Tannheimer Hütte wird neu gebaut

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Für das kommende Jahr hat sich der Alpenverein, Sektion Allgäu-Kempten, einiges vorgenommen. So soll die Tannheimer Hütte abgerissen und neu gebaut werden. Jugendrefernt Norbert Grotz (v.l.), Schatzmeister Klaus Wüst, Vorsitzender Harald Platz und Andreas Ellinger vom Referat für Leistungs- und Wettkampfsport betrachten ein Modell, das die Hütte in ihren Anfangszeiten zeigt.

Kempten – Seit 126 Jahren steht die Tannheimer Hütte in den Tannheimer Bergen. Im kommenden Jahr soll der Bau aus Feuerschutzgründen abgerissen werden. An seiner Stelle wird eine neue, größere Hütte entstehen. 

Das gab die Sektion Allgäu-Kempten des Deutschen Alpenvereins (DAV) bei einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche bekannt. Die Tannheimer Hütte liegt oberhalb der Tiroler Gemeinde Nesselwängle und gehört seit 120 Jahren dem DAV. In dieser Zeit wurde sie ständig verändert und erweitert. Die kleinste Hütte des Allgäuer DAV hat eine Solar- und Fotovoltaikanlage auf dem Dach und ist durch das benachbarte Gimpelhaus an die Kläranlage des Tannheimers Tals angeschlossen. Doch nun entspricht das Gebäude nicht mehr den feuerschutzrechtlichen Bestimmungen, sodass sich der DAV für einen Neubau entschieden hat. Die neue Hütte werde zwar größer, sich aber dennoch laut Verein harmonisch in die alpine Umgebung einfügen. „Die Planung ist komplett fertig und wird jetzt eingereicht“, sagte Harald Platz, Vorsitzender der DAV-Sektion Allgäu-Kempten. Nach seinen Vorstellungen sollen die Bagger und Bauarbeiter im August 2013 anrücken. Bis dahin bleibe die Hütte noch geöffnet. „Mein Wunschtermin für den Hebauf wäre Ende Oktober“, so Platz. Im Frühjahr 2014 soll das neue Haus dann stehen. Der Allgäuer DAV plant mit 1,1 Millionen Euro als Investitionskosten. Der Hauptverein des DAV steuert 500 000 Euro bei, für die restlichen 600 000 Euro gewährt er der Sektion ein zinsgünstiges Darlehen. „Die Finanzierung steht“, verkündete Platz. Bislang habe der Verein 10 000 Euro an Planungskosten für einen Architekturwettbewerb ausgegeben. Einen Gastraum für 50 Personen im Erdgeschoss, Sanitärräume für Jugendliche im Untergeschoss, 36 Schlafplätze – all das soll die neue Hütte bieten. Im jetzigen Haus gibt es für die Gäste nur 18 Lagerplätze. Die Gemeinde Nesselwängle sei wegen des Tourismus im Tal sehr an der Tannheimer Hütte interessiert. Der Vereinsvorsitzende nannte einen weiteren Pluspunkt des Neubaus. „Wir sind, was Energie und Abwasser angeht, vollkommen autark.“ Höhere Investitionen des DAV sind auch bei der weitaus größeren Kemptner Hütte, die bei Oberstdorf in 1846 Metern Höhen liegt, nötig. Denn die Kapazitäten der bisherigen Kläranlage unterhalb des Hauses, die für 350 Gäste ausgelegt ist, reichen nicht mehr aus. Ein Nachteil ist laut DAV, dass es sich um eine biologische Kläranlage handelt. In dieser Höhe sei der optimale Betrieb solcher Kläranlagen durch Klimabedingungen wie den starken Temperaturschwankungen generell problematisch. Jahreszeitlich bedingt schwanke zudem die Auslastung der Kemptner Hütte, die 200 Lager und 85 Betten hat, stark. All das ist laut Harald Platz eine Belastung für die Wirte und die Allgäuer Sektion „Wir haben nicht vor, die Hütte zu erweitern“, betonte Harald Platz. 

Gemeinderat entscheidet 

Zurzeit suche man zusammen mit der Gemeinde Oberstdorf nach einer Alternative für die biologische Anlage. Der Vorstand der DAV-Sektion wünscht sich, dass die Kemptner Hütte im Jahr 2013 oder 2014 über die Spielmannsau an das öffentliche Oberstdorfer Abwassernetz angeschlossen wird. Platz sprach von einer „anspruchsvollen Aufgabe“. Die Kosten dafür schätzt der Vorsitzende auf 800 000 Euro. „Die Kanalrohre sind mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern relativ dünn“, erklärte Norbert Grotz, Jugendreferent der Sektion Allgäu Kempten. Ob die Zuleitung zum öffentlichen Kanalnetz tatsächlich entstehen wird, hängt vom Oberstdorfer Gemeinderat ab. Bei der nächsten Sitzung will das Gremium über den Bau eines Abwasserkanals zur Spielmannsau, einem Oberstdorfer Weiler, entscheiden. Stimmt der Gemeinderat erwartungsgemäß zu, wird auch noch eine Abwasserleitung von der Kemptener Hütte zur Spielmannsau gebaut. Wegen einer neuen Kletteranlage sucht der DAV zurzeit ein Grundstück in Kempten. „Wir sind bei allen Anlagen an der Kapazitätsgrenze“, sagte Andreas Ellinger, der für den Bereich Wettkampf- und Leistungssport zuständig ist. Vor allem das Klettern werde immer beliebter. Das Bouldern, das Klettern an einer Wand ohne Seil, habe sich beson- ders bei Kindern und Jugendlichen zu einer Trendsportart entwickelt. Zu den bisherigen Anlagen der DAV-Sektion zählen das Kletterzentrum im Engelhaldepark sowie die Boulderhallen am Königsplatz und in der Nordschule in Kempten. „Wir hoffen in den nächsten zwei bis drei Jahren mit der neuen Anlage an den Start gehen zu können“, so Ellinger. Franziska Kampfrath

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