro Mehrkosten oder der 2008 in der Planung noch nicht enthaltene Versorgungsplan für Stromleitungen, Wasseranschlüsse und ähnliches mit zusätzlichen 40 000 Euro. Höher würden auch die jährlichen Betriebskosten ausfallen, die aufgrund der Wartung für das Ticketsystem statt der geschätzten 15 000 Euro auf 18 000 ansteigen würden. Und schließlich hätten sich die ursprünglich mit 200 000 Euro angesetzten Kosten für die Archäologischen Grabungen um 70 000 Euro erhöht. Bei Sondergrabungen, erklärte Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber die Kostensteigerung, seien „Gräber gefunden worden, wo wir keine vermuteten“. Dadurch habe sich die Zahl von vermuteten 100 auf rund 700 Gräber erhöht. Aufgefangen werden sollen die Mehrkosten laut Wiedemann über „diverse Deckungsmittel aus anderen Maßnahmen“. Da der Planungsstand für ein Parkhaus am Bahnhof noch nicht so weit sei, würden die dafür vorgesehenen 240 000 Euro zugunsten Erasmuskapelle umgebucht. Durch weitere Umbuchungsposten heuer geplanter, aber nicht benötigter Mittel wie der Umbau von Café Arte und Foyer im Allgäu Museum (47 000 Euro), konnte er die Deckung des Fehlbetrages verkünden. Zuschüsse für die Erasmuskapelle wie aus dem Konjunkturpaket II oder der Sparkassenstiftung, in Höhe von 520 000 Euro und 300 000 Euro aus der Städtebauförderung für die Platzgestaltung konnte er ebenfalls vermelden. Von einem „Fehler“ sprach auch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der betonte, dass „diese Mehrkosten nicht unserem Anspruch von Kostenklarheit entsprechen“. Widerstandslos nickten die Ausschussmitglieder den Mehraufwand schließlich ab. Das Fehler einräumende Verhaltende von Stadtchef und Bauverwaltung hatte offensichtlich Wirkung gezeigt. Oder wie Elisabeth Brock (Frauenliste) es formulierte: „Selbstkritik funktioniert einfach immer, das nimmt die Luft raus“.

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