Im Alphabetisierungskurs von der arabischen Schrift zur lateinischen

Übereifrige Zweitschriftlerner

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Seit vier Wochen treffen sich die Flüchtlinge drei mal pro Woche, um gemeinsam Deutsch zu lernen.

Im kleinen Klassenzimmer der Sprachenschule Lingua Viva geht es temperamentvoll zu: Zwölf Flüchtlinge aus Syrien, fünf Männer und drei Frauen, lernen deutsch sprechen sowie schreiben und haben vor vier Wochen praktisch bei Null damit angefangen.

Von ihrer Lehrerin, Irmi Wiedemann, freundlich ermuntert, stellen sie sich einzeln vor: „Ich heiße ...“ und „Ich komme aus Syrien“ und „Ich bin vierzehn Jahre alt“. Hm, sollte das nicht „vierzig“ heißen? 

Seit vier Wochen arbeitet sich die homogene Gruppe dreimal pro Woche an vier Vormittagsstunden durch das dicke Heft, das ihnen als Lernmaterial zur Verfügung steht. Die Leute sind „Zweitschriftlerner“, beherrschen zwar die arabische Schrift, nicht jedoch die lateinische. Deshalb werden die einzelnen Buchstaben in Druckschrift geübt. Heute ist das K dran, von Kiste und Kerze. Ein übereifriger Teilnehmer lernt zudem noch die Schreibschrift und malt in schönen Bögen das schwere Wort „Kugelschreiber“ an die Tafel. 

Wiedemann hat eine Zusatzqualifikation für Integrations- und Alphabetisierungskurse und ist mit großem Engagement bei der Sache. „Die Leute sind so lernbegierig und feuern sich gegenseitig an“, sagt sie und verweist auf den immensen Bedarf an Sprachkursen. Sie werden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge organisiert, das für alle Menschen aus Syrien die Kosten übernimmt. Kleine Spiele lockern den Unterricht auf und wenn die Teilnehmenden einen Zettel ziehen und pantomimisch darstellen sollen, was draufsteht, wird natürlich gelacht: „Ich bin müde“ oder „Ich bin durstig“. Es wird im Chor gesprochen, die einzelnen Silben zusammengesetzter Worte werden rhythmisch geklatscht. Der dreijährige Junge, den eine Syrerin heute mit in die Klasse gebracht hat, spielt friedlich neben seiner Mutter und schnappt ganz nebenbei die Sprache auf. Er geht in den Kindergarten wird später wohl keinen Deutschkurs brauchen. 

Am Ende des Vormittags verteilt Wiedemann selbst entworfene Arbeitblätter mit den Hausaufgaben und die Leute verabschieden sich mit einem überzeugenden „Alles gut“ und einem herzlichen „Dankeschön“.  Elisabeth Brock

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