"Dann weiß man, dass man im Osten ist"

Gleich zwei Premieren gab es am Mittwochabend im Haus Hochland zu bestaunen: Zum ersten Mal veranstalteten die CSU-Kreisverbände Kempten und Oberallgäu ihren politischen Aschermittwoch gemeinsam. Zum anderen ging es erstmals nicht nur um politisches Gepolter und Blasmusik – mit dem Ballonentertainer Tobias van Deisen war beim „größten Stammtisch im Allgäu“ für ein Rahmenprogramm gesorgt, das den Saal zum Toben brachte.

Getreu dem bekannten Motto „Stadt und Land, Hand in Hand“ hatten beide Kreisverbände zu ihrem ersten gemeinsamen politischen Aschermittwoch geladen. Während sich der Kemptener Kreisvorsitzende Thomas Kreuzer vor gut 200 Zuhörern bayerischen Themen annahm, streifte sein Oberallgäuer Kollege Joachim Konrad durch die Bundespolitik. Vor allem gegen die „Freibierstrategie des Sozialismus“ und für ein starkes und eigenständiges Bayern sprach sich Thomas Kreuzer aus. Der ungerechten Rolle Bayerns als Zahlmeister der Nation müsse ein Ende gesetzt werden, forderte er. So zahle der Freistaat beispielsweise 3,4 Milliarden Euro in den Länderfinanzausgleich, aus dem allein Berlin 2,9 Milliarden bekomme. Kein Wunder, dass dort auf Studien- und Kindergartengebühren verzichtet werden könne. „Wir Bayern können uns das nicht leisten“, schimpfte er. „Wir werden fürs Sparen bestraft. Aber wir werden darauf drängen, dass sich das ändert.“ Nur die CSU habe die Kraft, bayerische Interessen zu vertreten. Die gleiche Ungerechtigkeit sei bei Hartz IV zu beobachten. Während in Bayern 3,7 Propzent der Bevölkerung Hartz IV beziehen, seien es in Berlin 16,7 Prozent. Eine mögliche Anhebung der Regelsätze müsste also sehr differenziert betrachtet werden, forderte Kreuzer, und dürfe nicht zu Lasten Bayerns geschehen. „Ich bin nicht bereit, die Menschen hier noch weiter zu belasten, um nur noch mehr Umverteilung zu erreichen.“ Dafür stehe vor allem die CSU mit ihrem Weltbild. „Einer der arbeitet, muss mehr verdienen als der, der nichts arbeitet“, so Kreuzer. SPD, Grüne und Linkspartei wollten dagegen nur „Gleichmacherei“. „Aber wir wollen keine Gleichmacherei, sondern Gerechtigkeit.“ Erschwert werde die Arbeit derzeit allerdings durch den BayernLB-Skandal. „Ohne Vorverurteilung, aber auch ohne Persilschein“ will Kreuzer die Affäre aufklären, kündigte er an. Trotzdem sei Bayern im Gegensatz zu rot-grün regierten Ländern weiterhin in jeder Hinsicht „absolutes Top-Land“. „Nirgends geht es den Menschen so gut wie hier“, betonte er. „Und wir werden alles dafür tun, dass Bayern vorne bleibt.“ Wiederaufbau West Der Oberallgäuer Kreisvorsitzende Joachim Konrad machte bei seinem kritischen Streifzug durch die Bundespolitik auch vor den eigenen Reihen nicht halt: „Wir haben eine Kanzlerin, die nicht führt, einen Außenminister, der sich aufführt, und eine Opposition, die das Volk verführt“, klagte er. Allerdings habe Außenminister Westerwelle in einem Punkt recht: „Dass zu lange über die Empfänger und zu wenig über die Leistungserbringer gesprochen wurde.“ Bei den Themen Schuldenfreier Haushalt und Gesundheitspolitik rieb sich Konrad ebenfalls mit Lust und unter viel Applaus am Koalitionspartner. „Die von der FDP geforderte Kopfpauschale dürfen wir nicht mitmachen“, forderte er beispielsweise. Wie Kreuzer übte auch Konrad Kritik an Länderfinanzausgleich und Solidaritätszuschlag. „Sobald es dreispurig wird und nicht mehr holpert, weiß man, dass man im Osten ist“, polterte er. „Es ist Zeit für ein Wiederaufbau- und Sanierungsprogramm West.“ Kein gutes Haar ließ der junge Kreisvorsitzende an der Afghanistan-Politik der Bundesregierung. „Wenn der Bundestag nicht in der Lage ist, Antworten auf Fragen wie mangelnde Ausrüstung oder fehlende Rechtssicherheit zu finden, dann soll er unsere Soldaten heim holen – und zwar sofort“, appellierte Konrad unter dem Beifall der Anwesenden.

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