Darmkrebs ist heilbar

Facharzt und Chirurg Dr. Christian Hart (rechts) informiert seine Zuhörerschaft zum Thema „Darmkrebs – Eine heilbare Erkrankung.“ Foto: Spielberg

Im Rahmen des „Forum Gesundheit“ gab es vergangene Woche im Klinikum Kempten-Oberallgäu einen Vortrag zum Thema: „Darmkrebs – eine heilbare Erkrankung!“ Vorgetragen wurde das rund einstündige Referat von Dr. Christian Hart, Facharzt für Viszeralchirurgie und Ansprechpartner im Darm-Zentrum Kempten Allgäu als Teil des Klinikum Kempten/Oberallgäu.

Circa 75 000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Darmkrebs. Fast 50 Prozent haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Absiedlungen in den Lymphknoten, der Leber oder der Lunge. Damit sinken die Heilungschancen drastisch. Nach fünf Jahren leben statistisch betrachtet dann statt 90 Prozent nur noch etwa 35 Prozent. Dr. Hart betonte daher mehrfach, wie wichtig es ist, den Darmkrebs schon in frühem Stadium zu erfassen. Da bis zu acht Jahre vergehen, bis aus einem Polypen eine Darmkrebs geworden ist, kommt hier der vorsorgenden Darmspiegelung eine zentrale Rolle zu. Diese wird von den Krankenkassen im Rahmen der Krebsvorsorge ab dem 55. Lebensjahr regelhaft übernommen. Da Darmkrebs eine Erkrankung ist, deren mittleres Er-krankungsalter bei circa 70 Jahren liegt, kann mit der Krebsvorsorge ab Mitte 50 einer fortgeschrittenen Darmkrebserkrankung wirksam vorgebeugt werden. Allerdings kann ein bösartiger Darmtumor auch bereits in jüngeren Jahren auftreten. In diesen Fällen liegt nicht selten eine familiäre Häufung oder sogar ein nachweisbarer genetischer Defekt zugrunde. Die dafür notwendige Diagnostik kann im Darm-Zentrum Kempten Allgäu vollständig gemacht werden. Liegt ein derartiger Defekt vor, bietet das Darm-Zentrum eine spezielle Sprechstunde mit humangenetischer Beratung an. Was geschieht, wenn der Patient die erst einmal die niederschmetternde Diagnose Darmkrebs erhält? Zu Beginn werden eingehende Untersuchungen am Patienten vorgenommen, um das Stadium der Erkrankung abschätzen zu können. In jedem Fall sollte eine Computertomographie der Bauchhöhle und Röntgenaufnahmen der Lunge erfolgen, sowie die sogenannten Tumormarker im Blut bestimmt werden. Das Ärzte-Team möchte somit sichergehen, dass der Primärtumor keine Metastasen in Leber und Lunge gebildet hat. Das Darmgewebe ist mit den Gefäßen und Lymphbahnen eng vernetzt, diese dienen dem Tumor leider allzu oft als „Autobahnen“ in andere Körperregionen. Konzept wird erarbeitet Nach Abschluss der Diagnostik wird ein Behandlungskonzept erarbeitet, das aus bis zu drei Säulen bestehen kann: Operation, Chemo- und Strahlentherapie. Eine Operation ist in den allermeisten Fällen unumgänglich, während die Entscheidung zu Chemo- und/ oder Strahlentherapie abhängig von Tumorlokalisation und –stadium ist. Die Operation erfolgt in den meisten Fällen über einen Bauchschnitt, kann aber auch eine „Schlüsselloch-Operation“ sein. War in den 80er Jahren die Anlage eines dauerhaften, künstlichen Darmausgangs insbesondere bei Mastdarmtumoren noch die Regel, wird ein künstlicher Ausgang heutzutage deutlich seltener angewandt. Bei Dickdarmtumoren ist dieser überhaupt nicht erforderlich, im Rahmen einer Mastdarm-Operation in etwa der Hälfte der Fälle für einen begrenzten Zeitraum von etwa drei Monaten. Am Ende seines Referats kam der Viszeralchirurg vom Klinikum Kempten-Oberallgäu auf die Neustrukturierung der behandelnden Ärzteschaft im Darm-Zentrum Kempten-Allgäu zu sprechen. Der wachsenden Komplexität von Diagnostik und Therapie geschuldet, ist eine Behandlung von Krebspatienten heute eine gemeinschaftliche Aufgabe aller Hauptbehandlungspartner. Hausärzte, das Chirurgen-Team, Gastroenterologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen treffen sich wöchentlich zu interdisziplinären Tumorkonferenzen, bei denen die vorliegenden Befunde erläutert werden. Darauf basierend wird für jeden einzelnen Krebs-Patienten ein individuelles Behandlungskonzept erarbeitet. Somit ist ein hohes Maß an Qualität für die Betroffenen zu erreichen. Die Idealvorstellung, dass ein Arzt als einziger Ansprechpartner einen Patienten durch die gesamte Therapie begleitet, wie es von einem Zuhörer gefordert wird, ist aufgrund wachsender Komplexität der Behandlung laut Dr. Hart nicht mehr möglich. Allerdings verstehe er das berechtigte Anliegen nur zu gut und gehe davon aus, dass gerade durch die Bildung des Darm-Zentrums und die damit verbunden Zusammenführung einzelner Untersuchungs- und Behandlungsschritte das Gesamtkonzept mehr aus einem Guss sein wird, als das bisher der Fall war. Die Vernetzung der vorhanden Spezialisten in Kliniken und Praxen im Oberallgäu wird eine raschere und vor allem noch kompetentere Behandlung des Darmkrebses ermöglichen, so die feste Überzeugung des Vortragenden.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Entwurf der neuen Autobahnbrücke vorgestellt

Kempten – Deutlich auffälliger als bisher wird die neue Zeppelinbrücke über der A7, Höhe Ursulasried, gestaltet sein. Mit einem oberliegenden …
Entwurf der neuen Autobahnbrücke vorgestellt

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare