Stimmig-harmonische Einheit

Unterschiedliche Werke

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Die Videoinstallation „Fragments oft the Universe“ bildet den Mittelpunkt der gleichnamigen Debütantenausstellung des Künstlers Lukas Kindermann (rechts im Bild).

Kempten – Ein nur dezent bestückter Raum, der den einzelnen Objekten viel Wirkungsmöglichkeit lässt. So präsentiert sich derzeit die Kunsthalle, in der die recht unterschiedlichen Werke des aus Lindenberg stammenden Künstlers Lukas Kindermann eine stimmig-harmonische Einheit zu bilden vermögen.

Drei, wie schwerelos im All tanzende Meteoriten bilden das Zentrum. Kindermann hat dafür aus den Abbildungen dreier realer Meteoriten eine Videoinstallation auf drei von der Decke hängenden Leinwänden geschaffen. Es ist seine neueste Arbeit, wie er sagt, extra für seine Debütantenausstellung in der Kemptener Kunsthalle, die der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) regelmäßig für seine Nachwuchskünstler auf die Beine stellt. Damit die „Fragments of the Universe“ – auch Namensgeber für die Ausstellung – ihren verdienten Platz im Katalog bekommen können, gibt es diesen erst Ende März. Interessenten können sich aber auf einer Liste eintragen.

In einer zweiten Variante zum Thema, namens „Meteorites“, stellt er sechs unterschiedlich große, originale Stücke den von ihm doppelt verfremdeten zur Seite – erst überführt in die virtuelle Welt des Computers, dann materialisiert als Plotterzeichnung.

Eine ganz andere Welt eröffnet Kindermann seinem Publikum in einer staunen machenden „Magenschau“ mit dem Titel „Was Berliner Hunde fressen“. Sauber in zwei Setzkästen sortiert reihen sich da wundersame Dinge aus Hundemägen aneinander, die die jeweiligen Hundebesitzer nicht zuletzt wegen der anfallenden Tierarztkosten vermutlich weniger heiter gestimmt haben dürften, als die Betrachter der beiden dokumentierenden Digitaldrucke.

Der 29-jährige Westallgäuer Kindermann, der die Münchner Kunstakademie im letzten Jahr mit Diplom abgeschlossen hat, scheint aus einem reichen Reservoir an Ideen zu schöpfen, die er in frappierend kreativen Konzepten verarbeitet. Für die Videoarbeit „sitz, platz, steh“ war er im vergangenen Jahr mit dem Förderpreis der Rudolf-Zorn-Stiftung ausgezeichnet worden.

Wie Sisyphos

Eine bereits etwas ältere Videoarbeit aus dem Jahr 2006 zeigt den Künstler Kindermann selbst, wie er tiefer und tiefer ein Loch in den Schnee gräbt, bis er am Ende darin stehend nicht mehr sichtbar ist. Insgesamt 20 Minuten dauert der Vorgang, der angesichts der dicken Schneeflocken, die da- bei vom Himmel fallen, an Sisyphos und sein Schicksal denken lässt.

Scharf geschossen

Einen skurril-witzigen Bogen schlägt der Medienkünstler Kindermann bei „Rescuer“: In einem fast achtminütigen Videoloop reihen sich Spielfilmszenen aneinander; Szenen, in denen auf Menschen vermeintlich tödlich geschossen wird, ihnen aber ein ganz banaler Gegenstand das Leben rettet. Unter anderem ein Silberdollar in der Brusttasche, ein Silbertablett als „Schutzschild“, eine Schallplatte, ein metallenes Kreuz oder auch ein Packen Dollarnoten dienen als lebensrettende Projektilbremse.

An der Wand hinter dem Bildschirm hängen möglichst ähnliche Gegenstände als Objekt – von Kugeln durchlöchert. Um sie möglichst authentisch auszusehen zu lassen, hat Kindermann sie tatsächlich scharf beschießen lassen.

Die Debütantenausstellung „Fragments oft the Universe“ von Lukas Kindermann aus Lindenberg ist noch bis nächsten Sonntag, 9. Februar, in der Kunsthalle Kempten zu sehen: Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag jeweils von 16 bis 20 Uhr sowie am Samstag von 12 bis 18 Uhr.

Christine Tröger

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