"Das ist schon was Besonderes"

Gekonnt platziert Lisa Schmid (links) auf der EM einen Fußschlag (Ura-Mawashi-Geri) an den Kopf ihrer Gegnerin. Dass die 16-Jährige eine fließige Sportlerin ist und Talent hat, sei schon früh erkannt worden, sagt ihr Trainer Siggi Drexel. Foto: Grüner

Eine spannende und anstrengende Zeit hat Lisa Schmid vom 1. Kemptener Karate Dojo im TVK 1856 hinter sich. Nach Wochen intensiver Vorbereitung startete sie jüngst auf der Karate-Europameisterschaft im serbischen Novi Sad. Sie zeigte sich gut in Form und landete am Ende auf dem guten siebten Platz (der KREISBOTE berichtete). Eine Pause gibt es für die 16-Jährige allerdings nicht: Bereits am Samstag steht die nächste Meisterschaft an.

Mitte November hat Lisa Schmid erfahren, dass Bundestrainer Thomas Nitschmann sie für die EM nominiert. Für Kemptens Jugendsportlerin des Jahres begann damit die Vorbereitungsphase. Bis zu fünf Mal in der Woche habe sie in der Halle trainiert und zusätzlich noch Kraft- und Ausdauertraining gemacht, erzählt sie gegenüber dem KREISBOTEN. Dazu kam an einigen Wochenenden noch das Bundeskadertraining in Duisburg. „Eine Europameisterschaft ist schon etwas Besonderes“, meint Schmid. Denn anders als auf den vielen internationalen Turnieren, auf denen sie bereits war, „tritt bei einer EM aus jedem Land nur die Beste an“. Dass sie diejenige war, die aufgrund ihrer Leistungen bei diversen nationalen und internationalen Wettkämpfen von Bundestrainer Nitschmann nominiert worden war, „macht mich schon stolz“. Am Tag ihres EM-Starts war Schmid eigenen Aussagen zufolge „schon angespannt“, sie habe sich aber auch auf das Turnier gefreut. Im Kumite (Freikampf) der Juniorinnen bis 59 Kilo traf sie zum Auftakt auf eine Athletin aus Zypern. „Ich musste erst einmal reinkommen in den Kampf“, erzählt die Schülerin des Kemptener Hildegardisgymnasiums. Heißt, die Gegnerin beobachten und zum eigenen Kampfstil finden. „Ich hab ziemlich schnell einen Punkt gemacht und dann den Kampf kontrolliert“, beschreibt sie ihren 1:0-Sieg in Runde eins. Das Erfolgsrezept im zweiten Kampf war eine gute Taktik. Schmids Gegnerin kam aus Serbien und war, wie die Wiggensbacherin erst später erfuhr, die amtierende Weltmeisterin. „Ich hab sehr defensiv gekämpft“, erzählt Schmid. Die Serbin habe von Beginn an Druck gemacht und angegriffen. Schmid agierte allerdings klug, lies ihre Gegnerin ins Leere laufen oder setzte zum richtigen Zeitpunkt einen Gegenangriff. „Ich habe sie angreifen lassen und sie dann dreimal ausgekontert. Aufgrund meiner guten Taktik in dem Kampf hatte sie eigentlich keine Chance Punkte zu machen.“ Am Ende siegte Schmid mit 3:1. Im Viertelfinale traf die TVK-Kämpferin auf eine Spanierin. „Wir haben beide abwartend gekämpft. Die Spanierin hat dann kurz vor Schluss einen Punkt gemacht, den ich leider nicht mehr aufholen konnte“, schildert Schmid. Da die Spanierin sich jedoch bis ins Finale vorkämpfen konnte, durfte die 16-Jährige Wiggensbacherin in der Trostrunde noch einmal ran. Dort erkämpfte sie sich noch den siebten Rang. Zufriedenheit beim TVK Als Fazit zur EM sagte Schmid gegenüber dem KREISBOTEN: „Ich bin gut ins Turnier gestartet und hab sogar die amtierende Weltmeisterin besiegt. Am Ende hat ein bisschen das Glück gefehlt. Mit dem siebten Platz bin ich aber zufrieden.“ Zufrieden waren auch Heimtrainer Siggi Drexel und der Abteilungsleiter des 1. Kemptener Karate Dojos im TVK, Andreas Hartmann. „Die amtierende Weltmeisterin auf einer EM zu schlagen, ist eine super Leistung“, lobt Hartmann. „Das Dojo Kempten ist stolz darauf, dass es ein Umfeld bieten kann, das solche Leistungen ermöglicht.“ Zu diesem Umfeld gehören nicht nur die Trainer, sondern auch die Eltern und alle Vereinsmitglieder, betont er. Trainer Drexel meint: „Es ist schon ein Erfolg, wenn man für eine EM nominiert wird. Da muss die Leistung über das ganze Jahr auf höchstem Niveau sein.“ Mit der Platzierung sei er zufrieden, da es auf dieser Ebene sehr knapp sei. „Dass Lisa in der Vorrunde gegen die Weltmeisterin gewonnen hat zeigt, dass sie zurecht nominiert wurde“, ergänzt er. Für Lisa Schmid steht mit der Bayerischen Meisterschaft am kommenden Wochenende in Sonthofen bereits das nächste wichtige Turnier auf dem Programm. „Mit guten Platzierungen im nächsten halben Jahr, versuche ich mich für die Weltmeisterschaft im Herbst zu qualifizieren“, sagt sie. Auf dieses Ziel arbeitet auch Drexel mit ihr hin. „Wir werden noch ein paar Kleinigkeiten in der Taktik verbessern und weiterhin die Techniken gezielt trainieren.“ Für die nächste Zeit seien weitere internationale Meisterschaften geplant. „Ich hoffe, dass Lisa für die Weltmeisterschaft in Malaysia nominiert wird“, so Siggi Drexel abschließend.

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