"Denkanstöße geben"

Wege für eine klimaverträgliche Zukunft im Alpenraum aufzuzeigen, hat sich das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) auf die Fahnen geschrieben. Mit seinem Projekt „AlpEnergy“ soll die Energieversorgung im Allgäu für die Zukunft gesichert und zugleich die Nutzung erneuerbarer Energien gefördert werden. Dass es für letzteres ein hohes Potential in der Region gibt, wurde bereits im vergangenen Jahr durch die PEESA-Studie bestätigt (der KREISBOTE berichtete).

Mit einem zunächst virtuellen Stromversorgungssystem als Pilotprojekt will das AÜW eine zuverlässige und kontinuierliche Versorgung im Allgäu entwickeln, das später in der Praxis bestehen soll, mit Fokus auf Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme. Oder wie AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke zusammenfasste: „Wie bringe ich Energie intelligent von A nach B“, und erzeuge Strom dann, wenn er auch gebraucht wird. Zwar habe die Bundesnetzagentur eine „gute Effizienz“ bescheinigt, aber im Alpenraum sei die Verteilung durch viele dünn besiedelte Gebiete, unterschiedliche Höhenlagen sowie das weit verzweigte Freileitungsnetz schwierig und auch ein gleichmäßige Netzauslastung sei nicht gegeben. Derzeit werden 500 repräsentative Haushalte und Betriebe ausgewählt, deren Stromzähler durch ein „Smart-Meter“ ersetzt werden. Der zeige konkret an, wie viel Kilowatt ein Gerät gerade verbraucht und soll auch „Denkanstöße geben Energie einzusparen“, erklärte Michael Fideldey, Geschäftsführer des Projektpartners Allgäu Netz GmbH. Anhand der gewonnenen Verbrauchsdaten könnten Bedarf und Erzeugung aufeinander abgestimmt werden. Das virtuelle Kraftwerk soll aus vielen kleinen, dezentralen und sinnvoll miteinander vernetzten Energieerzeugungsanlagen des Alpenraumes bestehen. Mit einem „intelligenten Abnahmemix“, wie Fideldey es nannte, wolle man einen lukrativen Anreiz auch für Privathaushalte und Betriebe bieten, Energie zu erzeugen und ins Netz einzuspeisen. "Eine Riesenchance" Bis zum Jahr 2020 soll die Region zu 41 Prozent mit regenerativer Energie versorgt werden, begrüßte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) die „Riesenchance“ für Kleinerzeuger „auf diese Revolution zu reagieren“. „Mit unserem klassischen Geschäftsmodell werden wir in 20 bis 30 Jahren vermutlich vom Markt gefegt“, unterstrich Lucke das Interesse des AÜW an dem auf drei Jahre angelegten Projekt, dessen Ergebnisse „täglich aktuell im Internet“ eingesehen werden könnten. Mit einem weiteren Projekt im Rahmen des EU geförderten Alpine-Space-Programms sollen alternative Mobilitätskonzepte entwickelt werden. „CO2NeuTrAlp“ beschäftigt sich damit, „wie Mobilität aussieht, wenn wir uns kein Benzin mehr leisten können“, wie Ludwig Karg, Geschäftsführer der dabei federführenden B.A.U.M. GmbH, meinte. Getestet werden soll die Alltagstauglichkeit verschiedener Elektrofahrzeuge wie Fahrrad, Segway und vor allem Autos. In einer Positionierung des Allgäus „über Tourismus, Klimaschutz und Nutzung einheimischer Energie“ sah Klaus Fischer, Geschäftsführer der in beide Projekte eingebundenen Allgäu Initiative eine „Vorreiterrolle“ der Region beim Trendthema Elektrofahrzeuge. „Die Rolle des Energieversorgers wird sich hin zum Systemdienstleister wandeln“, blickte Fideldey in die Zukunft.

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