Dachser-CEO Bernhard Simon: "Palettenschieber" mit Verantwortungsbewusstsein

Suche nach dem kontrollierten Abenteuer

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Auf dem „Bunten Sofa“ sprach Dachser-CEO Bernhard Simon über Verantwortung und Parallelen in der Wirtschaft und Entwicklungsarbeit.

Kempten – Das Interesse, über den Tellerrand – respektive über die Grenzen des Allgäus – hinauszublicken und wohl auch der Pioniergeist wurden bei Bernhard Simon, CEO des Logistikdienstleisters Dachser, schon früh gelegt, möglicherweise ja schon in den Genen.

Da ist einmal der Firmenchef Bernhard Simon, dessen Großvater die Firma Dachser mitten in der Wirtschaftskrise 1930 mit dem Transport von Käse ins Rheinland begründet hat. Heute arbeiten über 26.000 in 43 Ländern für das mit einem Jahresumsatz von rund 5,6 Milliarde n Euro florierende Unternehmen mit Hauptsitz in Kempten. Den Blick über das Allgäu hinaus habe sein Vater erstmals gewagt, erzählt der Vielgereiste CEO auf dem Bunten Sofa im Haus International (HI), auf das ihn HI-Geschäftsführer Lajos Fischer zum Thema „Verantwortung übernehmen – Verantwortung teilen – Parallelen aus der Entwicklungshilfe und Wirtschaft“ eingeladen hat.

Schon in der Schulzeit, die er dank eines Schüleraustausches zum Teil in Israel verbracht habe, habe er erlebt, dass es „viele Heimaten“ gebe. Der Einstieg ins Unternehmen nach einer Ausbildung zum Speditionskaufmann und Betriebswirtschaftsstudium führte ihn durch verschiedene Positionen und Standorte, unter anderem in Frankreich – zur Zeit der Öffnungen und „unserer wunderbaren Europäischen Union“ neben Deutschland einer der beiden „essentiellen Schlüsselmärkte“. Trotz der Größe des nach wie vor Familienunternehmens sieht der 56-Jährige, der sich selbst humorvoll auch mal als „Palettenschieber“ bezeichnet, den Einfluss der Familie darin ungebrochen. „Was uns als Familie wichtig ist, wird jeden Tag im Unternehmen spürbar“, wie auch die Werte innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben würden. Als Stress empfindet er seinen zeitintensiven Job jedenfalls nicht, wie er betont. Dagegen huscht ein Lächeln über sein Gesicht, als sein Gesprächspartner Fischer sein einmal selbstbekundetes Faible für das „kontrollierte Abenteuer“ anspricht. Das reizt ihn offensichtlich nicht nur als Unternehmer, als der er natürlich immer im Auge behalten müsse, „wie groß das Risiko ist“, sondern auch als Privatmann, zum Beispiel wenn er Grenzerfahrungen sammelt und mit Freunden quer durch Island joggt. Einst hatte er sich nach dem Studium auch nicht für den naheliegenden, geraden Lebensweg entschieden. Statt dessen ging er mit seiner heutigen Ehefrau nach Brasilien, um ein spezielles Schul-Projekt hochzuziehen. Erfahrungen hatten beide während ihrer Studienzeit bereits als aktive Mitglieder von „terre des hommes“ (tdh) gesammelt. Ein spannender Aspekt sei dabei gewesen, „wie kann man Vertrauen herstellen zwischen Institutionen, die solche berufsbildenden Schulen unterstützen?“ Offenbar war es eine Lebensphase mit Folgen. Nach einem ersten Projekt im indischen Staat Uttar Pradesh engagiert sich Dachser – immer in Zusammenarbeit mit tdh – inzwischen auch in weiteren Projekten in Indien sowie in Nepal, Brasilien und Namibia. Wert legt er auf die Unterscheidung von Entwicklungspolitik oder –hilfe und der von Dachser betriebenen Entwicklungspartnerschaften, „Graswurzelprojekte“ auf Augenhöhe, bei denen mit den Menschen vor Ort über ihre Bedürfnisse geredet werde. „Der Weg ist das Ziel“, machte er den Ansatz deutlich, aber die Projekte bräuchten auch „harte“ und validierbare Ziele.

„Können wir es schaffen, dass Flüchtlinge bei uns eine Heimat finden?“, will Fischer von ihm wissen. Für einen, der an vielen Orten der Erde nach eigenem bekunden eine Heimat gefunden hat, weil er dort Menschen gefunden habe, mit denen er sich wohl fühle, ist die Antwort klar. Aber „es wird eine Zeit lang dauern“ und es sei nötig sich auf die Kultur einzulassen und auch die Sprache zu lernen. Im Unternehmen seien aktuell 56 Flüchtlinge beschäftigt, manche „klasse integriert“, manche hätten noch Probleme mit der Sprache. Dass Deutschland die Herausforderung bewältigen wird und durch die Flüchtlinge auch viel schneller voran komme, steht für ihn außer Frage. Denn die Globalisierung komme, ob wir „Gartenzäune hochziehen“ oder nicht. Auch die fremdenfeindliche Haltung in immer mehr Ländern sieht er vor allem als Kommunikationsproblem. „Die jetzige Situation sollte uns nicht verängstigen“, sondern „einladen Wege der Kommunikation zu finden“, ermahnte er. Friede sei nicht von allein gegeben. Leider sei es heute häufig so, „dass Minderheiten Mehrheiten schaffen“, weil viele wahlmüde seien und wir die Fähigkeit verloren hätten zu kommunizieren.

In Zusammenarbeit mit tdh veranstaltet DACHSER am Sonntag, 20. November, den Aktionstag „Kindern Mut schenken“ im Theater in Kempten (TIK) mit Gesprächen, Indischem Essen und Aufführungen des Theaterstückes „Malala – Mädchen mit Buch“ bei freiem Eintritt. Infos unter www.theaterinkempten.de.

Christine Tröger

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