Dicke Luft im Festzelt

Die 60. Allgäuer Festwoche ist möglicherweise die vorerst letzte, auf der das Allgäuer Brauhaus das Festzelt betreibt. Eine Option auf eine neuerliche Verlängerung des heuer auslaufenden Vertrags mit der Stadt ist weder von der Traditionsbrauerei noch der Verwaltung gezogen worden – so zumindest die offizielle Version von Karin Siegert, Sprecherin des Brauhauses, und Heinz Buhmann, ehemaliger Leiter der Festwoche, vom vergangenen Freitag. Bereits Anfang vergangener Woche hat der KREISBOTE aber erfahren, dass das Brauhaus schon im vergangenen Jahr von sich aus den Vertrag gekündigt hat. Der Werkausschuss hat bereits reagiert und erstmals auch für das Festzelt eine beschränkte Ausschreibung unter Brauereien und Festwirten in der Region beschlossen. Eine Entscheidung, wer von 2010 bis 2015 das Festzelt betreibt, soll nach Auskunft der neuen Festwochen-Chefin Martina Dufner-Wucher aber erst im Herbst fallen.

Dass das große Festzelt auf der Festwoche vom Allgäuer Brauhaus betrieben wird, ist für die meisten Besucher seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Doch ab dem kommenden Jahr müssen sich die Allgäuer möglicherweise auf eine andere Kulisse für ihren Höhepunkt des Jahres einstellen – die langjährige Ehe zwischen Brauhaus und Stadtverwaltung steht vor dem Aus. Informationen des KREISBOTE zufolge hat das Brauhaus den sich immer wieder um fünf Jahre verlängernden Kontrakt im vergangenen Jahr aufgekündigt. Zwar wäre das Übereinkommen heuer ohnehin ausgelaufen, hätte aber leicht per Option verlängert werden können, wie beide Seiten am Freitag auf Nachfrage zugaben. Der Werkausschuss respektive seinerzeit noch Festwochenausschuss hat darauf bereits im Herbst reagiert und eine beschränkte Ausschreibung beschlossen. „Das stimmt, wir suchen einen Generalunternehmer für die Jahre 2010 bis 2015“, erklärte Dufner-Wucher auf Nachfrage. Heinz Buhmann ergänzte: „Man will allen nun grundsätzlich einmal die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen“, erklärte er die Hintergründe. „Wir wollen einen Wettbewerb um das beste Konzept für die Festwoche.“ Nach Informationen des KREISBOTE sind zehn heimische Festwirte und Brauereien angeschrieben worden, von neun ist bislang eine Rückmeldung gekommen. Nur die Memminger Brauerei hat sich bisher offenbar noch nicht gemeldet. "Eine Herzensangelegenheit" Auch das Brauhaus ist weiterhin im Rennen. Da man die Festwoche seit vielen Jahren aktiv begleite, „haben wir auch Interesse an einer weitergehenden Zusammenarbeit über 2009 hinaus“, so Karin Siegert. „Wir haben unserem Vertragspartner unser Interesse an einer Fortsetzung des Engagements bereits schriftlich bekundet“, schreibt sie weiter. Als Kemptener Unternehmen sei dem Brauhaus die Festwoche „eine echte Herzensangelegenheit“ und „wir möchten gerne auch künftig diese schöne und bedeutende Veranstaltung mit Leben und neuen Ideen füllen.“ Allerdings müssten die Rahmenbedingungen erst noch verhandelt werden. Diese Verhandlungen könnten allerdings langwieriger werden als von manchem gedacht. Hinter vorgehaltener Hand wird geraunt, dass das Brauhaus mit der Kündigung des Vertrags lediglich der Stadt und dem Werkausschuss entgegengekommen sei. Bereits seit geraumer Zeit wird hinter den Kulissen über Gestaltung und Konzeption des Festzeltes diskutiert. So hatten einige Stadträte im vergangenen Jahr beispielsweise die Einladung der Brauerei in ihren VIP-Bereich boykottiert. Manch einem ist das Unternehmen nach dem Weggang von Vorstand Harald Platz und der Verlegung der Brauerei ins Ostallgäu auch nicht mehr präsent genug in Kempten. Medienberichten zufolge will zwar auch das Brauhaus das bisherige Konzept überprüfen und diskutieren. Tatsächlich dürfte es aber wohl auch um handfeste finanzielle Interessen gehen. So hat das Festzelt erst vor drei Jahren eine neue Innenausstattung bekommen und nach dem Hagelsturm von 2008 muss nun eine neue Außenhülle her. Darüber hinaus soll allein die Platzgebühr für das Zelt an die 70000 Euro kosten. Zuviel für das Brauhaus? Wer letztendlich von den angeschriebenen Festwirten und Brauhäusern das Rennen für die nächsten fünf Jahre machen wird, ist derzeit noch offen. Frühestens im Herbst werde eine Entscheidung fallen, kündigte Martina Dufner-Wucher an. Dieses Vorgehen würde Sinn machen, denn so haben die Interessenten heuer die Möglichkeit, sich auf der 60. Festwoche darüber zu informieren, was auf sie zukommt.

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