Insgesamt 35 Veranstaltungen

Künstlerische Reise durch die Welt

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Feurige Rhythmen erklingen bei der Trommelgruppe „Aladji and Friends“.

Kempten – Auf künstlerische Weise konnte das Publikum am Samstag im Schönen Saal der Sing- und Musikschule die Welt bereisen. Beim Auftakt des diesjährigen Interkulturellen Herbstes erklangen Lieder und Musikstücke aus dem Senegal, Russland, der Türkei und anderen Ländern. Tänze aus Irland und Westafrika waren zu sehen.

„Wir haben schon immer in Kempten Personen aus der weiten Welt. Zurzeit leben hier Menschen aus 120 Nationen“, sagte Siegfried Oberdörfer, Integrationsbeauftragter des Kemptener Stadtrats, bei der Begrüßung. Dieses Jahr seien es 35 Veranstaltungen bei den Interkulturellen Wochen. Das Motto laute „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern“. Viele Menschen brächten sich ein, von denen fast alle einen Migrationshintergrund hätten. „In einer Zeit der politischen Destabilisierung, des Kriegs und des Terrors fliehen viele Menschen nach Deutschland und in andere europäische Länder“, erklärte OB Thomas Kiechle. Es sei eine erschreckende Zahl, dass über 51 Millionen Leute auf der Flucht sind. „Auch die Interkulturellen Wochen leisten ihren Anteil, dass in Kempten Menschen aus 120 Nationen friedlich miteinander wohnen.“ In der Stadt lebten viele Ehrenamtliche, die ihren Beitrag zu einem harmonischen Zusammenleben leisten.

Die Trommelgruppe „Aladji and Friends“ spielte zwei senegalesische Volkslieder. Zu Beginn sang Aladji Diabira a cappella und dann mit Trommelbegleitung. Das siebenköpfige Ensemble ließ feurige Rhythmen erklingen, die immer wilder wurden und sich ins Ekstatische steigerten. Die meisten spielten auf einer Djembé. Die Gruppe trommelte absolut sicher im Rhythmus und mit viel Leidenschaft. Aladji Diabira, der aus dem Senegal stammt, hatte seine Freunde gut im Griff.

Auswendig und vollkommen sicher in der Intonation bot die Sechstklässlerin Anastasia Zoubarev die Lettische Polka von Arvids Zilinskis auf dem Klavier dar. Schwelgerisch und mit viel Gefühl spielte Xenia Stoll Ludwig van Beethovens „Für Elise“. Dabei zeigte die Zwölfjährige eine abwechslungsreiche Dynamik. Ábel Horváth aus dem ungarischen Sopron interpretierte die Polonaise in cis-Moll von Fréderic Chopin mit viel Feinge-fühl im Anschlag. Er beeindruckte darüber hinaus mit seinem Temperament und vermochte, verschiedenste Klangfärbungen auf dem Klavier zu erzeugen. Die unglaublich schnellen Läufe und das häufige Überkreuzspielen bei „O Polichinelo“ von Heitor Villa-Lobos meisterte er präzise und bravourös. In der Variation von Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischem Marsch“ des türkischen Komponisten Fazil Say schlug der 18-Jährige auch jazzige Töne an. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Musikstilen gelang ihm problem-los. Dabei bewies er Spielwitz.

Die erste der beiden Kindergruppen der Tanzschule Stiltanz stellte sich erst schlafend und bewegte sich dann zu flotten Rhythmen. Die vielseitige Choreografie setzten die Mädchen mühelos um und waren dabei ziemlich synchron. Die zweite Kindergruppe tanzte äußerst anmutig, grazil und verführerisch zu einem französi- schen Popsong. Die Stepptanzwerkstatt führte einen irischen Tanz auf. Die Mädchen zeigten dabei flinke Bewegungen der Beine und zackige Sprünge.

Mit leichtem Wehmut und Sehnsucht in der Stimme sang der Russische Chor Ikarus Thingers „Dum Balalaika“. Ebenfalls auf Russisch gaben die Sänger voller Inbrunst das Lied „Apfelabend“ wieder. Bei „Seemann“ zeigte der Chor seine Freude am Singen. Das Lied „Isabella“ interpretierte das Ensemble sehr humorvoll. Mit viel Enthusiasmus und Rhythmusgefühl spielte eine Trommelgruppe von Asylbewerbern. Drei der sieben Mitglieder sangen beim ersten Stück: „Ich bin Ausländer, ich spreche nicht gut deutsch“. Heiße Rhythmen erwarteten die Zuhörer bei „Waka Waka“ von Shakira. Dabei zeigte ein Gruppenmitglied einen westafrikanischen Tanz.

Orientalische Klänge ertönten bei den türkischen Musikern um die Sängerin Songül Ugur. Sie fesselte mit ihrer obertonreichen, vollen und warmen Stimme. Ihre Lieder interpretierte sie mit viel Ausdruck, Kraft, Wehmut und Hingabe.

Kurze Interviews

Die Migranten selbst kamen bei kurzen Interviews mit Siegried Oberdörfer und Rudi Goschler, Geschäftsführer des Hauses International, zu Wort. Terry Enoma aus Nigeria erzählte, dass er vor vier Jahren nach Deutschland kam, da seine Mutter verstorben war und sein Vater hier lebte. Er schloss die Schule mit der mittleren Reife ab und macht derzeit eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Deutschen Bahn. Er spielt gern American Football. Agnes Illenseher aus Kasachstan berichtete, dass sie durch Kirchenbesuche Deutsch lernte. Sie besuchte nie einen Deutschkurs und war lange Zeit arbeitslos. Sie beteiligt sich beim Projekt „Bürgerladen“, wo Lebensmittel und andere Dinge günstig an ärmere Leute verkauft werden. Olga Rudi aus Kasachstan lebt seit 2002 in Deutschland und meinte, dass sie sich hier wohl und heimisch fühlt. Sie studiert in Kempten Sozialwirtschaft und würde gern im sozialen Bereich bleiben, wo man Menschen helfen kann.

Franziska Kampfrath

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