Dienst nach Vorschrift

Regimentskommandeur Dr. Frank Hengstermann beim Empfang. Fotos: Matz

Die tiefen Wunden durch die Schließung des Bundeswehrstandortes Kempten sind noch immer nicht verheilt: Als „niederschmetternd, einen Schock, eine Katastrophe“ bezeichnete Regimentskommandeur und Oberfeldarzt Dr. Frank Hengstermann beim Neujahrsempfang des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu” am Dienstagmittag in der Residenz die Entscheidung des Verteidigungsministers. Dennoch werde in der Ari-Kaserne zunächst alles seinen gewohnten Gang gehen: Mit einem Abzug der Soldaten rechne er nicht vor 2014, sagte er vor etwa 200 geladenen Gästen. „Nichts wird heute, nichts wird morgen umgesetzt.“

„2012 ändert sich erst einmal nichts“, sagte Hengstermann. „Das Regiment wird 2012 alle Aufträge wie gewohnt ausführen.“ Mit einem Umzug der Kemptener Soldaten ins baden-württembergische Dornstadt rechne er nicht vor 2014 oder 2015, da die dortige Kaserne bis dahin noch von anderen Einheiten belegt werde. Allerdings lehne er den Begriff „Auflösung“ im Zusammenhang mit seinem Regiment ab, betonte Hengstermann. „Ich ersetze ihn durch Verlegung“, sagte er angesichts der Tatsache, dass die Sanitätsregimenter 41 aus Ulm und 42 (Kempten) zum Sanitätsregiment 3 vereint werden sollen. Ansonsten sei die detaillierte Umsetzung der Bundeswehrreform nach wie vor recht unklar, schilderte der Oberfeldarzt. Fest stehe nur, dass die Reform bis 2017 umgesetzt werden soll. „Jetzt geht es um die Feinplanung“, sagte er. Während es jedoch für die Soldaten des Regiments („Spieße und Kompanieführer werden gebraucht.”) eine Perspektive gebe, sei die Zukunft der zivilen Angestellten völlig ungewiss. „Kempten verliert bis 2017 1000 Arbeitsplätze“, sagte er. Darüber hinaus unterstrich Hengstermann die Verbundenheit des Regiments – das den Beinamen „Allgäu“ trägt – mit der Region. „Unsere Soldaten fühlen sich hier wohl“, betonte er. Die Stadt Kempten bleibe auch weiterhin ein Traditionsstandort mit hohem Wohlfühlfaktor. „Wir werden unsere geliebte Stadt Kempten erhobenen Hauptes verlassen“, betonte Kommandeur Dr. Hengstermann. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) schilderte die Entscheidung vom Oktober, den Standort zu schließen, als „eine tiefe Zäsur, einen Verlust, mit dem in diesem Ausmaß niemand in Kempten, im Allgäu gerechnet hatte.“ Dass der Verlust für eine wirtschaftlich starke Region wie Kempten zu verschmerzen sei, bezeichnete er als „eine komplette Fehleinschätzung, ein Trugschluss.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es vieler Bemühungen bedürfe, um zu einer Lösung zu kommen, warnte er vor allzu großen Erwartungen. „Schnelle Lösungen wird es nicht geben“, betonte Netzer.

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