"Das wird man nicht einfach so"

Ingeborg Pongratz (rechts), Landesvorsitzende des Kneipp-Bunds Bayern, überreicht Rektorin Christine Miller Sobota die Plakette und einen Kranz. Foto: Kampfrath

An der Volkschule Heiligkreuz wird bald eine silberfarbene Plakette prangen. Demnach ist die Lehranstalt des Kemptener Stadtteils eine vom Kneippbund anerkannte Schule. Am vergangenen Freitag erhielt das Lehrerkollegium die Plakette und eine Urkunde. Die Grundschule in Heiligkreuz ist die erste bayerische Bildungsstätte, der diese Ehre zuteil wurde.

Marko und Laura tauchten beherzt ihre Unterarme in das Wasser der blauen eckigen Kunststoffbehälter. Die beiden Achtjährigen genossen gerade ein Armbad. Die Kinder im Schulgarten schossen auf eine Torwand, überquerten ohne Schuhe die Steine und das Holz des Fußfühlpfades oder marschierten durch das Wasser im mobilen Tretbecken. Ingeborg Pongratz, Landesvorsitzende des Kneipp-Bunds Bayern, schaute ihnen erfreut zu. „Die Kinder werden durch diese Anwendungen wieder munter“, sagte sie gegenüber dem KREISBOTEN. Der Kneipp-Bund habe das Konzept „Gesundheit macht Schule“ an rund 5000 Schulen in Bayern verschickt. Nun trage es langsam Früchte. „Wir sind sehr froh, dass es hier in Heiligkreuz geklappt hat. Kneipp-Schule wird man nicht einfach so“, erklärt die Landshuterin. Tatsächlich galt es, einige Richtlinien zu erfüllen. So absolvierten die Rektorin Christine Miller-Sobota und ihre beiden Kolleginnen Ingrid Blenk und Heike Weindel eine Ausbildung zur Gesundheitslehrerin an der Sebastian-Kneipp-Akademie Bad Wörishofen. Die Mittagsbetreuerin Elfriede Menz ließ sich dort zur Gesundheitserzieherin qualifizieren. Die Pädagoginnen mussten die fünf Kneippschen Elemente Wasser, Bewegung, Ernährung, Lebensordnung und Heilpflanzen in den Schulalltag einbauen. Das gelang ihnen unter anderem durch Armbäder, Spiellieder, das monatliche gesunde Frühstück, Wohlfühlmassagen und die Kräuterschnecke. Das ist ein erhöhtes, mit Steinen gebautes Beet, in dem Kräuter gedeihen. „Die Kneipp-Anwendungen sind mit dem Unterricht verbunden. Nur Taulaufen und Schneelaufen finden vor Schulbeginn statt“, erzählte Lehrerin Heike Weindel. Buntes Programm Am Tag der Verleihung boten die Grundschüler den Gästen einiges. Sie mischten ihnen aus Meersalz und ätherischen Ölen Badezusätze oder reichten essbare Blüten und Häppchen mit Kräuteraufstrichen. Andere befüllten mit verschiedenen Kräutern Duftsäckchen gegen Erkältungen, Kopfschmerzen oder zur Beruhigung und Konzentration. Apropos Konzentration: „Sebastian Kneipp wollte etwas tun, damit die Kinder nicht so nervös sind“, meinte Christine Miller-Sobota. Sie habe vor zweieinhalb Jahren von dem Konzept „Gesundheit macht Schule“ gehört. „Es ließ mich nicht mehr los. Ich hatte den Wunschtraum, das Projekt an meine Schule zu holen.“ Mit Elfriede Menz habe sie die Ausbildung in Bad Wörishofen durchlaufen. Mit ihrer Idee sei sie bei Schulrat Johann Fasser, OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und den Kollegen auf positive Resonanz gestoßen. "Viele neue Ideen" „Wir wollen mit ganz vielen Kindern diesen Weg gehen. Viele Kinder sollen Kneippianer werden“, so die Schulleiterin. Nach und nach habe man die fünf Elemente an der Schule eingeführt. Angefangen habe alles mit dem Tau- und Schneelaufen. Die Torwand habe man mit der Hilfe der Stadträtin Claudia Dress (CSU) „abgestaubt“. Die neueste Errungenschaft sei ein Freiluftklassenzimmer. „Wir haben schon viele neue Ideen“, verkündete Miller-Sobota. Sie fragte die Kinder, ob es sich gelohnt habe. Die Antwort war ein einhelliges Ja. „Wer kneippt denn auch daheim?“ wollte sie von den Schülern wissen. Viele Arme schnellten nach oben. Die Schüler der dritten Klasse führten ein selbst geschriebenes und gestaltetes Theaterstück auf. Darin schließen eine Füchsin und ein Dachs eine Wette ab in der es darum geht, wer sich besser verkleiden kann. Dann sangen die Schüler aller Klassen unter Gitarrenbegleitung das Lied „Wir sind die Kinder von Heiligkreuz und haben Kneipp als Konzept“. Ingeborg Pongratz war sichtlich gerührt: „Liebe Kneippkinder, ich bleibe hier und gehe bei euch in die Schule.“ Sie überreichte die Plakette an Miller-Sobota und die Lehrerkolleginnen. Der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring (Grüne) erinnerte sich daran, dass er im Alter von sieben Jahren zum Kneippen in Bad Wörishofen war. Er zitierte Kneipp mit den Worten „Wer nicht Zeit in seine Gesundheit investiert, muss eines Tages viel Zeit für seine Krankheiten opfern.“ Im Kulturausschuss des Landtags diskutierten er und andere, ob Gesundheitslehre als Schulfach eingeführt werden solle. Dafür müsse allerdings ein anderes Fach geopfert werden. „Als Allgäuer Abgeordneter freue ich mich, dass die erste Kneipp-Schule Bayerns in Heiligkreuz ist“, so Gehring. Die Plakette bleibt nicht die einzige Neuerung an der Schule. Im Schulgarten wächst jetzt eine Sebastian-Kneipp-Rose.

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