Gabriele und Elmar Hausmann feierten Diamantene Hochzeit

Ehe im Dienst am Nächste

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Eine 60 Jahre andauernde Ehe, die geprägt war vom Dienst am Nächsten, führen Gabriele Hausmann (l.) und Elmar Hausmann (r.). Zur Diamantenen Hochzeit gratulierte u.a. die Stadt Kempten in Vertretung durch Bürgermeister Josef Mayr.

Kempten – Anderen Menschen helfen zu wollen – diese Lebenseinstellung kann zwei Menschen ein Leben lang zusammenschweißen. Bei Gabriele Hausmann, geb. Reize, und dem gelernten Zimmermann Elmar Hausmann war dies bis auf den heutigen Tag der Fall, so dass das Paar am vergangenen Donnerstag auf 60 gemeinsame Ehejahre zurückblicken konnte.

Beide erblickten in der MItte der 1930er Jahre in Kempten das Licht der Welt. Sie war in der späteren Jugend als Säuglingspflegerin in Augsburg tätig, Elmar Hausmann verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Zimmerer bei verschiedenen Kemptener Zimmereien. Schon in ihren frühen Jahren fühlten sich beide stark zu ihrem christlich-katholischen Glauben hingezogen. Gabriele Hausmann lebte für sechs Wochen als Novizin in Altötting und auch ihren späteren Ehemann zog es beinahe für ein Leben lang ins Kloster. Aber wie es der Herrgott wohl für die beiden vorsah, blieb ihnen ein Leben hinter Klostermauern verwehrt. Stattdessen sollte ihr Leben erfüllt sein vom Dienst am Nächsten.

Kennengelernt hatten sich beide im Kolpinghaus in Kempten, wo Gabriele Reize Theater spielte und Elmar Hausmann als Kulissenschieber fungierte. Geheiratet haben dann beide einige Zeit später im Januar 1956 in der Lorenzkirche. Gabriele Hausmann wurde mit nur einer Niere geboren. Als sie an dieser schwer erkrankte, kam es zu einer folgenschweren Operation, die ihr im Ergebnis ihre Gebärfähigkeit nahm. Beide Ehepartner beschlossen gemeinsam im Ausland missionarisch und karitativ tätig zu werden. Wunschziel war zuerst Chile, geworden ist es dann allerdings Nordrhodesien, wo beide zu Beginn des Jahres 1960 ihren Dienst an der Fatima-School in Ndola aufnahmen. In diesem zentralafrikanischen Land, das damals noch von der strikten Rassentrennung geprägt war, begann Gabriele Hausmann als Lehrerin für drei- bis fünfjährige Kinder zu arbeiten und ihr Ehemann Elmar Hausmann beteiligte sich tatkräftig als Zimmerer am Schulaufbau. Diese Zeit wird von beiden als sehr schön beschrieben, wenngleich ihre Lebensumstände ärmlich blieben. Es gab nur zwei Stunden Strom am Tag, am Abend erhellte das Licht von Petroleumlampen die Farmen. Immer mehr gingen die beiden dazu über Englisch zu sprechen. „Ich erinnere mich, irgendwann sprach mich dort ein Deutscher auf Hochdeutsch an. Schwätz g‘scheit oder Englisch, aber net Hochdeutsch“, erinnert sich schmunzelnd Elmar Hausmann, diesem geantwortet zu haben.

Immer wieder kehrten die beiden im Laufe der Jahre zurück nach Deutschland, da es manche finanziellen Schwierigkeiten gab. Stets blieb aber bei beiden Jubilaren der Wunsch lebendig, Menschen zu helfen, die weniger als sie selbst besaßen. Und so kehrte man auch nach der Unabhängigkeit Rhodesiens vom britischen Empire 1964 in den neu gegründeten Staat Sambia zurück, um an weiteren Schulen Kinder zu unterrichten und als Zimmermann zu helfen. Später tat man selbiges auch in Kenia.

Da beim Ehepaar Hausmann der Wunsch nach eigenen Kindern nicht in Erfüllung gehen konnte, beschlossen sie Kinder aus Afrika zu adoptieren. Insgesamt wurden drei Kinder adoptiert, von ihrer Tochter Frances bekamen beide vier Enkelkinder geschenkt. Glücklich leben diese heute u.a. in Stuttgart oder London. Noch heute ist Elmar Hausmann als Mesner in der Robert-Weixler-Klinik in Kempten tätig.

Jörg Spielberg

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