"Der Philosoph – ein tragischer Optimist"

Denken und Schauen zugleich, ist wohl eines der Anliegen der Kunstausstellung, die vergangenen Mittwoch im Haus der Senioren eröffnet wurde. Mit seinen graphischen Arbeiten zum Thema „Der Philosoph – ein tragischer Optimist“ gedenkt der Allgäuer Künstler Professor Dr. Roland Breitinger seinem 2008 verstorbenen Freund und Kollegen, dem Philosoph Helmuth Fuchs.

Fuchs, ein ehemaliger Germanist und Philosophiedozent an der VHS Kempten, habe laut dem guten Freund Rudi Walter vieles bewegt. „Seine Vorträge hatten eine große Spannweite: sie reichten vom philosophischen Kochstudio bis zum philosophischen Dschungelcamp“, so Walter. Das „Koch- studio“ habe Fuchs als Möglichkeit gesehen, die Philosophie schmackhaft zu machen, das „Dschungelcamp“ habe ihm dazu gedient, im Dickicht des Lebens den richtigen Weg zu finden. Besonders bezeichnend sei jedoch gewesen, dass Fuchs „die Philosophie nicht durch Thesen erfasste“, sondern sie als „Brücke zur Menschlichkeit“ begriffen habe. Breitinger selbst erzählte, wie es zu dieser Ausstellung gekommen war. Seinen Einstieg in die Philosophie habe er erst über einen VHS-Arbeitskreis bei Fuchs gefunden. Daraufhin habe er einige philosophischen Vorlesungen besucht, darunter auch Vorträge von Golo Mann und Max Bense. „Im September habe ich dann bei einem Treffen mit Karlheinz Frick, dem Leiter des Haus der Senioren, der Idee einer Ausstellung in memoriam Helmuth Fuchs leichtsinnig zugesagt“, berichtete der Künstler. Zu diesem Zeitpunkt bereits mit genug Arbeit eingedeckt, „bin ich erstmal in Verzweiflung geraten“, gesteht Breitinger. Die 40 Kunstwerke, die nun ausgestellt sind, seien im Zeitraum von acht Wochen entstanden – fast schon ein Wunder. Es handelt sich fast ausschließlich um Zeichnungen und Kaltnadel-Radierungen, eine Technik bei der die Zeichnung unter Kraftaufwand mit einer Stahlnadel direkt in die Druckplatte eingeritzt und anschließend Druckfarbe aufgetragen wird. Breitinger habe versucht, Helmuth Fuchs aus seinem Gedächtnis heraus wieder entstehen zu lassen, trotzdem sei die Ausstellung keine reine Fuchs-Ausstellung. Er habe genauso versucht, die Biographien anderer berühmter Philosophen, wie zum Beispiel Descartes, Schopenhauers oder Kants einzuarbeiten. "Skeptische Haltung" „Die Zeichnungen offenbaren meine skeptische Grundhaltung zur Philosophie, besonders durch den scheinbaren Gegensatz zwischen Text und Bild“, erläuterte der Künstler. Trotzdem sei er dankbar für die Begegnung und die vier Jahre mit Fuchs, die ihn zur Philosophie geführt haben. Um die Gäste der Ausstellungseröffnung noch einmal an Helmuth Fuchs zu erinnern, führte Frick einen Kurzfilm mit dem Titel „Der Weg vom Mythos zum Logos“ vor, der Ausschnitte aus einem Vortrag Fuchs im Rahmen des philosophischen Sommerfests der VHS 2005 zeigt. Musikalisch umrahmt hat die Veranstaltung, zu der auch Bürgermeister Josef Mayr geladen war, der Cellist Stefan Buchmiller, der mit einer Solo-Sonate des ungarischen Komponisten Kodály beeindruckte.

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